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Friday, November 6, 2026

Expertin: Aiwanger brachte "Abpufferung" zwischen CSU und AfD

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Hubert Aiwanger war das Gesicht der Freien Wähler. Er wurde tot in einem Berliner Hotel aufgefunden.

05.11.2026 | 3:02 min

Hubert Aiwanger war einer aus dem Volk. Streit- und nahbar zur gleichen Zeit. Für die CSU von Ministerpräsident Markus Söder war er mit seiner Partei, den Freien Wählern, ein verlässlicher Koalitionspartner. Was sein Tod für die politische Landschaft in Bayern und im Bund bedeutet, erklärt Ursula Münch im Interview.

ZDFheute: Bayern steht unter Schock. Der Tod des Freie-Wähler-Chefs Hubert Aiwanger hat über Parteigrenzen hinweg Bestürzung ausgelöst. Was bedeutet sein Verlust für die bayerische Politik?

Ursula Münch: Das Gesicht der Freien Wähler, und zwar nicht nur in Bayern, sondern bundesweit, war Hubert Aiwanger. Dieses Gesicht gibt es jetzt nicht mehr. Und damit tun sich die Freien Wähler sicherlich in Zukunft schwer. Einerseits in Bayern sichtbar zu sein, aber eben auch in der bundespolitischen Debatte sichtbar zu sein.

Prof. Ursula Münch - Politikwissenschaftlerin - Wie groß war der Spagat für Friedrich Merz beim Umbau des Bundeskabinetts?
Quelle: ard

Prof. Dr. Ursula Münch ist Professorin für Politikwissenschaft und Expertin für Landes- und Bundespolitik. Seit 2011 ist sie Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing.

ZDFheute: Was machte Hubert Aiwanger aus? Was machte ihn so nahbar für die Menschen?

Münch: Das Besondere an Hubert Aiwanger war, dass er nicht nur ein Gesicht war, sondern auch eine Stimme. Also allein der Sprachduktus, die Art und Weise, wie er gesprochen hat, war einerseits Futter für Kabarettisten, aber natürlich auch ein ganz hoher Wiedererkennungswert, und zwar in der gesamten Bundesrepublik, vielleicht sogar darüber hinaus. Der ist nach dem Bierzeltauftritt nicht an den Leuten vorbeigegangen und ins Auto eingestiegen. Der ist auf die Leute zugegangen, der hat Selfies gemacht. Der hat mit den Leuten geredet.

Er war also im wahrsten Sinne des Wortes nahbar. Und das ist etwas, was die CSU auch immer sein wollte.

Politikexpertin Ursula Münch über Hubert Aiwanger

Der Vize-Ministerpräsident aus Bayern, Hubert Aiwanger, wurde leblos in einem Berliner Hotel aufgefunden. Der Schock in der bayrischen Politik ist groß.

05.11.2026 | 3:44 min

ZDFheute: Hubert Aiwanger ist gelungen, was der CSU nicht mehr vollständig gelungen ist. Er hat die Landbevölkerung angesprochen und abgeholt. Wer könnte diese Funktion nun übernehmen?

Münch: Da fällt mir auf Anhieb keiner ein. Diese Lücke, die Hubert Aiwanger jetzt vor allem zunächst bei den Freien Wählern hinterlässt, aber insgesamt im bayerischen Parteiensystem, ist riesig. Für die CSU heißt das, dass sie wieder viel stärker diese Positionen besetzen muss. Mit Menschen direkt ins Gespräch kommen, ihnen zuhören, diese Sorgen aufgreifen, und zwar glaubwürdig aufgreifen, aber auch Populismus zulassen, solange er nicht ausgrenzend wird, solange er nicht Menschen an den Rand drängt.

Nach dem Tod Hubert Aiwangers wird es schwer, die Lücke in der konservativen Regierung Bayerns zu schließen, so ZDF-Korrespondent Simon Pfanzelt.

05.11.2026 | 1:04 min

ZDFheute: Hubert Aiwanger hat die CSU mit seinen Freien Wählern um die absolute Mehrheit in Bayern gebracht. Könnten diese Wähler ohne ihre Leitfigur nun zur CSU zurückkehren?

Münch: Man könnte auf den ersten Blick vermuten, na ja, vielleicht nutzt es der CSU. Das glaube ich nicht, weil diejenigen, die sich von der CSU abgewendet haben, werden jetzt nicht automatisch zu ihr zurückkommen, wenn diese Persönlichkeit Hubert Aiwanger nicht mehr da ist.

Insofern kann man vermuten, dass diejenigen womöglich auch ins Feld der Nichtwähler zurückgehen, wo auch viele waren. Oder womöglich eben auch bei der AfD landen.

Politikexpertin Ursula Münch über mögliche Folgen von Aiwangers Tod

Da muss man auch regional schauen. Also das kann man jetzt nicht für den Freistaat insgesamt sagen. Am stärksten sind die Freien Wähler dort, wo Hubert Aiwanger seine Heimat hatte, in Niederbayern.

Nach dem plötzlichen Tod Hubert Aiwangers, äußert sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder – ZDFheute live.

05.11.2026 | 16:50 min

ZDFheute: Könnte ausgerechnet die AfD vom Tod Hubert Aiwangers profitieren? Immerhin hat er dafür gesorgt, dass die AfD in Bayern kaum Chancen auf eine Regierungsbeteiligung hat.

Münch: Hubert Aiwanger hat mit seinen Freien Wählern eine wichtige Funktion erfüllt, indem er nämlich ja eigentlich so eine Abpufferung hineingebracht hat zwischen die CSU und die AfD. Es kann der AfD deshalb helfen, weil zu den Freien Wählern, zu Hubert Aiwanger, viele Menschen gegangen sind als Wähler, die von der CSU enttäuscht waren. Die haben jetzt diese Andock-Position nicht mehr, diesen Hubert Aiwanger nicht mehr.

Das Interview führte Christiane Lange. Sie ist Reporterin im ZDF-Landesstudio Bayern.

Über den Tod Aiwangers berichteten mehrere Sendungen im ZDF, etwa das heute journal am 05.11.2026 ab 21:45 Uhr.

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