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Wednesday, October 14, 2026

Nach Tod von RJ Mitte – Schauspieler mit Behinderung: Wie inklusiv ist die Schweiz?

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In «Breaking Bad» spielte RJ Mitte den Sohn von Walter White. Wie seine Serienfigur lebte der Schauspieler mit infantiler Zerebralparese. Nun ist er mit 34 Jahren gestorben. Wie es Schauspielerinnen und Schauspielern mit Behinderung in der Schweiz geht, weiss Stephan Stock. Er ist künstlerischer Co-Leiter des Theaters Hora.

Stephan Stock

Co-Leiter des Theaters Hora

Stephan Stock studierte Schauspiel in Bern an der Hochschule der Künste und in Zürich. Seit 2020 ist er künstlerischer Co-Leiter des Theaters Hora in Zürich. Im Ensemble von Hora sind 18 Schauspielende mit einer kognitiven Beeinträchtigung. Es ist das älteste inklusive Theater der Schweiz.

Stephan Stock im Schauspielhaus Zürich

SRF News: Gibt es eine Lieblingsszene für Sie aus «Breaking Bad»?

Stephan Stock: Ich fand es gut, wenn RJ Mitte in der Rolle des Walter «Flynn» White Jr. seine Eltern zusammengeschrien hat. Diese Darstellung von jemandem, der Kraft hat, sich wehrt, Nein sagt. Denn es besteht immer noch die Tendenz, dass Menschen mit Behinderung in Film und Fernsehen nett, freundlich, zurückhaltend, bescheiden und toll sind. Er war einfach ein normaler Mensch, mal schlecht gelaunt, mal aggressiv oder wütend.

RJ Mitte hat sich dafür eingesetzt, dass Rollen von Menschen mit Behinderung auch von Menschen mit Behinderung gespielt werden. Ihm war aber auch wichtig, dass sie nicht auf solche Rollen beschränkt werden. Gibt es diese Forderungen auch in der Schweiz?

Das ist auch für unsere Schauspielerinnen ein grosses Thema. Sie haben Lust, spannende und aufregende Sachen zu spielen. Sie haben Lust, die Bösewichte oder die Könige zu spielen, aber sicher nicht einfach sich selbst. Das ist das Langweiligste für sie, weil sie professionelle Schauspielerinnen sind.

Leute wollten unsere Schauspielerinnen bei Projekten dabei haben und mit ihnen als Individuen arbeiten.

Wie steht es in der Schweiz um die Repräsentation von Schauspielerinnen und Schauspielern mit Behinderung?

Wir hatten in den letzten Jahren das grosse Glück, sehr viele Anfragen zu erhalten. Wir waren im Schauspielhaus Zürich, im Tanzhaus Zürich, am Theater Basel. Durch unsere Arbeit in der Schweiz habe ich das Gefühl, dass das Hora für Theaterproduktionen inzwischen wirklich angefragt wird. Leute wollen unsere Schauspielerinnen als Künstlerinnen bei Projekten dabei haben und mit ihnen als Individuen arbeiten. Nicht wegen ihrer Behinderung. Da ist in den letzten Jahren sehr viel passiert.

Es gibt Anfragen, da geht es einfach nur darum, Inklusion als Stempel für das Projekt zu haben.

Im Film und Fernsehen sind sicher noch viele Schritte nötig. Leider bedienen sich Filme und Fernsehproduktionen oft Klischees und zeigen eine Gesellschaft, die einfach zu verstehen ist, in der jeder seinen Platz und seine Rolle hat.

Welche Hürden müssen Schauspielerinnen und Schauspieler mit Behinderung nehmen?

Zum Glück gibt es weniger als früher. Doch es gibt Anfragen, da geht es einfach nur darum, Inklusion als Stempel für das Projekt zu haben: «Wir waren inklusiv.» Aber die Bedürfnisse der Schauspielenden werden überhaupt nicht mitgedacht. Bei einer Projektteilnahme ist es uns wichtig, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen und uns darüber auszutauschen, wie gearbeitet wird. Dass Produktionsabläufe an die Bedürfnisse der Schauspielenden angepasst werden – sei es, dass man bei Menschen mit Epilepsie ein wenig ruhiger arbeitet, oder dass man mit Leuten mit Trisomie 21 ein leichteres Umfeld schafft, in dem auch mit Improvisation gearbeitet werden kann.

Ist diese Bereitschaft, Produktionsbedingungen anzupassen, vorhanden?

Auf jeden Fall. Im Film und Fernsehen, wo Zeit noch teurer ist, muss man eher Abstriche machen. Es geht uns nicht darum, etwas durchzuzwängen. Im Grossen und Ganzen ist die Bereitschaft da, und die Leute freuen sich darauf, diese Arbeit zu machen. Im Endeffekt werden die Prozesse oft für alle Beteiligten angenehmer. Man nimmt sich mehr Zeit, miteinander zu reden. Die Atmosphäre wird entspannter. Und man merkt, dass man nicht immer effizient arbeiten muss, um gut arbeiten zu können.

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