Eine von 15 Katzen in den USA kann «Biberfieber» übertragen

- Hauskatzen können einen Darmparasiten tragen, der auch Menschen krank macht.
- In 6,3 Prozent von über 157’000 Kotproben wiesen Forschende den Parasiten Giardia nach.
- Fachleute empfehlen regelmässige Kotuntersuchungen, um Infektionen früh zu erkennen.
Wer eng zusammenlebt, tauscht mitunter auch Erreger aus. Doch nicht nur Menschen können einander infizieren. Auch Übertragungen von (Haus-)Tier auf Mensch sind möglich. Fachleute sprechen in solchen Fällen von Zoonosen. Von einem bislang kaum beachteten Risiko, das von Katzen ausgeht, berichten nun US-Forschende um die Veterinärmedizinerin Margaret Wingerd aus Fairfax (Bundesstaat Virginia).
6,3 Prozent der untersuchten Proben waren positiv
Das Team untersuchte über 157’000 Kotproben von Hauskatzen aus 49 US-Bundesstaaten und fünf kanadischen Provinzen auf den Parasiten Giardia duodenalis (siehe Box). Dabei wurde es überraschend oft fündig: Der Erreger wurde in 6,3 Prozent der Proben nachgewiesen. Bei 18,5 Prozent der infizierten Tiere wurden Stämme gefunden, die potenziell auch Menschen infizieren können.
Ein Parasit, viele Namen
Der Parasit heisst nicht immer gleich. Andere Namen von Giardia duodenalis sind Giardia intestinalis, Giardia lamblia und Lamblia intestinalis. Die beiden letzten Bezeichnungen gelten als veraltet, finden mitunter aber immer noch Verwendung.
«Voluminöse, schaumige, fettreiche Durchfälle»: Das sind die Symptome
Giardia duodenalis ist ein weltweit vorkommender, einzelliger Parasit des Dünndarms, der sowohl den Menschen als auch andere Säugetiere befällt. Laut Doccheck Flexikon verursacht er Darmerkrankungen und «voluminöse, schaumige, fettreiche Durchfälle». Infektionen des Menschen gehen auf die Genotypen A und B zurück. Sie können die sogenannte Giardiasis auslösen. Mitunter ist auch von «Biberfieber» die Rede. Dies, nachdem vor allem in Kanada in den 1970er-Jahren Ausbrüche mit verunreinigtem Wasser in Bibergebieten in Verbindung gebracht wurden.
Sind die Infektionen gefährlich?
Das kommt auf den Verlauf an. Menschen mit gesundem Immunsystem gelingt es in der Regel, den Parasiten innerhalb weniger Wochen zu eliminieren. Die Inkubationszeit beträgt eine bis etwa zehn Wochen. Die ersten Symptome, zu denen auch Blähungen und Magenverstimmungen zählen, beginnen in der Regel ein bis zwei Wochen nach der Ansteckung und klingen innerhalb von sechs Wochen wieder ab.
Mehr zu diesem Thema
Laut der US-Gesundheitsbehörde CDC sind aber auch schwere Fälle möglich. Sie können zu jahrelangen Langzeitsymptomen führen, wie etwa Gelenkentzündungen, Reizdarmsyndrom, chronischem Durchfall oder sogar Nährstoffmangel. Personen mit einem geschwächten Immunsystem, wie zum Beispiel Kinder, haben ein erhöhtes Risiko für Komplikationen.
Wie kommt es zur Infektion?
Menschen infizieren sich am häufigsten durch den Konsum von verunreinigtem Wasser oder kontaminierten Lebensmitteln. Auch eine Übertragung durch engen Kontakt mit Fäkalien infizierter Personen oder Haustiere ist möglich.
Katzen sind offenbar unterschiedlich stark gefährdet
Einige Katzen scheinen anfälliger für eine Infektion zu sein als andere. Kätzchen wurden häufiger positiv getestet als ältere Katzen (etwa elf Prozent gegenüber 1,3 Prozent) und männliche häufiger als weibliche (6,9 Prozent gegenüber 5,7 Prozent). Auch unkastrierte Katzen wiesen eine höhere Infektionswahrscheinlichkeit auf als kastrierte – mit einer Ausnahme: Bei Kätzchen war das Infektionsrisiko bei unkastrierten Tieren geringer.
Auch Wohnort und Jahreszeit könnten eine Rolle spielen: So wurde die niedrigste Nachweisrate generell in den Sommermonaten beobachtet. Möglicherweise, weil der Parasit unter kühlen und feuchten Bedingungen besser überlebt. Der Mittlere Westen wies mit 7,8 Prozent die höchste, der Süden mit 5,9 Prozent die niedrigste Infektionsrate auf.
