Cloud-Wettbewerb: Broadcom ist weiter auf Rot, SAP gerät wegen KI unter Druck
Der europäische Cloud- und Softwaremarkt steht vor großen Hürden. Wie aus dem 4. Bericht des European Cloud Competition Observatory (ECCO) hervorgeht, schränken dominante Softwarekonzerne die Wahlfreiheit und Kontrolle europäischer Unternehmen zunehmend ein. Das von der Branchenvereinigung CISPE (Cloud Infrastructure Services Providers in Europe) mit den Anwenderverbänden Cigref (Frankreich) und Beltug (Belgien) getragene Observatorium zeichnet ein düsteres Bild. Zwar habe sich das Verhalten einzelner Akteure im Vergleich zum Vorjahr stabilisiert. Zugleich hätten andere Anbieter ihre Praktiken aber spürbar verschärft.
Drastisch ist die Lage beim US-Konzern Broadcom, bei dessen VMware-Sparte die Ampel auf Rot bleibt. Das signalisiert eine kritische Situation ohne nennenswerte Fortschritte. Den Lobbyverbänden zufolge hat Broadcom die Bedingungen für europäische Cloud-Anbieter und deren Kunden seit dem Vorjahresbericht erneut verschlechtert. Der Konzern habe das Partnerprogramm für Cloud-Anbieter überraschend gekündigt und den Großteil europäischer Provider von der Bereitstellung von VMware-Diensten ausgeschlossen. Ferner habe Broadcom die Rechte der Kunden beschränkt, eigene Lizenzen zu beliebigen Hosting-Anbieter mitzunehmen.
Lizenzdruck und Verzögerungstaktiken
Zudem sieht sich die europäische Cloud-Branche mit drastischen Preiserhöhungen konfrontiert. Einzelne Anbieter berichten von Verzehnfachungen der Lizenzkosten bei Vertragsverlängerungen. Technisch setze Broadcom auf automatisierte Compliance-Prüfungen im Management-System. Bei Regelverstößen könne Letzteres schrittweise deaktiviert werden, sodass die Verbände von einem digitalen Kill-Switch sprechen.
Parallel versucht der Konzern laut dem Bericht, die Kartelluntersuchungen der EU-Kommission durch rechtliche Verzögerungstaktiken zu behindern. Broadcom berufe sich auf US-Anwaltsgeheimnisse, um eigene Unterlagen zurückzuhalten, fordere aber gleichzeitig Einsicht in vertrauliche Dokumente der Beschwerdeführer.
Vorwürfe richten sich auch gegen Broadcoms Marketing, das VMware Cloud Foundation fälschlicherweise als Lösung für die europäische digitale Souveränität darstelle. Im Rahmen einer Prüfung habe die Software nur 3 von 52 Kriterien des CISPE-Souveränitätsrahmens erfüllt.
SAP blockiert Drittanbieter bei agentischer KI
Auch SAP gerät stärker ins Visier der Experten. Sie stuften die Ampel für den Walldorfer Softwarekonzern auf Gelb ein, was auf zunehmende Bedenken hinweist.
SAP stand bislang meist wegen der bevorzugten Behandlung der eigenen RISE-Cloud und Einschränkungen für On-Premises-Kunden, die das Enterprise-System auf eigenen Computern laufen lassen, in der Kritik. CISPE & Co. richten ihr Hauptaugenmerk nun auf den Bereich der agentischen KI. In Richtlinienanpassungen im Frühjahr 2026 hat SAP demnach den Zugriff von KI-Agenten Dritter auf seine Schnittstellen stark eingeschränkt. Künftig dürften APIs nicht mehr für die direkte Interaktion mit autonomen oder generativen KI-Systemen genutzt werden.
Diesen Schritt bewerten die Analysten als potenziell wettbewerbswidrige Marktabschottung. Da Firmendaten zu Finanzwesen, Logistik und Personal im Zentrum vieler europäischer Betriebe in SAP-Systemen lägen, kontrolliere derjenige die Schnittstellen, der den Zugriff der KI-Ebene steuere. SAP gewähre derzeit nur eigenen Tools wie dem Assistenten Joule oder ausgewählten Partnern wie Nvidia bevorzugten Zugang. Drittanbieter und kleinere europäische Entwickler drohten so aus dem Markt für Unternehmens-KI verdrängt zu werden.
Dieser Effekt schlage sich bereits in den Kosten nieder, heißt es: Nach der Einschränkung von Drittanbieter-Werkzeugen seien die Preise für SAP-eigene KI-Einheiten um etwa 15 Prozent nach oben gegangen. CISPE fordert die EU-Kommission daher auf, ihre vorerst ruhenden Untersuchungen zu SAP-Supportverträgen wiederaufzunehmen mit Fokus auf API-Beschränkungen und KI-Lizenzen.
Microsoft bleibt grün, Sorge vor Huggingface-Übernahme
Wie 2025 bewertet das Observatorium Microsoft positiv mit Grün. Der US-Gigant arbeite konstruktiv an der Umsetzung der mit CISPE vereinbarten Zusagen und habe etwa die Kosten für erweiterte Sicherheitsupdates unabhängig von der gewählten Cloud harmonisiert.
Im Blick nach vorn mahnt der Cloud-Verband die Kommission zur Wachsamkeit bei der geplanten Übernahme von Hugging Face durch Nvidia. Es müsse verhindert werden, dass sich Fehler wie bei VMware wiederholten. Da vertragliche Kündigungstermine näher rückten, fordert CISPE die EU-Behörden zum raschen Handeln auf, um irreparable Marktschäden zu verhindern.
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