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Thursday, October 29, 2026

Europäische Zentralbank – Nach Rücktrittsankündigung: Lagarde belässt Leitzins

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  • Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, tritt vorzeitig zurück.
  • Die EZB teilte mit, dass die Französin ihr Amt am 7. Februar 2027, neun Monate vor Ablauf ihrer achtjährigen Amtszeit, niederlegen werde.
  • Ihre reguläre Amtszeit dauert bis Ende Oktober 2027.

Über einen vorzeitigen Rücktritt der 70-Jährigen und einen möglichen Wechsel an die Spitze des Weltwirtschaftsforums (WEF) wurde seit Längerem spekuliert.

Die Leitzinsen im Euroraum bleiben trotz erhöhter Inflation vorerst unverändert. Der für Banken und Sparer wichtige Einlagenzins beträgt weiterhin 2.5 Prozent, wie der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt entschied.

Im Februar 2026 hatte die «Financial Times» berichtet, Lagarde wolle sich vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich im April 2027 zurückziehen. Hintergrund seien Sorgen, dass eurokritische Rechtspopulisten um Marine Le Pen die Wahlen in der zweitgrössten Euro-Volkswirtschaft gewinnen könnten, was die Neubesetzung der EZB-Spitze erschweren könnte.

Im September bestätigte Lagarde in einem Interview erstmals selbst Überlegungen, sie könnte bei der EZB «ein paar Monate» früher abtreten.

Poker um Nachfolge beginnt

Der Europäische Rat werde unverzüglich mit dem Verfahren zur Suche nach einem Nachfolger für Christine Lagarde als Präsidentin der Europäischen Zentralbank beginnen, erklärte Ratspräsident Antonio Costa. «Um einen reibungslosen Übergang zur nächsten Führung der EZB zu gewährleisten, wird das Verfahren zur Ernennung ihres Nachfolgers noch heute eingeleitet und zügig vorangetrieben, damit der Europäische Rat rechtzeitig eine Entscheidung treffen kann», erklärte Costa in einem Beitrag auf X.

Einschätzung von SRF-Wirtschaftsredaktor Jan Baumann:

Aus wirtschaftlicher Sicht braucht es an der Spitze der EZB primär eine Persönlichkeit, die das Hauptmandat der Zentralbank glaubwürdig vertritt: Nämlich für stabile Preise in der Eurozone zu sorgen, Stichwort Inflationsbekämpfung. Welchen Pass diese Führungsperson hat, ist ökonomisch nebensächlich. Klar ist aber auch: Grosse, wirtschaftlich mächtige Länder wie Deutschland wollen bei der Nachfolgeregelung mitreden. Entsprechende Signale hat es in letzter Zeit auch schon gegeben, etwa vom deutschen Vizekanzler Lars Klingbeil. Es gibt aber ein breites Feld von Kandidatinnen und Kandidaten. Darunter dürfte sich eine geeignete und politisch mehrheitsfähige Person finden lassen.

Was Lagardes Bilanz als EZB-Chefin angeht: Diese fällt gemischt aus. Als ehemalige Chefin des Internationalen Währungsfonds IWF ist sie mit einem Vertrauensvorschuss gestartet; sie brachte auch viel wirtschaftspolitische Erfahrung mit als ehemalige französische Finanzministerin. Es gab aber auch Zweifel, weil sie nicht Ökonomin, sondern Juristin ist. Definitiv in die Kritik kam sie, als nach der Pandemie und dem Ausbruch des Ukrainekriegs die Inflation in die Höhe schoss. Lagarde wurde vorgeworfen, sie habe die Inflation zu spät und zu wenig entschlossen bekämpft. Allerdings: Diese gemischte Bilanz teilt Lagarde beispielsweise mit der Spitze der US‑Notenbank. Auch sie hat die Inflation bis heute nicht in den Griff bekommen – was auch sehr schwierig ist.

Der Rücktritt wird es den europäischen Staats- und Regierungschefs ermöglichen, Lagardes Nachfolge noch vor den französischen Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2027 zu regeln. Als Favoriten für den Posten gelten der Niederländer Klaas Knot und der Spanier Pablo Hernandez de Cos.

Lagarde wollte eigene Akzente setzen

Lagarde trat am 1. November 2019 als erste Frau an der Spitze der EZB mit dem Anspruch an, eigene Akzente zu setzen: Klimaschutz, die Förderung von Frauen und eine bessere Kommunikation der Notenbank. «Wir werden jeden Stein umdrehen», kündigte Lagarde bei ihrer ersten Pressekonferenz an. Das oberste Entscheidungs­gremium der Zentralbank, den EZB-Rat, musste Lagarde wieder einen: Ihr Vorgänger Mario Draghi hatte kurz vor Ende seiner Amtszeit gegen grossen Widerstand die ultralockere Geldpolitik mit Null- und Negativzinsen verschärft.

Die bisherigen Präsidenten der EZB

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  • Bild 1 von 4. Wim Duisenberg (Niederlande): 1. Juni 1998 bis 31. Oktober 2003. Bildquelle: Keystone/EPA/Boris Rössler.

    Älterer Mann mit weissem Haar vor Euro-Symbol.
  • Bild 2 von 4. Jean-Luc Trichet (Frankreich): 1. November 2003 bis 31. Oktober 2011. Bildquelle: Keystone/EPA/Boris Rössler.

  • Bild 3 von 4. Mario Draghi (Italien): 1. November 2011 bis 31. Oktober 2019. Bildquelle: Keystone/EPA/Olivier Hoslet.

  • Bild 4 von 4. Christine Lagarde (Frankreich): Seit 1. November 2019. Bildquelle: Keystone/EPA/Christophe Petit Tesson.

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Lagarde, die anders als ihre drei Vorgänger nie einer nationalen Notenbank vorstand, war als Krisenmanagerin gefordert: Corona-Pandemie, Ölpreisschock, Börsencrash, Kriege. Anfangs wirkte Lagarde in ihrer neuen Rolle unsicher und sorgte zu Beginn der Corona-Pandemie Anfang März 2020 für Verwirrung an den Finanzmärkten mit der Bemerkung, sie strebe kein «Whatever it takes 2.0» an. Nur eine Woche später schnürte die EZB eilends ein neues Programm zum Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen.

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