Merz auf Partnersuche in schwierigen Zeiten
Bundeskanzler Merz reist nach Japan, Südkorea und Singapur. Unterdessen ist Bundespräsident Steinmeier zu Gast in China. Bei beiden Reisen steht Pekings wachsende Macht im Fokus.
26.10.2026 | 0:27 minWie überleben in einer Welt, die sich neu sortiert, in der sich Gewissheiten auflösen und in der die Großmächte USA und China immer unverhohlener nur ihre eigenen wirtschafts- und sicherheitspolitischen Interessen verfolgen und den Rest der Welt dabei an die Wand drücken?
Bei der Reise des Bundeskanzlers nach Singapur, Japan und Südkorea, dem nach China wichtigsten Handelspartner Deutschlands in der Region, geht es vor allem um eines: die Festigung und den Ausbau der Beziehungen mit "Gleichgesinnten", die das Erodieren der internationalen Ordnung und ihrer Spielregeln nicht einfach hinnehmen wollen.
Begleitet wird Friedrich Merz von einer großen Wirtschaftsdelegation. Mit dabei: Vertreter von Großkonzernen und des Mittelstandes aus den Schlüsselbranchen Technologie, Verteidigung und Energiewirtschaft. Kernanliegen der Reise ist die Zusammenarbeit beim sogenannten "De-Risking". Dabei geht es um die Frage, wie einseitige Abhängigkeiten bei Rohstoffen und Lieferketten verringert werden können.
Auftakt Singapur: Das logistische Herz Südostasiens
Der Stadtstaat, flächenmäßig etwa so groß wie Hamburg, ist das finanzielle, technologische und logistische Powerhouse der Region. Rund 2.400 deutsche Unternehmen - Mittelständler, aber auch große Konzerne wie Siemens oder Infineon nutzen die politische Stabilität und Rechtssicherheit des Standorts als Sprungbrett.
Von hier aus erschließen sie den riesigen Asean-Wirtschaftsraum: einen rasant wachsenden Zukunftsmarkt mit fast 700 Millionen Menschen. Freie Handelswege sind für Singapur und die Exportnation Deutschland ein Garant des Wohlstands.
Die Zeit der Großmächte ist zurück: Gilt nun das Recht des Stärkeren, statt der Stärke des Rechts? Die Diplomatie steht unter Druck - Was können Botschafter und Diplomaten heute noch erreichen? Von David Damschen.
24.02.2026 | 14:59 minGemeinsam für eine regelbasierte Ordnung
Mit großer Sorge blickt die Regierung in Singapur auf die Krise in der Straße von Hormus. Die zeigt drastisch, was droht, wenn internationale Spielregeln kollabieren. Singapurs Hafen ist einer der größten der Welt und liegt am Nadelöhr der Straße von Malakka, über die mehr als ein Viertel des Welthandels abgewickelt wird. Eine Blockade dieser Route oder willkürliche Mautgebühren durch Anrainerstaaten würden den Stadtstaat und die Weltwirtschaft ins Chaos stürzen. Eine fundamentale Sorge, die Deutschland teilt.
Nach politischen Gesprächen mit Premierminister Lawrence Wong und Staatspräsident Tharman Shanmugaratnam wird Kanzler Merz in einer Grundsatzrede unter anderem skizzieren, wie Deutschland eine regelbasierte Ordnung im Indopazifik gemeinsam mit Partnern schützen und verteidigen will.
Katharina Willinger (ARD) am Rande des Außenministertreffens in Istanbul. Themen sind die bewaffneten Konflikte in der Region zwischen Schwarzem Meer und Persischem Golf.
23.10.2026 | 6:14 minZukunftstechnik, Verteidigung und asiatisches Kapital
Neben Geopolitik steht aber auch konkrete wirtschaftliche Kooperation auf der Agenda. Im Fokus dabei: Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Dekarbonisierung und grüne Energie. Auch die Rüstungskooperation soll vertieft werden: Unter anderem wird Deutschland der von Singapur ins Leben gerufenen "Guide-Initiative" beitreten. Die hat sich zum Ziel gesetzt, kritische Unterwasserinfrastrukturen wie Datenkabel und Pipelines am Meeresboden besser zu schützen.
Zudem wirbt der Kanzler um Investitionen: Singapurs finanzstarke Staatsfonds sollen vermehrt Milliardenkapital in den Wirtschaftsstandort Deutschland investieren. Vor wenigen Tagen gab es dazu bereits Gespräche in Berlin.
Nach nur 24 Stunden in Singapur reist der Kanzler weiter nach Japan und Südkorea, wo er unter anderem die 19. Asien-Pazifik-Konferenz der deutschen Wirtschaft eröffnen wird.
Johannes Hano ist Asien-Korrespondent und Leiter des ZDF-Studios Singapur.
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