Hohe Spritpreise: Welche Entlastungen diskutiert werden
Kanzler Merz hat Maßnahmen gegen die hohen Spritpreise angekündigt. Es habe dazu bereits Beratungen von Bund und Ländern gegeben, sagte er beim Unternehmertag des Handelsverbands BGA in Berlin.
15.09.2026 | 0:30 minDer Spritpreis steigt und steigt wegen des Iran-Kriegs - und die Debatte um Entlastungen der Verbraucher ist neu entfacht. Politik, Verbände und Forscher streiten über Preisdeckel und gezielte Hilfen. Nun hat Kanzler Friedrich Merz (CDU) angekündigt, dass Maßnahmen gegen die hohen Preise ergriffen werden sollen. Wichtige Fragen und Antworten zum Thema:
Wie hoch sind die Spritpreise zurzeit?
Am Montag erreichte der Preis für Super E10 ein weiteres Allzeithoch. Der Liter kostete im Tagesmittel laut ZDFheute-Auswertung 2,32 Euro. Das waren 2 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für Diesel lag wie am Sonntag bei 2,44 Euro - und damit nur noch minimal unter dem Rekord aus dem April. Damals kostete ein Liter Diesel 2,46 Euro im Tagesmittel.
- Benzin und Diesel: Spritpreise steigen weiter
- Warum der Staat an den hohen Spritpreisen nicht mitverdient
Gründe für die steigenden Preise sind teures Rohöl und beschädigte Raffinerien in Kriegsgebieten.
Auch der Ölpreis legte angesichts der weiter zunehmenden Spannungen in der Golfregion weiter zu, wenn auch nicht mehr so stark. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent lag am Dienstagmorgen bei 107,55 Dollar, der für die US-Sorte WTI bei 103,24 Dollar pro Barrel.
Spritpreis
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Welche Entlastungen erwägt die Bundesregierung?
Merz hat am Dienstag Maßnahmen zur kurzfristigen finanziellen Entlastung der Verbraucher angekündigt. "Ja, wir werden auf Preistreiberei reagieren", sagte er beim Unternehmertag des Handelsverbands BGA.
Ich bin der Meinung, dass wir handeln müssen.
Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler
Er könne noch keine Details nennen, betonte er. Es habe dazu am Dienstagmorgen Beratungen von Bund und Ländern gegeben.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte zuvor einen Spritpreisdeckel abgelehnt und sich stattdessen für Direktzahlungen an bestimmte Bevölkerungsgruppen ausgesprochen. "Dies wäre eine Möglichkeit, schnell zu entlasten, aber dies gezielt zu tun, nämlich bei jenen Einkommensgruppen, die wenig und gar keine Steuer haben", sagte sie am Montag im Interview mit RTL/ntv. Die Ministerin zeigte sich zugleich offen für eine Senkung von Energiesteuern.
Aufgrund der rasant steigenden Benzinpreise fordert Brandenburgs Ministerpräsident Woidke nun einen Spritpreisdeckel. Trotz der Zwölf-Uhr-Regel steigen die Preise weiter an.
12.09.2026 | 0:29 minUnter anderem genau den von Reiche abgelehnten Spritpreisdeckel hatte SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf gefordert und Reiche Untätigkeit vorgeworfen. Dem Nachrichtenportal t-online sagte er: "Es reicht endgültig. Millionen Menschen in unserem Land kämpfen noch immer mit vollkommen überhöhten Spritpreisen und die zuständige Ministerin Katherina Reiche schaut zu, wie Mineralölkonzerne Rekordgewinne auf Kosten der Bürgerinnen und Bürger machen."
Wir brauchen schnell Maßnahmen gegen die Abzocker-Spritpreise.
Tim Klüssendorf, SPD-Generalsekretär
Neben dem Spritpreisdeckel fordert die SPD eine Übergewinnsteuer auf Krisengewinne der Ölkonzerne. Außerdem müsse sichtbar werden, wie die Spritpreise zustande kommen, also Preistransparenz hergestellt werden.
Das Kiel Institut für Weltwirtschaft warnt vor einer allgemeinen staatlichen Entlastung, um die hohen Spritpreise abzufedern. Die SPD bringt eine "Übergewinnsteuer" für Ölkonzerne ins Spiel.
15.09.2026 | 0:29 minWas schlagen Verbände vor?
Der Sozialverband Deutschland (SoVD) stellte sich hinter die Forderung der SPD nach einem Spritpreisdeckel. Er könne "in der aktuellen Situation ein sinnvoller erster Schritt sein, um Menschen schnell vor weiteren Preissprüngen bei den Mobilitätskosten zu schützen", sagte die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
Und wie schätzen Wirtschaftsforscher die politischen Forderungen ein?
Experten bremsen die Vorschläge zu allgemeinen staatlichen Entlastungen. Das Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) warnt sogar davor. Man sollte mit staatlichen Eingriffen "wirklich sehr zurückhaltend sein", sagte der IfW-Konjunkturexperte Klaus-Jürgen Gern im Deutschlandfunk.
Man müsse im Auge behalten, welche Personengruppen wirklich hart getroffen sind und in Probleme geraten können mit Energiepreis- und Heizkostenrechnungen. Dabei könne man sich Gedanken machen, "wie man Härten abfedern kann. Aber so einen allgemeinen Schluck aus der Pulle des Steuerzahlers sollte man nicht wie im Frühjahr wieder nehmen."
Die Preise für Benzin und Diesel sind auf Rekordniveau. Tanken sorgt derzeit vielerorts für Frust. (Archivbild)
Quelle: dpaWann kommen wir wieder zu normalen Spritpreisen zurück?
Der Verband Fuels und Energie (En2x) rechnet erst im nächsten Jahr mit einer Normalisierung. "Entscheidend ist jetzt die weitere Entwicklung vor allem im Nahen Osten", sagte Verbandssprecher Alexander von Gersdorff der "Rheinischen Post".
"Käme es zu einem Friedensschluss, würden sich auch die Kraftstoffpreise allmählich beruhigen." Aber auch dann dauere es bis zu einer völligen Marktnormalisierung "weit bis ins Jahr 2027", sagte von Gersdorff. Dies liege daran, dass "viel Raffineriekapazität verloren gegangen" sei.
Benzin und Diesel sind in Deutschland teurer als in anderen EU-Ländern. Warum?
31.08.2026 | 5:49 minWas passiert eigentlich mit der Inflation bei so hohen Preisen?
Sollten die Energiepreise weiter steigen, wirkt sich das unmittelbar auf die Teuerungsrate aus: Bei einem Anstieg der Öl- und Gaspreise um jeweils 10 Prozent könnte die Gesamtinflation in Deutschland um bis zu 0,22 Prozentpunkte zunehmen, heißt es in einer Studie der Denkfabrik New Economics Foundation (NEF).
Zudem modellierten die Forscher einen Anstieg der Öl- und Gaspreise um 50 Prozent. Ihren Berechnungen zufolge könnte ein solcher Anstieg die ohnehin vorhandene Inflation in Europa im folgenden Jahr um bis zu 1,8 Prozentpunkte erhöhen. Laut der Analyse stellt ein Anstieg der Preise für fossile Brennstoffe in fast allen Ländern Europas das größte Inflationsrisiko dar.
Quelle: ZDF, dpa, AFP, epd
Über dieses Thema berichtete das ZDF im Morgenmagazin am 15.09.2026 um 05:30 Uhr sowie ZDFheute Xpress am 15.09.2026 ab 14:43 Uhr.
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