Hoffnung fürs Klima?: Künstliche Einlagerung von CO2 steigt weltweit auf Rekordwert

Hoffnung fürs Klima?Künstliche Einlagerung von CO2 steigt weltweit auf Rekordwert
26.10.2026, 18:12 Uhr
Von Kai Stoppel

Weltweit wird an verschiedenen Orten so viel Kohlendioxid in den Untergrund gepresst wie nie zuvor. 2024 wurden 43,6 Millionen Tonnen des Klimagases im Gestein eingelagert, ein vorläufiger Rekord. Doch wie viel trägt das wirklich zum Klimaschutz bei?
Weltweit wird in zunehmendem Maße Kohlendioxid (CO2) im Gestein gespeichert. Aus Industrie und Kraftwerken oder direkt aus der Luft abgeschieden wird es in tief liegende Schichten gepresst. 2024 ist so viel CO2 unterirdisch eingelagert worden wie nie zuvor: Insgesamt waren es rund 43,6 Millionen Tonnen, wie aus dem Jahresbericht 2026 des London Register of Subsurface CO2 Storage hervorgeht. In den vergangenen drei Jahrzehnten wurden damit mindestens 421,7 Millionen Tonnen CO2 eingelagert.
Seit 2016 hat sich die jährliche gespeicherte Menge laut dem Bericht mehr als verdoppelt. Das Register erfasst inzwischen 70 Projekte in 17 Ländern auf sechs Kontinenten. "Die geologische CO2-Speicherung ist zu einem globalen Unterfangen geworden", sagte Register-Direktor Samuel Krevor laut einer Mitteilung. Dass immer neue Länder und Speicherprojekte hinzukämen, zeige, dass sich die Klimaschutztechnik bereits im großen Maßstab bewährt habe.
Die meisten Speicherprojekte liegen mit 23 in den USA, wo 2024 zusammen 20,2 Millionen Tonnen CO2 eingelagert wurden. Größtes Einzelprojekt bleibt das von Petrobras betriebene Ölfeld im Santos-Becken vor Brasilien, in dem 14,2 Millionen Tonnen eingelagert wurden - etwa ein Drittel der weltweiten Menge. China und Australien meldeten je 1,7 Millionen Tonnen. Neuseeland und Italien sind erstmals vertreten, in Norwegen begann im August 2025 das Projekt Northern Lights mit der Einlagerung.
Großteil des CO2 zur Ölgewinnung verpresst
Allerdings entfielen bisher mit mehr als 80 Prozent der Großteil aller CO2-Einlagerungen auf Projekte in Verbindung mit Ölförderung. - in diesen Fällen soll durch das Einpressen von Kohlendioxid die Laufzeit bestehender Ölfelder verlängert werden. Bei einem Teil davon bleibt zudem unklar, ob bei dieser Rechnung CO2 abgezogen wird, das mit dem Öl wieder an die Oberfläche kommt und erneut verpresst wird.
Für das Jahr 2025 liegen erst Teildaten vor, weswegen noch nicht gesagt werden kann, ob es einen weiteren Rekord bei der CO2-Einlagerung gab. 29 Projekte in zwölf Ländern meldeten bislang 36,2 Millionen Tonnen, allerdings haben mehrere große US-Projekte noch keine Zahlen geliefert. Petrobras meldete für das Santos-Becken bereits 19,6 Millionen Tonnen, was noch mal eine deutliche Steigerung wäre.
Winziger Teil der weltweiten Emissionen
Allerdings ist gemessen am weltweiten Ausstoß an Kohlendioxid die gespeicherte Menge gering. Nach Daten des Global Carbon Project wurden 2024 rund 37,4 Milliarden Tonnen CO2 aus fossilen Quellen freigesetzt. Die eingelagerte Menge entspricht etwa 1,2 Promille davon. "Um das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Abkommens zu erreichen, muss die geologische CO2-Speicherung laut allen Projektionen bis 2050 auf eine Milliarde Tonnen oder mehr pro Jahr wachsen", sagte Krevor. Das wäre mehr als das 20-Fache des heutigen Niveaus.
In Deutschland ist die kommerzielle CO2-Speicherung seit einer Gesetzesreform Ende 2025 möglich. Der Bundestag hatte damals eine Änderung des bestehenden Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes beschlossen. Vorgesehen ist allerdings vor allem die Speicherung unter der Nordsee, die Bundesländer können die Speicherung an Land auf ihrem jeweiligen Landesgebiet zulassen. Umweltverbände halten die Technik für teuer und riskant.
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