Suchtgefahr und Essstörungen: EU verlangt Änderungen im Algorithmus von Tiktok

Brüssel erhöht den Druck auf Tiktok: Die EU-Kommission verlangt Anpassen am Algorithmus der App. Die mentale Gesundheit von Nutzern sei gefährdet.
Foto: Joly Victor/ABACA Press/imago
(AFP) | Die EU-Kommission hat der Videoplattform Tiktok vorgeworfen, mit ihrem Algorithmus Suchtgefahren, Ess- und Angststörungen zu befeuern. Sie wies das Unternehmen am Freitag zu Änderungen an der „schädlichen“ Funktionsweise seiner App an, um die psychische Gesundheit der Nutzerinnen und Nutzer zu schützen. Ändert Tiktok seinen Algorithmus nicht, droht dem Unternehmen ein Bußgeld.
Dabei geht es um den sogenannten „Rabbit Hole“-Effekt (Kaninchenbau-Effekt): Je länger Nutzende Videos zu einem bestimmten Thema anschauen, desto mehr zeigt ihnen der Algorithmus ähnliche und extremere Videos an. „Diese Funktionsweise kann schädlich sein, wenn es bei derart endlos wiederholten Inhalten zum Beispiel um Traurigkeit, Einsamkeit oder das Körperbild geht“, befand die Kommission.
Wer in ein solches „Rabbit Hole“ falle, könne auf Dauer unter verstärkter Traurigkeit, Angststörungen, Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper und einem geringeren Selbstwertgefühl leiden, teilte die Kommission weiter mit. Auf diese Weise könne Tiktok Essstörungen und psychische Krankheiten verschlimmern.
Brüssel hat Tiktok schon mehrfach zu Änderungen aufgerufen, zuletzt im Juli und im Februar dieses Jahres. Das Unternehmen habe zwar schon reagiert, die Änderungen reichten aber nicht aus, befand die Kommission am Freitag. Nutzende können Videos inzwischen zum Beispiel über die Option „nicht interessiert“ von ihrer Startseite verbannen. Nach Einschätzung aus Brüssel ändert das aber wenig am Algorithmus.
Hohes Bußgeld möglich
Die Kommission wies Tiktok deshalb an, die Funktionsweise der „Für Dich“-Seite auf Tiktok grundlegend zu ändern. Der Algorithmus dürfe nicht mehr darauf basieren, wie lange Nutzerinnen und Nuzter ein Video ansehen. Stattdessen sollen sie mehr Kontrolle über die „Für Dich“-Seite bekommen und stärker selbst festlegen können, was sie auf Tiktok sehen.
Tiktok kann nun auf die Vorwürfe aus Brüssel reagieren und Änderungen vorschlagen. Bestätigen sich die Vermutungen der Kommission, kann sie ein Bußgeld in Höhe von maximal sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes verhängen. Die Plattform hat ihren Sitz offiziell in den USA, gehört aber der chinesischen Muttergesellschaft Bytedance.
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