Genferin will in Bundesrat – Amaudruz kandidiert – das war die Medienkonferenz

Die Genfer SVP-Nationalrätin will Bundesrätin werden. Auf dem Weg dahin muss sie auch ihre eigene Partei überzeugen.
Céline Amaudruz will Bundesrätin werden. Das gab die langjährige SVP-Nationalrätin an einer Medienkonferenz in Genf bekannt – in einem Hotel vor dem Hauptbahnhof der Calvinstadt. Den Ort habe sie gewählt, um die Verbundenheit des Grenzkantons mit der Schweiz zu zeigen.
Ein Motiv, das in der fünfzigminütigen Medienkonferenz immer wiederkehrte. Genauso wie die Frage, ob sie genügend Rückhalt in der eigenen Partei habe.
Die SVP-Vizepräsidentin zeigte sich unbeeindruckt von der Kritik aus der Deutschschweiz an ihrer Kandidatur. «Ich verteidige seit Jahren die Werte der SVP», sagte Amaudruz. Sie könne nicht nachvollziehen, weshalb dies in Zweifel gezogen werde.
Kurzeinschätzung von SRF-Bundeshausredaktor Andreas Stüdli: «Céline Amaudruz mit 47 Jahren jünger als alle anderen Bundesrätinnen und -räte. Und mit ihr würde zum ersten Mal eine berufstätige Mutter von zwei kleinen Töchtern dem Bundesrat angehören. Bei der Ankündigung der Kandidatur haben die 47-jährige Genferin und der kantonale SVP-Präsident zudem den Anspruch der Westschweiz auf zwei Sitze im Bundesrat untermauert und sich kämpferisch gezeigt.
Diese erste offizielle Kandidatur verändert die Ausgangslage für die SVP. Würde die grösste Schweizer Partei keine Frau und niemanden aus der Westschweiz für den Bundesrat nominieren, müsste sie sich dafür rechtfertigen.
Amaudruz gilt bei anderen Parteien als wählbar, auch wegen ihren gesellschaftspolitisch liberaleren Positionen und dem Einsatz gegen häusliche Gewalt. Sie ist aber vor zehn Jahren alkoholisiert Auto gefahren. Weitere Leichen im Keller dürften in der SVP kaum toleriert werden. Offen bleibt, ob sie durch die Zürcher Regierungsrätin Nathalie Rickli Konkurrenz erhalten wird. Schafft es Céline Amaudruz auf das Ticket der SVP Schweiz, hätte sie auch gute Chancen, gewählt zu werden.»
Der Verleger und ehemalige SVP-Nationalrat Roger Köppel bezeichnete eine mögliche Kandidatur von Amaudruz im Vorfeld als «monumentalen Fehler». Diese sei in Bundesbern ein politisches Leichtgewicht und geniesse zu wenig Rückhalt in der SVP.
Abweichung in gesellschaftspolitischen Fragen
Amaudruz politisiert zwar weitgehend auf Parteilinie – ausser bei gesellschaftspolitischen Fragen. Dort ist Amaudruz liberaler als ihre Partei. Sie hat sich etwa gegen eine SVP-Initiative gestellt, wonach Krankenkassen Abtreibungen nicht mehr bezahlen sollten, sie engagierte sich für den Vaterschaftsurlaub und sie will die Eizellenspende erlauben.
An der Medienkonferenz echauffierte sich Amaudruz über die Frage, ob sie als Mutter von zwei Kleinkindern das Amt einer Bundesrätin wahrnehmen könne. Dies sei im Jahr 2026 absolut unangemessen, befand die SVP-Politikerin. Und: Sie würde Anstrengungen hintertreiben, Frauen vermehrt in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
Fragen, in denen sie eine abweichende Haltung vertrete, gehörten jedoch nicht zur DNA ihrer Partei, erklärt sie gegenüber SRF. Bei den Kernthemen – Nein zu Europa, für eine strenge Haltung gegenüber Einwanderung und für sichere Grenzen – vertrete sie zu 100 Prozent die SVP-Position.
Kritik an neuen Verträgen mit der EU
Amaudruz unterstrich dies in Genf mit ihrer Kritik am EU-Vertragspaket: «Die Unabhängigkeit und Souveränität der Schweiz stehen auf dem Spiel.» Es handle sich hier um die grösste Herausforderung, vor der die Schweiz stehe.
Dies sage sie allerdings als Nationalrätin. Bei einer erfolgreichen Wahl würde sie den «Mantel des Bundesrats» überstreifen und die Position des Gesamtgremiums vertreten.
Gleichzeitig machte sich die Genferin für ihren Heimatkanton und eine angemessene Vertretung der Romandie im Bundesrat stark. Auf dem Bundesratsticket der SVP brauche es «mindestens» eine Kandidatur aus der französischsprachigen Schweiz.
Überzeugungsarbeit in der eigenen Partei
Über Deutschschweizer Kritik am vermeintlichen Laisser-faire-Kanton Genf zeigte sich Amaudruz eher belustigt. Genf sei der grösste Geberkanton im Finanzausgleich und die «zweite wirtschaftliche Lunge» der Schweiz.
Das habe sich auch im Zollstreit mit den USA gezeigt: So habe die Schweizer Delegation, die ins Oval Office zu Donald Trump gereist sei, massgeblich aus Wirtschaftsgrössen aus Genf bestanden.
In der Westschweiz ist Amaudruz die Favoritin der SVP für die anstehende Bundesratswahl. Nun muss sie die Fraktion im Bundeshaus überzeugen, dass sie das auch national werden kann.
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