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Friday, October 9, 2026

Erschießung als Abschreckung: Hinrichtung im US-Livestream - was steckt dahinter?

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Erschießung als AbschreckungHinrichtung im US-Livestream - was steckt dahinter?

09.10.2026, 15:25 Uhr

Mit der geplanten Live-Übertragung der Hinrichtung eines verurteilten Attentäters beschreitet die US-Regierung einen höchst umstrittenen Weg. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth will mit dem Schritt die schwerwiegenden Konsequenzen solcher Taten verdeutlichen, wie er sagt. Die Entscheidung wird jedoch vor allem mit Blick auf Menschenrechte massiv kritisiert und wirft zahlreiche Fragen auf. Ein Überblick:

Weshalb wird Nidal Hasan hingerichtet?

Der damalige Militärpsychiater hatte 2009 ein Massaker auf dem Militärstützpunkt Fort Hood in Texas verübt. Er tötete 13 Menschen und verletzte 32 weitere. Laut der "New York Times" gab Hasan an, den Angriff im Namen des Dschihads, des sogenannten Heiligen Krieges, verübt zu haben. 2013 wurde er zum Tode verurteilt.

Wie soll die Live-Übertragung ablaufen?

Die Tötung Hasans durch Soldaten mit Gewehren ist für den 3. Dezember geplant. Allerdings wirft der geplante Livestream zahlreiche Fragen auf. Nach den Vorschriften des US-Militärs dürfen Personen unter 18 Hinrichtungen nicht als Zuschauer verfolgen. Unklar ist jedoch, ob diese Altersgrenze auch für den geplanten Livestream gelten soll. Offen ist zudem, ob eine Übertragung gegen Richtlinien von Onlineplattformen verstoßen könnte, sagte Rechtsprofessorin Deborah Denno der BBC. Auf welcher Plattform die Hinrichtung übertragen werden könnte, ist bisher ebenso unklar.

Normalerweise dürfen nur ausgewählte Personen Hinrichtungen verfolgen, darunter Angehörige der Opfer und Medienvertreter. Die geplante Live-Übertragung werfe daher auch "erhebliche moralische Fragen" auf, sagte Rechtsprofessor Geoffrey Corn von der Texas Tech Universität dem US-Sender CBS News. Die Hinrichtung "zu einer Art öffentlichem Spektakel zu machen", erinnere an eine Zeit, die die USA hinter sich gelassen zu haben schienen.

Wie ist die Entscheidung der US-Regierung einzuordnen?

Öffentliche Erschießungen wurden in den USA unter anderem während des Bürgerkriegs im 19. Jahrhundert als Abschreckung eingesetzt. Die letzte allgemein öffentliche Hinrichtung fand 1936 statt. Die geplante Live-Übertragung wäre in der jüngeren Geschichte "beispiellos", sagte der US-Anwalt John Mills der BBC.

Auch Menschenrechtler kritisieren den Plan scharf. Die geplante Übertragung zeuge von einer "erschreckenden Missachtung der Menschenwürde", erklärte Kyinzom Dhongdue von Amnesty International Australien. 2025 fanden nach Amnesty-Angaben mindestens 17 öffentliche Hinrichtungen statt: sechs in Afghanistan und elf im Iran. 

"Die USA würden sich in wirklich schrecklicher Gesellschaft befinden, sollten sie eine solche Hinrichtung durchführen", sagte der Militärrechtsexperte Eugene Fidell von der Yale Universität dem australischen Sender ABC News. Öffentliche Hinrichtungen seien "mittelalterlich", kritisierte auch der Senator der Demokraten Chris Murphy.

Falls das Urteil gegen Hasan vollstreckt wird, wäre es laut dem Death Penalty Information Center die erste Militärhinrichtung in den USA seit 65 Jahren - und die erste Exekution durch ein Erschießungskommando des US-Militärs seit dem Zweiten Weltkrieg. 

Gibt es vergleichbare Fälle? 

Der Fall weckt Erinnerungen an die Hinrichtung von Timothy McVeigh im Juni 2001. Der rechtsextreme Regierungsgegner hatte 1995 in der Innenstadt von Oklahoma City eine Bombe gezündet. 168 Menschen starben, darunter 19 Kinder. Er wurde zum Tode verurteilt.

Ein Unternehmen wollte die Exekution damals gegen Bezahlung live im Internet zeigen, was gerichtlich untersagt wurde. Stattdessen wurde die Hinrichtung per Video an ausgewählte Angehörige und Überlebende des Anschlags übertragen. Minderjährige waren davon ausgeschlossen.

Könnte die Hinrichtung noch gestoppt werden?

US-Präsident Donald Trump könnte anweisen, dass die Hinrichtung doch nicht live übertragen wird. Das Death Penalty Information Center weist darauf hin, dass Hasan auch noch die Möglichkeit hat, sein Todesurteil vor Bundesgerichten anzufechten, die keine Militärgerichte seien. Ein solcher Schritt könnte seine Hinrichtung demnach für unbestimmte Zeit aufhalten.

Wie steht es um die Todesstrafe in den USA?

Trump hatte Hasans Hinrichtung erst kürzlich genehmigt - wenige Tage nachdem im US-Bundesstaat Tennessee ein Hinrichtungsversuch gescheitert war. Der wegen Mordes verurteilten Christa Pike wurden nach Angaben der Behörden zwei Dosen des Mittels Pentobarbital verabreicht, doch sie lebte weiter. 

Der Fall hat die Debatte um die Todesstrafe in den USA neu entfacht. Dort ist diese weiterhin in 27 der 50 Bundesstaaten sowie auf Bundesebene und im Militärrecht erlaubt. Trump setzt sich für eine verstärkte Anwendung ein.

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