Zahnarzt wird zum Lebensretter: «Der Pilot blutete stark»

- Der israelische Zahnarzt Shota Musaev leistete an Bord des Flydubai-Flugs FZ 1073 dem schwer verletzten Kapitän Smit Machchhar medizinische Hilfe.
- Der Co-Pilot hatte den Kapitän angegriffen und musste von Passagieren mit Kopfhörerkabeln gefesselt werden.
- Ablösepiloten übernahmen die Kontrolle, das Flugzeug landete sicher in Tabuk; Kapitän Machchhar ist ausser Lebensgefahr.
Shota Musaev, ein in Israel lebender Zahnarzt georgischer Herkunft, war auf dem Rückflug aus China, als er an Bord des Flydubai-Flugs FZ 1073 Lärm und Schreie aus dem Cockpit hörte. Er eilte zum vorderen Teil des Flugzeugs – ohne zu ahnen, dass er kurz darauf dem schwer verletzten Kapitän Smit Machchhar medizinische Hilfe leisten würde.
Wie Musaev der «Times of Israel» schilderte, erreichte er das Cockpit innerhalb von etwa zehn Sekunden. Zum grossen Glück war es dem 39-jährigen Kapitän noch im Kampf mit seinem Co-Piloten gelungen, die Cockpittür von innen zu entriegeln, sodass Passagiere den Angreifer überwältigen konnten.
Zahnarzt konnte Blutung stoppen
«Der Pilot befand sich in einem sehr kritischen Zustand. Er blutete stark, vor allem am Kopf und an den Händen», sagte er. Der Kapitän habe am Boden gelegen, sei jedoch bei Bewusstsein gewesen und habe noch mit Passagieren sprechen können.
«Ich war der einzige Arzt an Bord. Letztlich gelang es mir, die Blutung zu stoppen und seinen Blutdruck zu stabilisieren», erklärte Musaev. Die Situation sei äusserst schwierig gewesen. Gemeinsam mit weiteren Passagieren habe man jedoch verhindern können, dass sie weiter eskalierte.
Musaev sagte später, er habe zunächst angenommen, einen Angreifer überwältigen zu müssen, statt medizinische Hilfe zu leisten. Mehrere Passagiere versuchten zu diesem Zeitpunkt, den Co-Piloten unter Kontrolle zu bringen. Da dieser heftigen Widerstand geleistet habe, sei er schliesslich mit Kopfhörerkabeln gefesselt worden.
Nach Panik folgte Hoffnung
Der Zustand des verletzten Kapitäns konnte bis zur Landung in Tabuk in Saudi-Arabien stabilisiert werden. Dort wurde er dem örtlichen medizinischen Personal übergeben. Einige Stunden später erfuhr Musaev, dass Machchhar überlebt hatte und ausser Lebensgefahr war.
Als schwierigsten Moment beschrieb Musaev den steilen Sinkflug. Für einige Sekunden hätten viele Passagiere geglaubt, sie würden sterben. An Bord eilten zwei zufällig befindliche Ablösepiloten ins Cockpit. Nachdem einer von ihnen die Kontrolle über das Flugzeug übernommen hatte, sei bei den Passagieren wieder Hoffnung aufgekommen.
Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.
