Was Azubis tun können, wenn die Ausbildung nicht passt
Menschen mit Migrationshintergrund, die eine Ausbildung starten wollen, stehen vor besonderen Herausforderungen. Azubi-Patenschaften können Orientierung und Unterstützung liefern. Wie funktioniert das?
28.08.2026 | 3:30 minUnzufriedenheit in der Ausbildung kann viele Gründe haben: Sind es normale Startschwierigkeiten? Liegen die Probleme im Betrieb oder in der Berufsschule? Oder passt der Beruf selbst nicht zu mir? Frühe Zweifel sind meist kein Grund, vorschnell abzubrechen. Der erste Schritt zur Lösung ist, das eigentliche Problem zu identifizieren - und dann gezielt zu handeln.
Probleme zuerst im Gespräch klären
Sobald klar ist, was genau belastet, solle man auf jeden Fall das Gespräch suchen, rät Sophie Schlingmann, politische Referentin in der Abteilung Jugend mit Schwerpunkt Ausbildung im Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). So können die Beteiligten gemeinsam überlegen, was sich an der Situation verändern müsste.
Eine Ausbildung ist für viele Jugendliche ein großer Schritt. Silke Catón von der Bundesagentur für Arbeit erklärt, wo es noch Ausbildungsplätze gibt und wie Azubis Unterstützung bekommen können.
28.08.2026 | 5:50 min"Anfängliche Unsicherheiten sind ganz normal und gehören dazu. Wenn strukturelle Probleme auftauchen, sollte man jedoch genauer hinsehen", sagt Schlingmann. Ein Gespräch kann erste Fragen klären und Transparenz über rechtliche Bedingungen schaffen.
Folgende Ursachen für Unzufriedenheit in der Ausbildung kommen beispielsweise infrage:
"Betrieb und Bewerber kommen nicht immer zueinander", sagt Gitta Connemann (CDU) zum Ausbildungsreport. Sie sieht Defizite bei der Vorbereitung: in Schulen, Familien und bei den Auszubildenden selbst.
20.08.2026 | 6:45 minWann ein Betriebswechsel sinnvoll ist
Manche Probleme lassen sich schnell lösen, andere sitzen tiefer. Wenn sich die Situation auch nach einem Gespräch nicht verbessert, das Berufsfeld sich dennoch richtig anfühlt, kann ein Betriebswechsel sinnvoll sein. Wer die Ausbildung bei einem anderen Arbeitgeber fortsetzen möchte, sollte allerdings die geltenden Fristen beachten.
Während der meist bis zu viermonatigen Probezeit können beide Seiten das Ausbildungsverhältnis jederzeit und ohne Angabe von Gründen kündigen. Nach der Probezeit ist eine Kündigung grundsätzlich nur unter den im Berufsbildungsgesetz (BBiG) geregelten Voraussetzungen möglich. Die Kündigungsfrist beträgt in der Regel vier Wochen; bei einem wichtigen Grund ist auch eine fristlose Kündigung möglich. Alternativ kann ein Aufhebungsvertrag eine Lösung sein.
Für Auszubildende ist es wichtig, ihre Rechte und Pflichten zu kennen und genau zu prüfen, was im Ausbildungsvertrag festgehalten ist.
Um Nachwuchs zu gewinnen, setzen Azubis von ArcelorMittal in Bremen auf TikTok. Mit einem Video werben sie für eine Ausbildung im Stahlwerk. Sie hoffen auf neue Bewerber.
26.08.2026 | 1:38 minNeuanfang in der Ausbildung: Das ist wichtig
Stellt man fest, dass die Ausbildung nicht zu den eigenen Interessen und Fähigkeiten passt, kann ein Abbruch die bessere Option sein. "Jugendliche sollten sich vor der Kündigung umfassend beraten lassen, damit sie im Anschluss nicht plötzlich in der Luft hängen", rät Manja Schreiner, Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer Berlin.
Es ist keine Schande festzustellen, dass der Beruf - oder der Betrieb - nicht passen. Es ist aber wichtig, die richtigen Schlüsse aus den gemachten Erfahrungen zu ziehen, damit der Neustart auch gelingt.
Manja Schreiner, Hauptgeschäftsführerin der IHK Berlin
Vielleicht ist eine andere Ausbildungsstelle oder ein duales Studium die bessere Wahl? Auch Praktika können hilfreich sein, um neue Bereiche kennenzulernen. "Manchmal sind es auch familiäre oder persönliche Umstände. Dann wäre vielleicht eine Ausbildung in Teilzeit, eine Verkürzung oder Verlängerung der Ausbildungszeit eine Alternative zum Abbruch", sagt Schreiner.
Laut DGB-Ausbildungsreport 2026 ist die Zufriedenheit in der Ausbildung im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Zugleich finden viele Bewerber trotz offener Lehrstellen keinen Platz.
20.08.2026 | 2:33 minDas Unterstützungsangebot ist groß. Folgende Anlaufstellen können helfen, neue Perspektiven zu finden:
- Vertrauenspersonen wie Eltern, Freundinnen und Freunde
- Ansprechpersonen aus der Firma oder Berufsschule
- Betriebsrat oder betriebliche Jugend- und Auszubildendenvertretung
- Ausbildungsberatung der zuständigen Kammern: Industrie- und Handels-Kammer (IHK), Handwerks-Kammer (HWK), Landwirtschafts-Kammer (LWK)
- Berufsberatung der Agentur für Arbeit
- Angebote der örtlichen Jugendberufsagenturen
- Gewerkschaften und Angebote des DGB Jugend, etwa das Onlineforum "Dr. Azubi"
Quelle: dpa-Custom Content
Über dieses Thema berichtete das ZDF in der Sendung "Volle Kanne" am 28.08.2026 ab 09:05 Uhr.
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