EU und Philippinen einigen sich auf Freihandelsabkommen
Die Europäische Union und die Philippinen haben einen Durchbruch bei ihren Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen erzielt. Nach Angaben von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen steht die grundsätzliche Einigung. Einzelne Punkte sowie technische Details müssen allerdings noch ausgehandelt werden.
EU-Handelskommissar Maros Sefcovic und die philippinische Handelsministerin Cristina Roque bezeichneten die Verständigung in einer gemeinsamen Erklärung als einen "wichtigen Meilenstein für beide Seiten". Das Abkommen soll demnach "in den kommenden Monaten" formal unterzeichnet werden.
Fast alle Waren sollen von niedrigeren Zöllen profitieren
Kern der Vereinbarung ist ein weitreichender Abbau von Handelsbarrieren. "Wir haben vereinbart, über 94 Prozent der Zolltarifpositionen zu liberalisieren, die mehr als 97 Prozent der Waren auf beiden Seiten abdecken", sagte Sefcovic in Brüssel.
Für europäische Unternehmen soll sich dadurch der Zugang zum philippinischen Markt verbessern. Das südostasiatische Land hat rund 113 Millionen Einwohner. Die EU exportiert dorthin vor allem Maschinen, Transportmittel, Arzneimittel und medizinische Geräte. Auch für europäische Agrarprodukte wie Schweinefleisch sind Zollerleichterungen vorgesehen.
Sefcovic sieht darin Chancen für Unternehmen und Landwirte. Zugleich solle das Abkommen Lieferketten widerstandsfähiger machen. "Zudem sorgt dies für stärkere und diversifiziertere Lieferketten in einer Zeit, in der Widerstandsfähigkeit zu einer strategischen Priorität geworden ist - Halbleiter sind hierfür ein deutliches Beispiel."

Auch bei erneuerbaren Energien erwartet der EU-Kommissar neue Investitionsmöglichkeiten. Die Philippinen wollen ihre Kapazitäten in diesem Bereich ausbauen.
Philippinen öffnen öffentliche Aufträge
Nach Angaben der EU-Kommission soll zudem erstmals der philippinische Markt für öffentliche Aufträge für ausländische Bieter geöffnet werden. Das Abkommen enthält außerdem Regelungen zu Nachhaltigkeit und Schutzstandards sowie zu Energie und Rohstoffen. Geschützt werden sollen auch Hunderte europäische Lebensmittel mit Herkunftsbezeichnung.
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer sieht ebenfalls große wirtschaftliche Chancen. DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier sprach von einem "enormen Marktpotenzial". Das endgültige Abkommen müsse für "vollständige Zollsenkungen in allen Industriebereichen sowie die Öffnung der öffentlichen Beschaffungsmärkte" sorgen. Deutsche Unternehmen hoffen zudem auf einen besseren Zugang zu Rohstoffen von den Philippinen.
Handel im Wert von Milliarden Euro
Die EU gehört bereits zu den wichtigsten Handelspartnern des Inselstaats. 2025 war sie nach Angaben der EU-Kommission der viertgrößte Handelspartner der Philippinen und stand für 8,3 Prozent des gesamten Warenhandels des Landes.

Der bilaterale Warenhandel belief sich demnach 2025 auf 17,6 Milliarden Euro. Beim Handel mit Dienstleistungen wurden 2024 rund 10,3 Milliarden Euro erreicht. Sefcovic sprach angesichts dieser Zahlen von einem "riesigen Wachstumspotenzial".
Die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen begannen Mitte der 2010er-Jahre, wurden jedoch bereits kurze Zeit später ausgesetzt. Seit März 2024 verhandelten beide Seiten wieder miteinander. Nun betonten sie ihr "gemeinsames Interesse an einer offenen, inklusiven und regelbasierten internationalen Ordnung".
EU sucht zusätzliche Handelspartner
Für Brüssel ist die Vereinbarung zugleich Teil einer breiteren handelspolitischen Strategie. Die EU bemüht sich angesichts der US-Zollpolitik unter Präsident Donald Trump und der angespannten Beziehungen zu China um zusätzliche Handelspartner.
In den vergangenen Monaten unterzeichnete die EU bereits einen erweiterten Handelsvertrag mit Mexiko und schloss die Verhandlungen mit Indien ab. Ein Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen MERCOSUR-Staaten ist seit Mai vorläufig in Kraft.
Sefcovic wertete die Einigung mit Manila deshalb auch als Signal für ein stärkeres europäisches Engagement im indopazifischen Raum.
Mit rund 450 Millionen Einwohnern ist die EU einer der größten Handelsräume der Welt. Nach Angaben der Kommission entfielen 2025 Waren- und Handelsströme im Wert von acht Billionen Euro beziehungsweise 15,9 Prozent des Welthandels auf die Union.
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