Sorge ums Weihnachtsgeschäft: KI-Kosten reißen Milliardenloch in Amazons Bilanz

Sorge ums WeihnachtsgeschäftKI-Kosten reißen Milliardenloch in Amazons Bilanz
29.10.2026, 23:56 Uhr
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Der Bau neuer Rechenzentren verschlingt auch bei Amazon Unsummen. Der Cashflow bricht ein, Anleger machen sich Sorgen. Konzernchef Jassy will trotzdem nachlegen.
Überraschend hohe Kosten für den Bau neuer KI-Rechenzentren belasten die Bilanz von Amazon. Der Barmittelabfluss habe sich in den vergangenen drei Monaten auf 42,4 Milliarden Dollar nahezu versechsfacht, teilte der Onlinehändler nach Börsenschluss mit. Diese Entwicklung sei besorgniserregend, sagte Portfoliomanager Dave Wagner vom Vermögensverwalter Aptus. "Das operative Geschäft erwirtschaftet reichlich Geld, aber die Investitionen verschlingen es komplett." Im nachbörslichen Handel an der Wall Street brach die Aktie um rund acht Prozent ein.
Amazon hat mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie die Google-Mutter Alphabet und der Facebook-Betreiber Meta. Die beiden Letzteren mussten im dritten Quartal einen negativen Free Cash Flow von knapp zehn Milliarden Dollar beziehungsweise 2,1 Milliarden Dollar hinnehmen. Unter den großen US-Technologiekonzernen verbuchte lediglich Microsoft einen Barmittelzufluss. Dieser fiel mit 18,6 Milliarden Dollar zudem doppelt so hoch aus wie erwartet.
"Die Kriterien dafür, wer im KI-Zeitalter gewinnt, verändern sich", sagte Marcel Tietjen, Technologie-Experte der Beratungsfirma Bearingpoint. "Entscheidend ist nicht mehr allein, wer das beste Modell oder das größte Rechenzentrum hat." Der Schwerpunkt verlagere sich auf die Frage, wer pro investierter Milliarde den größten Umsatz und den höchsten Gewinn erwirtschaften könne.
Amazon will im laufenden Jahr 220 Milliarden Dollar in den Ausbau seiner KI-Infrastruktur stecken. Bei Google sind es bis zu 205 Milliarden Dollar und bei Meta zwischen 135 und 145 Milliarden Dollar. Microsoft schraubte seine Investitionsprognose am Mittwoch auf 170 von 175 Milliarden Dollar herunter.
Cloud-Sparte legt zu
Amazon-Chef Andy Jassy sagte hingegen in einer Telefonkonferenz, die Investitionen würden im kommenden Jahr noch einmal "deutlich höher" ausfallen. Genauere Angaben machte er jedoch nicht. Gleichzeitig äußerte er sich optimistisch über die mittelfristigen Wachstumsaussichten. Die Cloud-Tochter Amazon Web Services (AWS) könnte bereits 2031 mehr als eine Billion Dollar Jahresumsatz erreichen. In den vergangenen drei Monaten steigerte sie ihren Umsatz um etwa 39 Prozent auf 46 Milliarden Dollar. Dies war das größte Plus seit rund fünf Jahren.
In anderen Geschäftsfeldern lief es für Amazon weniger rund. So verlangsamte sich das Wachstum der Werbeeinnahmen überraschend deutlich auf zwölf Prozent. Dadurch blieben die Konzernerlöse mit 201,9 Milliarden Dollar leicht hinter den Markterwartungen zurück. Auf dieser Basis stellte der Onlinehändler für das laufende Quartal einen Umsatz zwischen 240 und 247 Milliarden Dollar in Aussicht. Der Mittelwert dieser Spanne liegt unter den 244,5 Milliarden Dollar, die Analysten bislang prognostiziert hatten. Dies schürte Spekulationen, dass sich die Verbraucher wegen der anziehenden Inflation im wichtigen Weihnachtsgeschäft mit ihren Ausgaben zurückhalten könnten.
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