1000-mal «Teleblocher»: Verschwörungs-Vorwurf, Abwahl, Rücktritt

Darum gehts
- Am Freitag läuft die 1000. Folge von «Teleblocher» mit Alt-Bundesrat Christoph Blocher.
- Der Podcast startete am 14. September 2007 im Schaffhauser Fernsehen, Gesprächspartner ist seit Beginn Matthias Ackeret.
- Zu den Höhepunkten zählen Blochers Abwahl, die Rücktrittsankündigung aus dem Nationalrat und Auftritte seiner Frau Silvia.
- Ein Ende ist laut Blocher nicht in Sicht: «Wir hören auf, wenn uns niemand mehr zuschaut oder ich nicht mehr mag.»
Am Freitag läuft die 1000. Folge «Teleblocher». Seit 2007 spricht der ehemalige SVP-Bundesrat Christoph Blocher jede Woche über das politische Geschehen. Ihm gegenüber sitzt seit Beginn Journalist und Verleger Matthias Ackeret. 20 Minuten blickt auf einige der unterhaltsamsten und prägendsten Momente zurück.
«Geheimplan» gegen Blocher
Die erste Folge erschien am 14. September 2007 im Schaffhauser Fernsehen. Blocher war damals Bundesrat und Justizminister. In der Sendung warf er einer Parlamentskommission vor, ihn mit Falschbeschuldigungen aus der Landesregierung drängen zu wollen. Später erwiesen sich die Vorwürfe als haltlos. «Das hätte gefährlich werden können», so Blocher.
Dass ein amtierender Bundesrat eine eigene Sendung hat, löste eine Debatte aus. Selbst der Gesamtbundesrat musste sich mit der Angelegenheit befassen. Abklärungen ergaben, Blocher verstosse nicht gegen das Gesetz.
«Korruption» in Bundesbern
Die 14. Folge lief nach Blochers Abwahl aus dem Bundesrat am 13. Dezember 2007. «Ein historischer Tag», kommentierte Ackeret und fragte: «Enttäuschung, Erleichterung oder Wut, welches Gefühl ist am dominantesten?» Es ändere sich, so der abgewählte Blocher. Doch statt über Gefühle zu reden, kritisierte dieser Parlament und Verwaltung. Verschwiegenheitspflichten und Amtsgeheimnisse dienten dazu, «den Dreck» zu decken. «Das geht ja bis hin zur Korruption», so Blocher.
In der 18. Folge vom 11. Januar 2008, an der Abschiedsfeier der Gemeinde Herrliberg, sprang erstmals Blochers Ehefrau Silvia ein. Der abgewählte Bundesrat war heiser und scherzte: «Wie Sie hören, habe ich keine Stimme mehr. Mir wurde das Amt weggenommen und ich habe obendrauf noch die Stimme verloren.» Thema war unter anderem die Behauptung, Silvia sei während Blochers Amtszeit die eigentliche Bundesrätin gewesen. Sie stellte klar: «Ich muss Ihnen sagen, die Dossiers in diesem Bundesrat fand ich immer eher langweilig.»
«Sauladen VBS»
In Folge 115 kritisierte Blocher den «Sauladen VBS» und die Forderung des Verteidigungsdepartements nach mehr Geld. Sein Urteil: «Das VBS hatte genug Geld, sonst hätte es nicht so viel Blödsinn machen können.»
Im Dezember 2009 sprach Blocher über eine geheime Darmoperation während seiner Amtszeit im Bundesrat. «Der Star der ganzen Geschichte bin nicht ich und auch nicht mein Darm, sondern der Arzt», stellte er klar. Alle 50 involvierten Personen im Spital hätten geschwiegen und die Operation sei so geheim geblieben.
Nach dem Eingriff sei er angeschlagen gewesen. Deshalb erzählte er einem Bundesratskollegen: «Ich habe einen schlechten Meerfisch gegessen.»
Facetime im Pyjama
«Eine Sensation», eröffnete Ackeret die 349. Folge am 9. Mai 2014. Christoph Blocher kündigte seinen Rücktritt aus dem Nationalrat an: «Ich verplempere viel zu viel Zeit in diesem Parlament.» Er wolle sich jetzt auf die wichtigen Dinge konzentrieren. Seine Arbeit gelte dem Kampf gegen die EU-Verträge. Das Parlament sei zu bürokratisch und bestehe aus «Berufsparlamentariern»: «Da sprechen Menschen über Wirtschaft, die noch nie einen Bleistift verkauft haben. Da stellt es mir die Haare zu Berge», so Blocher.
In der 482. Folge erzählte Blocher, seine Frau Silvia habe ihm zum Geburtstag ein iPhone geschenkt. Begeistert war er von der modernen Technik jedoch nicht. Plötzlich habe Apples Sprachassistent Siri mit ihm gesprochen und ihn erst noch geduzt. Noch irritierender war ein Telefonat, das via Facetime lief. Blochers Meinung dazu: «Ich will doch nicht, dass mich Leute im Pyjama sehen.»
In der 493. Folge, ausgestrahlt am 10. Februar 2017, sprach Blocher über Donald Trumps erste Wochen als US-Präsident. Plötzlich war im Hintergrund Silvia Blocher zu hören. Irritiert rief der SVP-Doyen: «Silvia, würdest du reingehen? Wir müssen hier ‹Teleblocher› machen.» Auf Ackerets Frage, ob Blocher denn der Chef im Haus sei, antwortete dieser: «Nein, nur hier bei der Sendung. Sonst ist meine Frau die Chefin.»
Nach 1000 Folgen «Teleblocher» ist noch kein Ende in Sicht. «Wir hören auf, wenn uns niemand mehr zuschaut oder ich nicht mehr mag», kündigte Blocher an.
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Aira Flückiger (fla) arbeitet seit 2026 für 20 Minuten. Sie ist Praktikantin im Ressort Politik.
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