Taraneh (20) droht Tod am Galgen, ihrer Zwillingsschwester Haft

- Die 20-jährige Iranerin Taraneh R. wartet in einem Gefängnis in Isfahan auf ihre Hinrichtung durch Erhängen.
- Sie wurde nach ihrer Teilnahme an den Protesten vom Januar festgenommen – ihr Geständnis soll unter Folter erzwungen worden sein.
- Ihre Zwillingsschwester Romina erhielt 25 Jahre Haft; seit dem Urteil durfte die Familie die beiden nicht mehr besuchen.
Taraneh R. ist 20 Jahre alt, liebt Pferde und träumt davon, eines Tages einen eigenen Pferdestall zu führen. Jetzt wartet die junge Iranerin auf ihre Hinrichtung. Ihre Zwillingsschwester Romina wurde zu 25 Jahren Haft verurteilt. Die beiden waren nach ihrer Teilnahme an den Protesten gegen das iranische Regime Anfang Jahr festgenommen worden, wie der «Guardian» berichtet.
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Maskierte Männer kamen in der Nacht
Am 8. und 9. Januar sollen die Zwillinge in Isfahan auf die Strasse gegangen sein – gemeinsam mit Millionen anderen Menschen im ganzen Land. Nach Schätzungen beteiligten sich rund 18 Millionen Menschen an den Protesten. Taraneh und Romina waren damals 19 Jahre alt und gingen noch zur Schule. Zuvor hätten sie noch nie an Protesten teilgenommen.
Rund einen Monat später wurden sie mitten in der Nacht aus ihrem Zuhause geholt. Maskierte Männer hätten ihnen Säcke über den Kopf gezogen und sie abgeführt, berichtet ihr Cousin Masoud N. der britischen Zeitung.
«Sie hatten praktisch keine Haare mehr»
Vier Monate lang wusste die Familie nicht, wo die beiden waren. Ihre Mutter, die ihre Töchter allein grossgezogen hatte, suchte in Spitälern, Gerichten und staatlichen Einrichtungen nach ihnen. Erst im Mai durfte sie die Zwillinge in einem Gefängnis in Isfahan besuchen. Sie habe ihre eigenen Töchter kaum wiedererkannt.

Ihre Gesichter seien geschwollen und voller Blutergüsse gewesen. Die Schwestern hätten gebrochene Füsse, Ellbogen und Fingerknöchel gehabt. «Sie hatten praktisch keine Haare mehr, weil sie an den Haaren gepackt und von einer Zelle in die andere gezerrt wurden», sagt ihr Cousin gegenüber dem US-Sender KSL.
Sie drohten, Romina zu vergewaltigen
Laut Taranehs Anwälten wurde ihr Geständnis unter Folter erzwungen. Gefängniswärter hätten ihr gedroht, Romina vor ihren Augen zu vergewaltigen, sollte sie nicht unterschreiben. Beweise dafür, dass die Schwestern während der Proteste an Gewalt beteiligt waren, seien nicht vorgelegt worden, berichtet der «Guardian». Ihre Mutter durfte beim Prozess nicht dabei sein.
Ende August kam das Urteil: Taraneh wurde zum Tod durch Erhängen verurteilt, Romina zu 25 Jahren Haft. Weshalb die Strafen so unterschiedlich ausfallen, ist unklar. Seit der Verurteilung habe die Familie die beiden nicht mehr gesehen.
«Sie halten sich nicht an ihre eigenen Gesetze»
Ihr Cousin glaubt, dass ausgerechnet Taranehs Unschuld der Grund für das harte Urteil sein könnte. «Man sieht ihre Augen und weiss sofort, dass sie ein lieber Mensch ist», sagt N. Seiner Einschätzung nach wolle das Regime damit Angst verbreiten und den Menschen zeigen: «Egal, wie unschuldig ihr seid, wir können euch holen. Geht nicht mehr auf die Strasse.»
Nun drängt die Zeit: Anwälte versuchen, gegen Taranehs Todesurteil vorzugehen. Laut N. gibt es eigentlich eine Frist, in der gegen das Urteil Berufung eingelegt werden kann. Doch bei anderen Hinrichtungen sei diese zuletzt nicht eingehalten worden.
«Sie verurteilen sie einfach, nehmen die Kinder und hängen sie», sagt er. «Sie halten sich nicht an ihre eigenen Gesetze.» Er fürchtet, dass Taraneh hingerichtet werden könnte, bevor alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.
Seit Januar mehr als 500 Menschen hingerichtet
Der Fall der Zwillinge ist kein Einzelfall. Laut dem «Guardian» hat Iran in diesem Jahr mehr als 500 Menschen hingerichtet, mindestens 29 davon im Zusammenhang mit den Protesten vom Januar. Hunderte weitere Demonstrierende wurden zum Tod verurteilt oder müssen mit der Todesstrafe rechnen.
Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?
Hier findest du Hilfe:
Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Jasmin Steiger (jst) arbeitet seit 2026 für 20 Minuten. Sie arbeitet am Newsdesk und schreibt über verschiedenste Themen.
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