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Wednesday, September 16, 2026

Gemeinsam gegen Trump: Könnte Kanada EU-Mitglied werden?

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Von der Leyen will Kanada den Weg zu einer assoziierten Mitgliedschaft in der EU erleichtern. Nach den von den USA verhängten Zöllen gegen Kanada, kam die Idee einer engen Partnerschaft auf.

16.09.2026 | 0:58 min

Kanada soll nach dem Willen von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen das erste "assoziierte Mitglied" der Europäischen Union werden. "Wir sehen die Welt mit den gleichen Augen", sagte von der Leyen in ihrer Rede zur Lage der Europäischen Union, der auch der kanadische Premierminister Mark Carney beiwohnte.

Mit Carney wolle von der Leyen darauf hinarbeiten, "dass Kanada das erste assoziierte Mitglied der EU wird". Bisher gibt es keine derartige Kooperationsform der EU mit Drittstaaten, in der Vergangenheit gab es aber schon entsprechende Überlegungen.

Diese Möglichkeiten gibt es, Kanada und Europa näher aneinander zu binden - ein Überblick:

Vollmitgliedschaft in der EU

Artikel 49 des EU-Vertrags besagt, dass "jeder europäische Staat", der die Werte der EU achtet, eine Mitgliedschaft beantragen kann. Diese sind "die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte". Geographische Kriterien für einen "europäischen Staat" werden darin zwar nicht genannt.

Es ist jedoch nur schwer vorstellbar, dass Kanada für diese Kategorie infrage kommt - auch wenn der Europaabgeordnete Javier Moreno Sánchez scherzhaft auf die Nähe Kanadas zu Grönland verweist. Zur Orientierung: 1987 wurde dem Mittelmeeranrainer Marokko eine EU-Mitgliedschaft mit der Begründung verweigert, dass er kein europäischer Staat sei.

"Assoziierte Mitgliedschaft"

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte angesichts des langwierigen EU-Beitrittsprozesses im Mai vorgeschlagen, die Ukraine ohne Stimmrecht als "assoziiertes Mitglied" in die EU aufzunehmen. Auch für die Westbalkanstaaten forderte er eine Art Beobachterstatus und eine engere Einbindung in die Institutionen und Entscheidungsprozesse der EU. Trotz zum Teil positiver Reaktionen gibt es aber bisher keine solche Regelung.

Europäischer Wirtschaftsraum und Freihandelsassoziation

Der Europäische Wirtschaftsraum (EWR) bezeichnet die Freihandelszone, der alle 27 EU-Länder angehören. Zudem haben drei Staaten der Europäischen Freihandelsassoziation (Efta) Zugang zum EU-Binnenmarkt: Norwegen, Liechtenstein und Island. Sie bekennen sich damit zu "vier Grundfreiheiten" - freier Verkehr von Waren, Personen, Dienstleistungen und Kapital - sind aber nicht Teil der Agrar- oder Handelspolitik der EU und können bei Entscheidungen in Brüssel nicht mitreden.

Im Handelskonflikt mit Kanada haben die USA nun Einfuhrverbote für bestimmte Produkte angekündigt. Diese Verbote schaden allerdings auch den USA selbst.

09.09.2026 | 1:31 min

Dem Efta-Vertrag zufolge kann "jeder Staat" beitreten, sofern das zuständige Gremium zustimmt. Im EWR-Abkommen ist allerdings von "europäischen Staaten" die Rede. Auch ist fraglich, ob Kanada bereit wäre, allen Bedingungen des EWR zuzustimmen, etwa dem Prinzip der Personenfreizügigkeit. Für Ottawa wäre zudem abzuwägen, welche Vorteile eine Mitgliedschaft im EWR im Verhältnis zum bestehenden EU-kanadischen Freihandelsabkommen Ceta hätte.

Rede von Ursula von der Leyen (EU-Kommissionspräsidentin) im EU-Parlament zur Lage der Europäischen Union (State of the Union)

16.09.2026 | 78:15 min

Sonderfall Schweiz

Die Schweiz ist zwar Efta-Mitglied, hat sich aber gegen einen Beitritt zum EWR entschieden. Stattdessen ist der Zugang der Schweizer zum EU-Binnenmarkt über ein Vielzahl bilateraler Einzelabkommen geregelt.

Zollunion

Seit 1996 sind die EU und der ewige Beitrittskandidat Türkei in einer Zollunion vereint. Das bedeutet grundsätzlich freien Warenverkehr sowie Angleichungen in Bereichen wie Handelspolitik und Wettbewerbsvorschriften. In den vergangen Jahren gab es immer wieder Debatten um eine Modernisierung der Zollunion in Verbindung mit Visa-Erleichterungen für türkische Bürgerinnen und Bürger.

Bezahlbarkeit sei für die Amerikaner ein wichtiges Thema, sagt Ökonomin Claudia Schmucker. Durch die Zölle würden viele Waren jetzt aber teurer, was sich auf die Midterms auswirken könnte.

25.08.2026 | 8:44 min

Londons "Freihandel Plus"

Nach dem Brexit schlossen Großbritannien und die EU ein Handels- und Kooperationsabkommen, das über ein traditionelles Freihandelsabkommen hinausgeht. Seitdem wurden mehrere zusätzliche Abkommen unterzeichnet, etwa für die Bereiche Sicherheit und Verteidigung sowie für den weiteren Abbau von Handels- und Aufenthaltsbeschränkungen. London beteiligt sich zudem an den Kosten des 90-Milliarden-Euro-Darlehens der EU an die Ukraine.

Carneys "einzigartige Allianz"

Der kanadische Premierminister Carney hatte einer Mitgliedschaft in der EU jüngst von sich aus eine Absage erteilt. Stattdessen möchte er eine "einzigartige Allianz" mit der EU schmieden. Konkret könnte dies heißen, dass Kanada - ähnlich wie Großbritannien - das bestehende Freihandelsabkommen nach und nach mit Vereinbarungen über die Zusammenarbeit in anderen Bereichen ergänzt. So ist Kanada bereits jetzt das einzige nicht-europäische Land, dass sich am 150 Milliarden Euro schweren EU-Verteidigungsfonds Safe beteiligt. Medienberichten zufolge möchte Kanada sich auch an den Kosten des EU-Darlehens für die Ukraine beteiligen.

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