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Monday, October 26, 2026

Studentenliste triumphiert: So geht es für Serbien weiter

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  • Serbien steht nach über einem Jahrzehnt unter Vucic vor einem historischen Machtwechsel.
  • Vucic räumt die Niederlage seiner SNS ein und macht unabhängige Medien sowie das Ausland dafür verantwortlich.
  • Die Studentenliste dürfte die absolute Mehrheit haben, ihr Kandidat für das Ministerpräsidium ist aber nicht bestimmt.

Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, hat Serbiens langjähriger Machthaber Aleksandar Vucic die Niederlage seiner Regierungspartei SNS bei der Parlamentswahl eingeräumt. Nach seinen Angaben erhält die Studentenliste voraussichtlich 135 bis 140 der 250 Parlamentssitze – und damit eine klare Mehrheit. Die SNS komme auf rund 105 Mandate.

«Die Studentenliste hat gewonnen», sagte Vucic am Sonntagabend vor seinen Anhängern. Zugleich machte er unabhängige Medien sowie eine angebliche Einmischung europäischer Länder und eines «Deep State» in den USA für die Niederlage verantwortlich.

Der Wahlsieg wird für Serbien wohl tiefgreifende Veränderungen mit sich bringen. Das sind die wichtigsten Fragen im Überblick:

Wer wird jetzt Regierungschef?

Die Studentenliste dürfte im Parlament eine eigene Mehrheit haben. Sie wäre damit nicht zwingend auf Koalitionspartner angewiesen. Wer künftig Ministerpräsident oder Ministerpräsidentin wird, ist aber noch nicht entschieden.

Ob Ilija Srdanovic Regierungschef werden will, hat der Kardiologe aus Novi Sad bisher offengelassen.

Ob Ilija Srdanovic Regierungschef werden will, hat der Kardiologe aus Novi Sad bisher offengelassen.IMAGO/Anadolu Agency

An erster Stelle der Wahlliste steht der Kardiologe Ilija Srdanovic aus Novi Sad. Er gilt allerdings nicht automatisch als Anwärter auf den Posten. Die Bewegung hat sich in Personalfragen noch nicht festgelegt. Das passt zu ihrer Organisationsform: Die Studentenbewegung arbeitet ohne Führungsgremium und trifft Entscheidungen basisdemokratisch. Auf ihrer Liste stehen angesehene Professoren, Architekten, Ärzte und Künstler, jedoch keine Berufspolitiker.

Wofür steht die Studentenliste?

Die Bewegung entstand nach dem Einsturz des Bahnhofsvordachs in Novi Sad im November 2024. Sechzehn Menschen kamen ums Leben. Die Studenten machten die Regierung für das Unglück verantwortlich und warfen ihr Korruption, Schlamperei und Misswirtschaft beim Bau vor.

Aus der Wut über die Katastrophe wurde eine landesweite Protestbewegung. Zwei Jahre lang besetzten Studenten Universitäten, blockierten Verkehrsknotenpunkte und belagerten die Redaktionen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. 2025 forderten sie Neuwahlen und traten nun mit einer eigenen Liste an.

Ihr Elf-Punkte-Programm konzentriert sich auf die Bekämpfung von Korruption, einen stärkeren Rechtsstaat sowie Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen. Die Bewegung verspricht vor allem funktionierende Institutionen.

Kann die Bewegung das Vucic-System wirklich umbauen?

Die Wahl galt als Referendum über Vucics Dominanz und über das politische System, das Serbien seit mehr als einem Jahrzehnt prägt. Die Studentenbewegung ist die erste grosse soziale Bewegung seit Jahren, die über die traditionellen Oppositionsparteien hinausreicht. Sie mobilisierte auch Menschen, die zuvor kaum politisch aktiv waren. Die hohe Wahlbeteiligung von fast 70 Prozent zeigt eine aussergewöhnliche Mobilisierung.

Trotz der Niederlage bleibt Vucics SNS jedoch eine starke Kraft. Sie verfügt über ein dichtes Netz lokaler Organisationen und einen stabilen Kern an Stammwählern. Die neue Regierung steht auch deshalb vor grossen Herausforderungen. Ihr Ziel ist es, Institutionen aus politischer Kontrolle zu lösen, Medienfreiheit zu stärken und Korruption konsequent aufzuarbeiten.

Wohin steuert Serbien aussenpolitisch?

Auch aussenpolitisch ist der Kurs der Studentenliste noch nicht klar. Die Bewegung vereint proeuropäische Kräfte und Menschen aus dem nationalkonservativen Lager. Gerade bei den Beziehungen zur EU, zu Russland und beim Konflikt mit Kosovo gibt es unterschiedliche Ansichten innerhalb der Bewegung.

Serbien ist zwar derzeit EU-Beitrittskandidat, der Weg nach Brüssel wird aber seit Jahren durch Defizite beim Rechtsstaat, bei den Beziehungen zu Russland und China sowie beim festgefahrenen Normalisierungsprozess mit Kosovo blockiert.

EU-Spitzenvertreter, unter anderem Ursula von der Leyen, begrüssten den Wahlsieg und stellten Unterstützung bei Reformen in Aussicht, wie Euronews berichtet. Ob die Studentenliste daraus einen klar proeuropäischen Kurs macht, muss sie nun zeigen.

Shirin Camenisch

Shirin Camenisch (sca) arbeitet seit 2025 als Praktikantin im Ressort News

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