Flugplatz Kägiswil OW – Fertig mit Fliegen: Sportfliegerei muss Rega weichen

Flugplatz Kägiswil OW Fertig mit Fliegen: Sportfliegerei muss Rega weichen
Der Flugbetrieb in Kägiswil OW wird vorerst unterbrochen. Über einen zeitlich begrenzten Weiterbetrieb wird verhandelt.
780 Meter: So lang ist die Start- und Landepiste des Flugplatzes Kägiswil in der Gemeinde Sarnen. Seit sechzig Jahren heben von hier regelmässig Sportflugzeuge ab.
Betrieben wurde der ehemalige Militärflugplatz Kägiswil bisher von der Flugplatzgenossenschaft Obwalden (FGOW). Und genutzt wurde er für den zivilen Flugbetrieb sowie für die Aus- und Weiterbildung von Pilotinnen und Piloten. Rund 200 Personen nutzten den Flugplatz, darunter Hobbypiloten und etwa 35 Fluglehrerinnen.
Die Armasuisse hat der FGOW den Flugplatz mittels Baurechtsvertrag zur Verfügung gestellt. Dieser Vertrag ist nun Ende September ausgelaufen.
Damit geht wohl die Ära der Freizeitfliegerei in Kägiswil zu Ende. Dies löst bei den Pilotinnen und Piloten keine Freude aus: «Wenn der Flugplatz schliesst, gibt es keinen adäquaten Ersatz», heisst es etwa.
Dass er für die FGOW schliesst, daran wird nicht gerüttelt. Das geht aus einer aktuellen Medienmitteilung des Bundesamts für Zivilluftfahrt (Bazl) hervor.
Die FGOW reichte im Mai 2021 beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) ein Gesuch für eine dauerhafte zivile Umnutzung des Flugfelds ein. Es fehlte jedoch das Einverständnis der Landeigentümer rund um den Flugplatz. Das Bazl erklärte die Pläne deshalb für gescheitert.
Auch eine noch hängige Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ändert daran nichts. Über einen zeitlich begrenzten Weiterbetrieb könne noch verhandelt werden.
Vorerst aber herrsche ein vertragsloser Zustand. Deshalb könne aus Sicherheitsgründen auch nicht mehr geflogen werden. Nur Ausfliegen an einen anderen Standort sei zurzeit noch erlaubt.
Bis Mitte November wird sicher nicht geflogen
Neu soll der Hauptsitz der Rettungsflugwacht Rega nach Kägiswil verlegt werden. Die Rega muss ihren Standort am Flughafen Zürich bis Ende 2030 verlassen. In Kägiswil plant sie einen Hangar mit fünf Helikopter-Standplätzen sowie ein mehrstöckiges Verwaltungsgebäude.
Die Rega will für die künftigen Bauten Profilstangen aufstellen lassen. Deshalb wird der Flugbetrieb vom 9. Oktober bis vorerst 20. November 2026 vollständig eingestellt, teilt das Bazl mit.
Flugplatzgesellschaft fühlt sich übergangen
Überrumpelt von der Schliessung des zivilen Flugbetriebs zeigt sich Bernhard Müller, Vizepräsident der FGOW. «Wir sind davon ausgegangen, dass wir einen neuen Baurechtsvertrag auf Anfang Oktober bekommen. Das war das Ergebnis der letzten Gespräche.»
Der Flugplatz hat eine lange Geschichte. Gebaut wurde der Flugplatz während des Zweiten Weltkriegs als Reduit-Flugplatz. Zuerst wurde er von der Armee genutzt – später dann für die zivile Nutzung gebraucht.
2013 hatte der Kanton Obwalden Pläne, den Flugplatz von der Armasuisse zu kaufen.
Mit dem Kauf wollte er damals das Areal zum grössten Teil in Landwirtschaftsland umwandeln. Der Flugbetrieb sollte Ende 2016 eingestellt werden, da die Weiterführung des Flugbetriebs nicht mehr zonenkonform sei.
Schon damals gab es Widerstand. Der Verein Pro Flugplatz wurde ins Leben gerufen und wehrte sich mit Erfolg: Der Kredit für den Kauf des Flugplatzes durch den Kanton kam vors Stimmvolk und wurde deutlich mit über 62 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt.
Dass jetzt alles anders kommt, begreift Müller nicht: «Ich bin aufgewühlt. Statt dass man gemeinsam nach Lösungen sucht und Kompromisse findet, wird eine Situation präsentiert, die keine Reaktion mehr zulässt.» Die Fronten scheinen verhärtet. Doch verhandelt wird offenbar weiterhin.
Kanton setzt auf die Rega
Und wie reagiert der Kanton? Ihm seien die Hände gebunden, nachdem die Landbesitzer sich gegen die Nutzung der FGOW stellten. Die Rega sei eine gute Option, sagt Regierungsrat Marius Küchler: «Den Rega-Hauptsitz hier zu haben, wäre ein klarer Standortvorteil für Obwalden. Wir könnten 200 hoch qualifizierte Arbeitsplätze ansiedeln.» Hinzu kämen Investitionen von 100 Millionen Franken im Kanton Obwalden.
Die Privatfliegerei in der Schweiz gerät auch an anderen Orten unter Druck: Der Euro-Airport Basel verdrängt die Freizeitfliegerei zugunsten eines Terminalausbaus.
Ende 2026 sei Schluss, teilte der Flughafen mit. Der Betrieb der Freizeitaviatik sei schon seit Jahren wirtschaftlich nicht mehr tragfähig.
Die Flugschule Basel verlässt den Euro-Airport per Anfang 2027 und zieht nach Bressaucourt JU.
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