Cannabis geschmuggelt – Wie zwei junge Schweizer in Thailand in der Drogenfalle landeten

- Zwei junge Waadtländer sind Ende Juli auf der thailändischen Insel Phuket festgenommen worden, mit je rund 16 Kilo Cannabis im Gepäck.
- Sie waren in den sozialen Medien angeworben worden.
- Einer der beiden sitzt noch immer in Haft und wartet auf seinen Prozess.
Alles beginnt auf Snapchat. Eine Anzeige bietet eine Reise nach Thailand an. Alles inklusive: Flugtickets, Hotel und 600 Franken Taschengeld für zwei Wochen. Im Gegenzug muss ein Koffer zurückgebracht werden, der angeblich iPhones enthält. Als Lohn winken 8000 Franken.
Ein 18- und ein 19-Jähriger aus dem Kanton Waadt gehen auf das Angebot ein. Am 13. Juli kommen sie in Bangkok an und reisen weiter nach Phuket, 800 Kilometer entfernt. Mehrere Tage lang machen sie Ferien – mit Strand, Jetski und Schiessstand.
So wurden die beiden Schweizer in Phuket verhaftet:
Am Tag vor der Abreise fordern die Anwerber sie auf, ihre Koffer an der Hotelrezeption abzugeben. Als sie diese wieder abholen, sind die Gepäckstücke ausgetauscht worden. Die beiden jungen Männer machen sich keine Sorgen.
Am Flughafengate abgefangen
Kurz vor der Abreise schickt einer der Waadtländer seiner Mutter eine Nachricht. Er zeigt ihr unter anderem die Fussballtrikots, die er zurückbringen will, um sie in der Schweiz zu verkaufen.
Am Flughafen Phuket warten die beiden Freunde bereits auf ihr Flugzeug, als sie eine Nachricht erhalten, dass sie sich am Gate melden sollen. Polizisten nehmen sie mit. Bei der Kontrolle entdeckt der Zoll die 16 Kilo Cannabis.
Einer der beiden Waadtländer konnte Thailand schnell verlassen. Er zahlte zunächst eine Busse von 6300 Franken an den Zoll.
Die Anwältin der beiden Schweizer, Thatsanavanh Banchong, erklärte das gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) so: «Es ist eine Straftat, aber es ist auch eine Zollübertretung. Wenn man also die Busse an den Zoll zahlt, kann man mit seinem Pass gehen, als wäre nichts gewesen.»
Gemäss den Informationen von RTS musste dieser Schweizer jedoch insgesamt rund 18'000 Franken aufbringen, um das Land problemlos und ohne Eintrag im Strafregister verlassen zu können.
Im Visier von kriminellen Netzwerken
Für seinen 18-jährigen Freund ist die Situation viel komplizierter. Seine Mutter konnte die rund 4000 Franken, die für seine Freilassung verlangt wurden, nicht rechtzeitig aufbringen. Er blieb daher in Thailand inhaftiert und erwartet nun seinen Prozess. Dieser sollte demnächst beginnen.
«Ich weiss nicht, was passiert, wenn ich nicht den gesamten Betrag aufbringen kann, den sie von mir verlangen», sagt seine Mutter. Sie arbeitet in einer Fabrik und verdient 4800 Franken pro Monat. Sie musste Geld leihen und Lohnvorschüsse beantragen, um die Anwaltskosten und die Summen zu finanzieren, die noch verlangt werden könnten.
«Es ist schwierig, nachts zu schlafen. Es fehlt eine Person zu Hause. Ich weiss nicht, wo er ist, wo er schläft, was er isst», sagt sie.
Für den Polizisten, der an der Verhaftung der beiden Schweizer beteiligt war, sind diese jungen Menschen Opfer, die von kriminellen Netzwerken manipuliert werden. «Für die Eltern ist es schwierig und traurig», sagt er gegenüber RTS.
Nach Darstellung der Anwältin Thatsanavanh Banchong hat sich die thailändische Politik in jüngster Zeit verschärft. Für viele solche Fälle gebe es heute Gefängnisstrafen. Je nach Drogenmenge und Umständen reichten die Strafen von einem Jahr bis zu zehn Jahren Gefängnis. Derzeit seien wegen solcher Delikte Hunderte junger Europäer in Thailand inhaftiert.
Das Phänomen der Drogenkuriere aus Thailand ist auch in der Schweiz deutlich spürbar. Von den 97 Drogenkurieren, die am Flughafen Zürich zwischen Januar und Oktober festgenommen wurden, kamen gemäss der Kantonspolizei 73 aus Thailand. Sie hatten jeweils Cannabis im Gepäck.
In Genf wurden zwischen Januar und Juli mindestens 15 Drogenkuriere aus Bangkok festgenommen. Sie hatten insgesamt über eine halbe Tonne Cannabis transportiert.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.