Warum fielen trotz 4200-Meter-Sinkflug keine Sauerstoffmasken?

- Beim Flydubai-Flug FZ1073 von Dubai nach Tel Aviv verlor eine Boeing 737 MAX 8 innert 30 Sekunden über 4200 Meter an Höhe.
- Auslöser war offenbar eine heftige Auseinandersetzung im Cockpit, bei der Co-Pilot Hamam al Hammami (29) beteiligt war.
- Trotz des rasanten Sinkflugs fielen keine Sauerstoffmasken – weil der Kabinendruck offenbar stabil blieb.
Beim Flydubai-Flug FZ1073 von Dubai nach Tel Aviv soll es infolge einer heftigen Auseinandersetzung im Cockpit zu einem rasanten Sinkflug gekommen sein. Die Boeing 737 MAX 8 verlor innerhalb von knapp 30 Sekunden mehr als 4200 Meter an Höhe. Dennoch fielen keine Sauerstoffmasken.
Videos von Passagieren, die sich in sozialen Medien verbreiten, zeigen chaotische Szenen an Bord. Während des steilen Sinkflugs stehen mehrere Menschen im Gang, einige eilen nach vorne, um offenbar den 29-jährigen Co-Piloten Hamam al Hammami festzuhalten und dem schwer verletzten Kapitän zu helfen.
Für Diskussionen sorgt vor allem die Frage, weshalb die Sauerstoffmasken trotz des starken Höhenverlusts nicht aus der Decke fielen. In den sozialen Medien löste dies zahlreiche Spekulationen aus.
Flughöhe ist nicht gleich Kabinenhöhe
Das Aviatik-Portal «Aerospace Trek» liefert eine mögliche Erklärung: Sauerstoffmasken werden nicht automatisch ausgelöst, nur weil ein Flugzeug rasch an Höhe verliert. Entscheidend ist der Druck in der Kabine – nicht die Flughöhe oder die Geschwindigkeit des Sinkflugs.
Verkehrsflugzeuge halten den Kabinendruck normalerweise auf einem Niveau, das etwa einer Höhe von 1800 bis 2400 Metern entspricht, auch wenn sie selbst in mehr als 10’000 Metern Höhe fliegen. Bei einer Boeing 737 lösen die Passagier-Sauerstoffmasken automatisch aus, wenn die sogenannte Kabinenhöhe auf rund 4300 Meter ansteigt, schreibt «Aerospace Trek». Dies kann etwa bei einem Druckverlust, einem grösseren Leck oder einem Problem mit der Druckkabine geschehen.
Druck in Kabine blieb offenbar stabil
Ein schneller Sinkflug bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass auch der Kabinendruck abfällt. Bleiben Rumpf und Drucksystem intakt, kann ein Flugzeug mehrere Tausend Meter sinken, während der Druck in der Kabine weitgehend stabil bleibt. In diesem Fall besteht kein Grund, die Masken auszulösen.
Bisher ist öffentlich nicht bekannt, wie hoch die Kabinenhöhe während des Vorfalls auf Flug FZ1073 tatsächlich war oder ob das automatische Sauerstoffsystem aktiviert wurde. Dass auf Passagiervideos keine heruntergefallenen Masken zu sehen sind, könnte darauf hindeuten, dass der Kabinendruck stabil blieb. Einen Beweis stellt dies jedoch nicht dar.
Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.
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