Missbrauchsbeauftragte Claus fordert mehr Schutz in Schulen
Junge Frauen enthüllen, wie Lehrer sie während ihrer Schulzeit sexuell missbraucht haben. Sind Schülerinnen in Deutschland zu wenig geschützt?
12.10.2026 | 37:45 minDie Missbrauchsbeauftragte des Bundes, Kerstin Claus, hat eindringlich dazu aufgerufen, Kinder und Jugendliche besser vor sexueller Gewalt zu schützen und bestehende Schutzlücken kritisiert. In Berlin sagte sie:
Noch nie war das Risiko für Kinder und Jugendliche, sexualisierte Gewalt zu erleben, so hoch wie heute.
Kerstin Claus, Missbrauchsbeauftragte des Bundes
Die Risiken im digitalen Raum explodierten, so Claus. Es habe sich viel getan, seit ihrem Amtsantritt, aber besserer Schutz sei machbar.
Der Jahresbericht von jugendschutz.net zeigt über 15.000 Verstöße gegen den Schutz Minderjähriger im Netz auf. Häufig ging es dabei um Kindesmissbrauch und Jugendpornografie.
19.05.2026 | 1:31 minKriminalstatistik: Sexueller Missbrauch von Kindern nimmt zu
Anlass war die Vorlage ihres Berichts zum Ausmaß sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche und zum Stand von Prävention, Hilfe und Aufarbeitung. Die Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen sei ungebrochen hoch, heißt es darin.
Verwiesen wird auf bereits veröffentlichte Zahlen der Kriminalstatistik. Demnach zählte die Polizei 2025 insgesamt 17.126 Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs, rund 1.600 mehr als noch vor fünf Jahren und 772 mehr als im Vorjahr.
Digitale Welt: Mehr Zugangsmöglichkeiten für Täter
Einen Schwerpunkt legt der Bericht auf den digitalen Raum und Künstliche Intelligenz. Die digitale Welt verändere Möglichkeiten des Zugangs für Täter. Kommunikations- und Interaktionsorte im Netz seien zu "zentralen Tatorten sexualisierter Gewalt" geworden.
Die EU will KI-Programme verbieten, die missbräuchliche sexuelle Deepfakes erstellen. Auch Inhalte mit Kindesmissbrauch sind explizit erfasst.
07.05.2026 | 0:37 minVerwiesen wird auf Gefahren durch KI, etwa dass unverfängliche Profilfotos mit KI zu Nacktbildern umgewandelt werden können, was sexuelle Erpressung ("Sextorsion") erleichtere.
Claus fordert Schutzkonzepte für Schulen und Kitas
Die Missbrauchsbeauftragte fordert in ihrem Bericht unter anderem die Einführung eines Schulfachs "Digitale Welt/Digitalität", das digitale Kompetenzen an Kinder und Jugendliche vermittele und den Umgang mit Risiken im Netz einschließe.
Im Netz seien Minderjährige nicht sicher vor sexuellem Missbrauch. KI "erleichtert es den Tätern", so die Missbrauchsbeauftragte Kerstin Claus.
22.07.2026 | 3:08 minMissbrauchsdarstellungen im Netz müssten aktiv gesucht und proaktiv gelöscht werden, denn solange sie dort kursierten, ende der Missbrauch nicht, sagte Claus außerdem. Sie forderte Schutzkonzepte für Kinder in allen Schulen, Kitas und Freizeitangeboten, die auch Formen digitalisierter Gewalt einschließen.
Schutzkonzepte reduzierten das Risiko und böten für Betroffene einen Raum, in dem sie sprechen könnten. Dazu müssten auch gewerbliche Anbieter etwa in der Jugendhilfe verpflichtet werden.
Schutz vor Cybergrooming auch für über 14-Jährige erforderlich
Konkret forderte Claus auch, dass das Strafrecht auch Jugendliche über 14 Jahren vor Cybergrooming - die gezielte Kontaktaufnahme von Erwachsenen mit Minderjährigen über das Internet, um diese sexuell zu manipulieren - schützt.
Um Missbrauchsfälle in Sportvereinen zu verhindern, sei Achtsamkeit von Vereinen und Eltern erforderlich, sagt Jonas Hummels, Macher der ZDF-Doku "Tatort Jugendfußball".
07.10.2026 | 3:43 minSie forderte zudem, dass der Fonds sexueller Missbrauch weitergeführt wird. Seit März vergangenen Jahres können dort keine neuen Anträge gestellt werden.
Mit ihrem Bericht zum Ausmaß sexueller Gewalt müssen sich erstmals auch Bundesregierung und Bundestag befassen. Eine solche Berichtspflicht der Beauftragten hatte der Bundestag zum Ende der vergangenen Legislaturperiode beschlossen.
Quelle: dpa, KNA
Über sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche berichtete unter anderem ZDF frontal am 12.10.2026 um 06:00 Uhr.
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