Bei infizierten Katzen unterschied sich der Anteil potenziell auf den Menschen übertragbarer Stämme je nach Region. Im Nordosten war er mit 21,6 Prozent am höchsten, gefolgt vom Süden mit 16,3 Prozent. Dies deckt sich mit Daten aus der Humanmedizin, da Giardia-Infektionen beim Menschen häufiger im Norden der USA gemeldet wurden.
Wie findest du die Empfehlung, Katzenkot routinemässig auf Giardien testen zu lassen?
Was bedeutet das jetzt?
Da Giardia leicht übertragbar ist und sowohl Menschen als auch Tiere infizieren kann, besteht die Möglichkeit, dass es sich schnell unter vielen Menschen und Tieren ausbreitet. Deshalb raten Wingerd und ihre Kolleginnen und Kollegen dazu, den Kot von Katzen routinemässig im Rahmen der jährlichen Check-ups zu untersuchen. So sieht es auch Notfalltierärztin Stevie Aitken. Gegenüber Abcnews.com erklärte sie, häufigere Kontrollen seien nur dann nötig, wenn sich kleine Kinder oder immungeschwächte Personen im Haushalt befinden.
Falle ein solcher Test positiv aus, sei eine gründliche Reinigung aller Katzentoiletten, Wasser- und Futternäpfe unerlässlich: «Reinigen Sie alle Bereiche, in denen es zu Unfällen gekommen sein könnte, und halten Sie Ihre Katze von Kleinkindern oder immungeschwächten Personen fern, bis die Behandlung und die erneuten Tests abgeschlossen sind.»
Katzen im Forschungsfokus
- Anfang Oktober meldeten kanadische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dass neue Erkenntnisse zu Büsi den Weg für neue Krebsbehandlungen bei Menschen ebnen könnten.
- Erst im September 2026 berichteten australische Forschende, dass das, was viele für Katzenfreude halten, oft einfach purer Stress ist.
- Einen Monat zuvor, im August 2026, lösten Forschende ein rund 100 Jahre altes Rätsel, das mit Urin und Nieren der Tiere zu tun hat.
- Im März 2026 klärte ein japanisches Team, wie ein anatomischer Trick Katzen immer auf den Pfoten landen lässt.
- Im Dezember 2025 kamen Berliner Forschende zu dem Schluss: Am Schnurren lassen sich Katzen ziemlich gut auseinanderhalten.
- Nur einen Monat früher, im November 2025, hiess es: Die Geschichte der Hauskatzen muss umgeschrieben werden.
- Forschende aus Japan berichteten, dass Katzen Menschenbabys in Sachen Sprach-Skills mitunter deutlich überlegen sind.
- Ein anderes Team klärte, was Katzen eigentlich treiben, wenn sie draussen alleine unterwegs sind.
- Warum sind rothaarige Katzen meist männlich? Die Frage gab jahrelang Rätsel auf. 2024 lieferten gleich zwei Studien eine Erklärung.
- Ebenfalls 2024 kamen Forschende zu dem Schluss, dass die Lebensdauer von Katzen nicht nur von der Rasse abhängt (siehe folgende Bildstrecke), sondern auch vom Geschlecht und dem Kastrationszustand.
- Ein anderes Forschungsteam klärte darüber auf, warum Katzen so gerne an Möbelstücken kratzen – und was dagegen hilft.
- Im Jahr 2025 berichteten Forschende von einem KI-basierten Katzenübersetzer.
Die aktuelle Studie wurde im Fachjournal «Plos One» veröffentlicht.
Abonniere den Wissen-Push!
Abonniere in der 20-Minuten-App die Benachrichtigungen des Wissen-Kanals. Du wirst über bahnbrechende Erkenntnisse und Entdeckungen aus der Forschung, Erklärungen zu aktuellen Ereignissen und kuriose Nachrichten aus der weiten Welt der Wissenschaft informiert. Auch erhältst du Antworten auf Alltagsfragen und Tipps für ein besseres Leben.
So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippe unten auf «Profil», dann aufs «Einstellungen»-Zahnrad und schliesslich auf «Push-Benachrichtigungen». Wähle hier die gewünschten Themen aus.
Fee Anabelle Riebeling (fee) arbeitet seit 2014 für 20 Minuten. Sie ist stv. Leiterin Wissen/AI, Data und Leiterin des Fachgremiums Faktencheck & Verifikation.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.
