Premierminister zieht Reißleine: Nach Gewaltexzessen: Frankreich kündigt Ausgangssperren an

Premierminister zieht ReißleineNach Gewaltexzessen: Frankreich kündigt Ausgangssperren an
19.10.2026, 14:49 Uhr

Seit Wochen ist Frankreich von Unruhen geprägt. Am Wochenende eskaliert die Lage komplett. Es kommt vielerorts zu Straßenschlachten und Plünderungen. Die Polizei setzt Tränengas und Wasserwerfer ein. Nun gibt es Konsequenzen.
Nach den schweren Ausschreitungen am Rande von Protesten in Frankreich hat Premierminister Sébastien Lecornu örtlich begrenzte Ausgangssperren angekündigt. Er habe die Präfekten angewiesen, für heute Abend Ausgangssperren zu verhängen, die "teilweise" und "sehr lokal begrenzt" seien, sagte Lecornu nach einem Krisentreffen der Regierung. Im Laufe des Nachmittags werde es eine Übersicht über die Entscheidungen der lokalen Behörden geben, sagte Lecornu. Die Präfekten sind die obersten Vertreter des französischen Zentralstaats in den Départements.
Am Wochenende waren landesweite Proteste gegen hohe Lebenshaltungskosten in Frankreich von schweren Ausschreitungen und Plünderungen begleitet worden. Auch in der Nacht zu Montag blieb die Lage, etwa in Paris, angespannt. Der Premierminister betonte, dass das "Chaos" auf die Stadtzentren begrenzt sei. Die Lage sei "geografisch sehr uneinheitlich", sagte er.
"Eines der Ziele dieser Ausgangssperre ist der Schutz von Personen, aber auch von Eigentum, insbesondere von Geschäften", sagte Lecornu. Man habe es mit einer ganz bestimmten, sehr spezifischen Kriminalität aus Plünderung und dem Weiterverkauf eines Teils der geplünderten Waren zu tun. Die Verhängung eines Ausnahmezustands schloss Lecornu zwar nicht aus, hält ihn aber derzeit nicht für das richtige Mittel. Das sei eine schwerwiegende Maßnahme, sagte er. Angesichts der Situation schienen ihm Ausgangssperren besser geeignet. Für den kommenden Samstag hat die Protestbewegung der Gelbwesten weitere Demonstrationen angekündigt.
Bei den Ausschreitungen sind allein in Paris am Sonntag und in der Nacht zum Montag weitere 350 Menschen festgenommen worden. Dies teilte Innenminister Laurent Nuñez mit. Landesweit wurden am Wochenende 2331 Menschen in Polizeigewahrsam genommen, wie Justizminister Gérald Darmanin dem Sender France 2 sagte. Gegen mehr als 80 Prozent von ihnen werde strafrechtlich vorgegangen. Mehrere Dutzend Verdächtige seien bereits in Untersuchungshaft genommen worden, darunter 13 allein im südfranzösischen Marseille.
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