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Monday, November 2, 2026

Sabrina: «Ich habe die besten Männer der Schweiz»

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  • Sabrina aus dem Kanton Bern arbeitet hauptberuflich als Escort und ist dafür in der ganzen Schweiz unterwegs.
  • Sie hat sich vor vier Jahren bewusst und freiwillig für den Beruf entschieden und bietet hauptsächlich Sex an.
  • Ihre Kunden sind meist Schweizer zwischen 25 und 50, teils verheiratet; zum Selbstschutz trägt sie Pfefferspray bei sich.

«In einer grösseren Runde oder bei Familienfeiern verrate ich nicht, was ich beruflich mache», so Sabrina*. Die Sexarbeiterin wird wegen ihres Berufs häufig mit Vorurteilen konfrontiert. Vor negativen Kommentaren hat sie Respek. Denn: Sexarbeit ist in der Schweiz ein Tabuthema. Aber für Sabrina ist klar: «Mein Job ist eine Dienstleistung.»

Für Sabrina ist die Sexarbeit ein normaler Job.

Für Sabrina ist die Sexarbeit ein normaler Job.20min/Fabienne Gnos

Die Bernerin ist auf Onlyfans sowie auf einem Erotikportal tätig und hat zudem ihre eigene Website. «Ich bin eine ganz normale Frau, lebe ein normales Leben und habe einen genauso normalen Job wie jede und jeder andere auch», sagt sie. Sie betont, ihre Entscheidung, diesen Beruf auszuüben, sei bewusst und freiwillig gewesen.

So läuft der Tag als Sexarbeiterin

Sabrinas Arbeitsalltag sieht meistens gleich aus. «Spontanität ist nicht so mein Ding», sagt die junge Frau. Morgens macht sie Pilates, am Nachmittag geht sie auf Dates. «Man lernt sich kennen und schaut, ob die Chemie stimmt. Dann geht es zur Sache – ganz ohne Stress und Druck.» Ihre Kunden bekommen meistens Geschlechtsverkehr. «An einem Wochenende habe ich mit mehreren Typen Sex.» Ein solches Treffen daure meistens mehrere Stunden.

Die Sexarbeiterin setzt jederzeit Grenzen: «Ich bin der Boss und es wird gemacht, was ich bestimme», sagt sie. Wenn sie etwas nicht machen wolle, müssten es die Männer akzeptieren.

Ihre Preise will sie nicht verraten – sie hängen von Ort, Zeit und Dienstleistung ab. «Die grösste Summe, die ich für ein Treffen bekommen habe, ist so viel wie ein halber Mindestmonatslohn.» Wie sie erzählt, hat die Bernerin auch Ausgaben: «Ich kaufe Kondome, Gleitgel und neue Dessous. Zudem muss ich Inserate hochschalten und wie jedermann Steuern und Sozialabgaben zahlen.» Hinzu komme Benzin für den Anfahrtsweg.

Ihre Gegenüber suchen aber nicht nur Sex. «Manchmal fühle ich mich wie eine Psychologin und führe Gespräche, in denen mir Männer Dinge anvertrauen, über die sie sonst nicht sprechen.» Beispielsweise darüber, warum der Mann keine Partnerin findet. «Einige Männer trauen sich nicht, darüber zu reden, mit mir aber schon.»

Von Single bis verheiratet

Sabrinas Kunden sind zwischen 25 und 50 Jahre alt, meist Schweizer: «Von gut aussehend bis gut verdienend – manche meiner Kunden sind gar verheiratet», sagt Sabrina. Diese würden die Unverbindlichkeit schätzen. «Ich sehe meine Tätigkeit nicht als Betrug.»

Warum buchen die Kunden ausgerechnet sie? «Ich bin eine waschechte Schweizerin und das ist mein grösstes Marketing», so Sabrina. Hinzu kommen bestimmte Vorlieben: «Die Männer fahren auf meine schwarze Brille, Strümpfe und hohe Schuhe ab.» Sie weiss, wie sie ihr Gegenüber verführen kann.

Doch auch sie selbst lässt sich gerne verwöhnen. «Von den Männern werde ich besser behandelt, als ich anfangs gedacht habe – meistens wie eine Prinzessin», sagt sie. Sabrina erzählt: «Ich werde massiert, lerne neue Restaurants kennen oder gehe mit auf Partys.» Sabrina ist der Meinung: «Es ist das beste Leben, das man leben kann.»

Respektlose Behandlung und Pfefferspray in der Tasche

Doch auch die Sexarbeit hat ihre Schattenseiten: «Wenn mich jemand mit ‹Preis? Wo? Wann?› anschreibt, dann weiss ich teils gar nicht, wie ich reagieren soll, und bin überfordert.» Solche Kurz-Anfragen ohne Kontext beantworte sie meistens nicht. Ein respektvoller Umgang gehöre für sie dazu. «Es gibt auch jene, die zehn Minuten vorher absagen – das ist sehr unangenehm und diese Typen kommen auf meine persönliche Blacklist.»

Sexuell übertragbare Infektionen seien ein Thema, Angst davor habe sie jedoch nicht. Sabrina schütze sich konsequent mit Kondomen und regelmässigen Tests. «Das ist das Berufsrisiko – wie in jedem anderen Job auch.» Zu ihrer eigenen Sicherheit habe Sabrina immer einen Pfefferspray in der Tasche. Gebraucht habe sie ihn bisher nie. «Denn ich habe die besten Männer der Schweiz», so Sabrina.

*Name der Redaktion bekannt

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Fabienne Gnos

Fabienne Gnos (fgn), Jahrgang 2002, arbeitet seit Februar 2026 bei 20 Minuten. Sie ist Praktikantin im Ressort Bern.

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