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Tuesday, September 29, 2026

"Wir haben nicht verstanden, mit wem wir es zu tun haben"

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Europa will bis 2030 verteidigungsfähig sein. Doch Russlands hybride Angriffe laufen längst. Wie reagieren Deutschland, EU und NATO auf die wachsende Bedrohung?

29.09.2026 | 59:09 min

Vergangenen Samstag sprach Johann Wadephul am Rande der UN-Generalversammlung überraschend mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow. Es war das erste Treffen eines deutschen und russischen Außenministers seit Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine vor viereinhalb Jahren. Dabei schien ein Gespräch zwischen den beiden Außenministern bis vor kurzem noch undenkbar. Im Anschluss ließ Lawrow jedoch wissen, er habe "nichts Neues erfahren".

Wie gehen Deutschland und Europa mit der Bedrohung aus Russland um? In der aktuellen Folge des auslandsjournal-Podcast "Der Trump-Effekt" sprechen die ZDF-Korrespondenten Katrin Eigendorf und Ulf Röller mit Andreas Kynast, ZDF-Korrespondent im Hauptstadtstudio in Berlin, über hybride Angriffe, die Rolle der Nato und Deutschlands neue Strategie im Umgang mit Russland.

Im ZDF-Exklusiv-Interview spricht Außenminister Johann Wadephul nach dem Treffen mit Sergej Lawrow von einem "intensiven Gespräch". Weitere Gespräche würden nun in russischer Hand liegen.

26.09.2026 | 3:28 min

Russlands hybride Bedrohung

Am 4. August war am Flughafen Leipzig/Halle eine mit Sprengstoff bestückte Drohne in der Nähe einer ukrainischen Frachtmaschine entdeckt worden. Anfang September gab die Bundesregierung bekannt, Russland sei nach eigenen Erkenntnissen für den Angriff verantwortlich.

Für Andreas Kynast ist klar: Der Vorfall in Leipzig hätte wesentlich schlimmer ausgehen können. Auch die deutsche Reaktion hätte wesentlich schärfer ausfallen können. Bislang habe Deutschland lediglich das letzte russische Konsulat sowie das russische Haus geschlossen. Die Reaktion habe so der russischen Seite eher signalisiert, dass Deutschland kein Interesse an einer Eskalation hat. Im Gespräch mit Lawrow habe Wadephul auch deshalb den Drohnenanschlag aufgeführt und signalisiert, dass "eine Linie überschritten worden ist".

Ich glaube, dass auch in der Öffentlichkeit noch nicht ganz angekommen ist, was in Leipzig hätte passieren können.

Andreas Kynast, Korrespondent im ZDF-Hauptstadtstudio Berlin

Geheimdienste in Europa warnen vor einer begrenzten Invasion Russlands auf Nato-Gebiet. Reale Bedrohung oder Panikmache? Militärexperte Gustav Gressel analysiert, wie Putin das Bündnis testet.

22.09.2026 | 13:32 min

Katrin Eigendorf, internationale Sonderkorrespondentin des ZDF, ordnet ein: "Diese Destabilisierung ist ein Prinzip russischer Politik." Die russische Strategie setze dabei auf kontinuierliche Nadelstiche durch Terrorakte, Cyberkriminalität und andere hybride Angriffsformen wie den Drohnenvorfall in Leipzig. Für Eigendorf ist Putins Regime in sich kriegerisch. So kämpfe es nicht nur gegen die Ukraine, sondern führe zeitgleich einen Krieg gegen die eigene Bevölkerung und Europa.

Ich glaube, dass wir in Deutschland immer noch nicht verstanden haben, mit wem wir es hier wirklich zu tun haben.

Katrin Eigendorf, internationale Sonderkorrespondentin des ZDF

Steht ein Angriff Russlands bevor?

Trotz der erhöhten Bedrohungslage ist laut Ulf Röller, ZDF-Studioleiter in Brüssel, für viele nicht gesichert, dass ein Angriff Russlands auf NATO- oder EU-Gebiet direkt bevorstehe. Laut Röller basiere die gesamte Strategie der Nato und EU vielmehr auf dem Szenario, dass Russland im Jahr 2030 in der Lage sein könnte, Nato-Gebiet anzugreifen.

Katrin Eigendorf ist sich sicher: "Ich glaube, wir werden eine ganz andere Art von Verteidigungsbereitschaft haben müssen." Ein Angriff auf Europa verlaufe schließlich auf verschiedenen Ebenen gleichzeitig, so Eigendorf. Der Iran-Krieg habe zudem gezeigt, dass die wirtschaftliche Stärke nicht allein über einen Konflikt entscheidet. Deshalb müsse man künftig auch in Europa "Verteidigung viel, viel größer denken".

Aus wirtschaftlichem Interesse setze Trump auf Gespräche mit Putin. Zugleich werde die Ukraine-Frage zunehmend als europäisches Problem gesehen, so ZDF-Korrespondent Armin Coerper.

23.09.2026 | 2:20 min

Die ganze Strategie der Nato, der Ostflanke, der Eigenständigkeit Europas, der Rolle Amerikas - alles basiert auf dem Gedanken, dass die Russen uns angreifen wollen.

Ulf Röller, ZDF-Studioleiter in Brüssel

Die wachsende Sorge über ein drohendes Wettrüsten zwischen Nato-Staaten und Russland sei "gerade für Deutschland eine ganz gesunde Reaktion", findet Andreas Kynast. Auch die Politik könne besser auf diese Bedenken eingehen, so Kynast.

Die Silhouette Donald Trumps vor einer US-Flagge, darunter der Schriftzug "Der Trump-Effekt"

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Eigendorf und Kynast sind sich zudem einig, dass der russische Angriffskrieg in der Ukraine kaum durch Diplomatie allein beendet werden werde. Denkbar sei vielmehr, dass Russland den Krieg erst dann beende, wenn es sich nicht mehr lohne, die Kämpfe weiterzuführen, so Eigendorf.

Ulf Röller sieht dabei vor allem europäische Werte unter Beschuss. So sei es für den Ausgang des Krieges auch entscheidend, ob Europa die eigenen Werte standhaft verteidige: "Ich glaube, dass der Krieg nicht mit Waffen entschieden wird, sondern in den Köpfen."

Über dieses Thema berichtete der Podcast "Der Trump-Effekt" am 29.09.2026 ab 15:00 Uhr.

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