Kommt der Godzilla-El-Niño? 14 Klimamodelle sagen klar Ja

- 14 Klimamodelle lassen einen Godzilla-El-Niño immer wahrscheinlicher werden.
- Sie prognostizieren auf dem Höhepunkt Wassertemperaturen von rund 4,1 Grad über dem Normalwert.
- Der starke El Niño könnte die globalen Temperaturen 2027 zusätzlich in die Höhe treiben.
Im Pazifik bahnt sich laut Fachleuten ein möglicherweise historisch starker «Godzilla-El-Niño» an. Andere sprechen zurückhaltender von einem Super-El-Niño (siehe Box). Sicher ist: Stark wird er auf jeden Fall. Darauf deuten die stark ansteigenden Temperaturen im Pazifik hin. Der US-Klimaforscher Zeke Hausfather rechnet mit einem «rekordverdächtigen (oder sogar rekordbrechenden) Ereignis», wie er auf der Plattform X schreibt.
Wassertemperaturen machen den Unterschied
El-Niño-Ereignisse können unterschiedlich stark ausfallen – je nachdem, wie stark sich das Wasser im Pazifik erwärmt. Die Wassertemperaturen werden laufend überwacht: Liegen sie während mindestens drei Monaten im Durchschnitt mehr als 0,5 Grad über dem Mittel der vergangenen 30 Jahre, spricht die US-Klimabehörde NOAA offiziell von einem El Niño. Steigt die Temperatur um mehr als zwei Grad, gilt das Ereignis als stark. Das kam bislang nur selten vor, etwa 2015/2016 und zuletzt 2023/2024. Damals trug das Wetterphänomen dazu bei, dass 2024 weltweit das erste Jahr seit Messbeginn 1950 war, in dem die globale Durchschnittstemperatur mehr als 1,6 Grad über dem vorindustriellen Mittel lag.
September-Vorhersagen verheissen Gewaltiges
Hausfather hat 14 Klimamodelle ausgewertet, die ausgehend von den Septemberdaten berechnen, wie sich die Temperaturen in den kommenden Wochen und Monaten entwickeln könnten. Und sie alle deuten mehr oder weniger in dieselbe Richtung. «Die meisten Modelle haben ihre Prognosen [gegenüber August] nach oben korrigiert, einige wenige nach unten und bei einigen blieb die Prognose unverändert», so Hausfather.
Die neuen Vorhersagen verheissen Gewaltiges. Schon angesichts der Augustdaten hatte Hausfather gegenüber «Süddeutsche Zeitung» von einem El-Niño-Ereignis gesprochen, das «definitiv beispiellos» sein wird: «Historisch gesehen lag der stärkste El Niño, den wir je erlebt haben, bei 2,75 bis 2,8 Grad Celsius über dem Normalwert in jener speziellen Region des tropischen Pazifiks – wobei dieser Normalwert den langfristigen, vom Menschen verursachten Erwärmungseffekt bereits herausrechnet.»
Nun prognostizieren die September-Modelle den Höhepunkt für den aktuellen El Niño im November/Dezember bei rund 4,1 Grad (siehe Bildstrecke ganz oben). In der auf X veröffentlichten Grafik überschreitet das die Kategorie «very strong» (sehr stark) deutlich.
«Mit fast hundertprozentiger Sicherheit der stärkste je gemessene El Niño»
Ob die 4-Grad-Marke tatsächlich geknackt wird, muss sich jedoch erst noch zeigen. Schliesslich handelt es sich bei den Modellberechnungen um Prognosen und noch keine Messungen. Die Modellberechnungen decken sich mit dem, womit El-Niño-Expertin Daniela Matei vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg rechnet: «Mit fast hundertprozentiger Sicherheit haben wir es mit dem stärksten je gemessenen El Niño zu tun», erklärte sie bereits Mitte August.
El Niño könnte 2027 heisser als 2026 werden lassen
Auch für die ersten Monate des kommenden Jahres bleibt die Prognose extrem. Für Februar 2027 liegt die Wahrscheinlichkeit für einen sehr starken El Niño nach Hausfathers Auswertung bei 97 Prozent. Und auch danach dürften die Auswirkungen des Rekord-El-Niños spürbar sein. Laut Hausfather steht uns «auf dem Rücken des El-Niño-Ereignisses ein grosser Sprung der globalen Temperaturen bevor». Es ist bekannt, dass El Niños das globale Wetter für mehrere Monate beeinflussen können.
El Niños werden zwar nicht durch den Klimawandel verursacht (siehe Box), können dessen Folgen aber zusätzlich verschärfen. «In den Monaten nach dem Höhepunkt eines starken Ereignisses wie 1997 bis 1998 erhöht das die Temperaturen auf der Welt typischerweise um bis zu 0,4 Grad Celsius», erklärte Hausfather gegenüber der «SZ». 2027 werde deshalb «mit ziemlicher Sicherheit ein neues Rekordjahr» für die globale Erwärmung, da dieses natürliche Klimaphänomen auf den langfristigen, vom Menschen verursachten Erwärmungstrend trifft. «Wir rechnen mit etwa 1,7 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau.»
So entstehen El Niños
Normalerweise wehen im Pazifik starke Passatwinde, die warmes Wasser nach Westen schieben: Bei El Niño schwächen sich diese Winde ab und es staut sich ungewöhnlich warmes Wasser vor der Küste Südamerikas. Es kommt zu einer mehrere Monate dauernden Strömungsumkehr. Typische Folgen sind zum Beispiel mehr Regen und Überschwemmungen in Teilen Südamerikas sowie Dürren oder Hitze in Australien, Indonesien und anderen Regionen. Das Klima in diesen Regionen kippt sozusagen von seinem normalen Zustand ins extreme klimatische Gegenteil.
Fee Anabelle Riebeling (fee) arbeitet seit 2014 für 20 Minuten. Sie ist stv. Leiterin Wissen/AI, Data und Leiterin des Fachgremiums Faktencheck & Verifikation.
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