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Tuesday, October 20, 2026

Kanzler Merz hofft auf Nvidia als Wachstumsbeschleuniger

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Das politische Berlin rollt dem derzeit wertvollsten Konzern der Welt den roten Teppich aus. Doch nicht nur Nvidia, sondern auch andere großen Unternehmen waren zum „Invest in Germany“-Gipfel geladen, der am Montag und Dienstag in Berlin stattfindet. Und der fast fließend in Nvidias Hausmesse „GPU Global Technology Conference“ (GTC) übergeht.

Auch wenn Jensen Huang und sein Börsenstar im Mittelpunkt stehen: es geht darum, viel mehr Kapitalgeber und Unternehmen für den Wirtschaftsstandort Deutschland zu begeistern. Huang ist dabei ein gern gesehener Gast in der Bundeshauptstadt. Denn er steht mit seiner Firma für vieles, was die Bundesregierung möchte: Investitionsbereitschaft und technologisches Know-How, auf das die deutsche Wirtschaft angewiesen ist.

Und noch etwas bringt der US-amerikanische Weltmarktführer für KI-Beschleuniger mit: relative Sicherheit, dass er politisch nicht auf der falschen Seite stehen wird. „Deutschland ist bereit, mit höherer Geschwindigkeit zu wachsen“, sagt der Bundeskanzler. Es gehe darum, das nächste Kapitel der deutschen Wirtschaftsgeschichte zu schreiben, so Friedrich Merz.

Und um systematische und strategische Investitionen, in Verteidigung, in Infrastruktur und darum, die EU und ihre strategischen Partner in der Welt zu stärken, so Merz. „Wir sind offen für Geschäfte und Partnerschaften.“ Und das als stabiler und verlässlicher Partner, der an seinen Werten festhalte.

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Der Gast Jensen Huang wiederum schmeichelt seinerseits dem Kanzler. Die Kooperation mit dem bei vielen Heimanwendern durch Modems und Grafikkarten bekannten Aachener Unternehmen ELSA ab dem Jahr 2000 hätte Nvidia von einer Verbrauchermarke zu einem industrieorientierten Unternehmen werden lassen. Bei ELSA erschienen die ersten Grafikkarten für Workstations mit Nvidia-Chips.

Was Huang dabei gewissenhaft ausließ: ELSA hatte sich komplett übernommen – was wohl eher an deutschen Banken als am damaligen GeForce- und Quadro-Chipdesigner Nvidia lag, ging 2002 pleite, wesentliche Teile gingen damals in taiwanischen Firmen auf. Nvidia war damals eine noch keine 10 Jahre alte Firma – und ELSA war bereits mit den deutschen Automobilherstellern im Geschäft, eine Beziehung, die Nvidia auch lange nach dem Ende von Elsa weiterführte.

Der Chef bei Nvidia war schon damals der in Tainan (Taiwan) geborene Jensen Huang. Und der ist für freundliche Worte nach Berlin gekommen: Deutschland könnte ein noch viel besseres Geschäft als ohnehin schon sein. Und zwar dann, wenn die Industrieunternehmen denn ihre Daten auch nutzbar machen würden. Da wirkt es fast schon symbolisch, wenn die Bundesregierung mitteilt, dass das Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt eine gemeinsame Absichtserklärung mit Nvidia unterzeichnet habe.

Das klare Ziel: Industriedaten sollen nun besser nutzbar werden, insbesondere mit den Modellen Nemotron und Cosmos. „Bitte, öffnen Sie ihre Türen für KI, um ihre Daten zu nutzen“, fleht Merz die anwesenden Unternehmensvertreter aus Deutschland fast schon an. Die großen und kaum erfüllten Hoffnungen auf Datenmärkte über Firmengrenzen hinweg, digitale Zwillinge bei Gaia-X, Catena-X und in der Industrie 4.0, all das wird in Berlin zugunsten eines guten Investitionsklimas kaum oder gleich gar nicht erwähnt.

Bei der Forderung nach offenen Türen für KI widerspricht der Gast dem Kanzler natürlich nicht. „Die nächste KI-Welle ist physische KI, das wird niemals von digitaler Technologie ersetzt“, streichelt Huang an diesem Abend vielen deutschen Unternehmen und der Politik die Seele. „Die Daten Deutschlands sind Teil der Ressourcen des Landes“, weshalb sie in lokalen Modellen genutzt werden sollten, sagt der Nvidia-Chef.

Und Artificial General Intelligence (AGI)? Die werde niemals hochspezialisiertes Expertenwissen in Anwendungsdomänen verdrängen, verspricht der Nvidia-Chef, der an jedem Rechenzentrum mit KI-Beschleunigern aus seinem Hause verdient. Friedrich Merz nickt. „Die Amerikaner haben einen großen Fehler gemacht“, doziert Merz, „indem sie die Produktion ausgelagert haben.“

Der Gast, der nach dem Elektrotechnikstudium in den USA blieb und dort gründete, geht darauf lieber nicht ein. Er betont die Investitionsmöglichkeiten, die Nvidia in Deutschland längst nutze. „In gewisser Weise sind wir einer der größten Wagniskapitalgeber Deutschlands“, erzählt Jensen Huang und sagt augenzwinkernd, dass die anderen Investoren sich besser beeilen sollten mit ihren Investments – sonst würde er die Deals machen, denn er glaube an Deutschland.

Doch dann fragt Kanzler Merz den Nvidia-Chef Jensen Huang auf der Bühne plötzlich nach dessen Meinung: Wie solle KI eigentlich reguliert werden? Ohne Sicherheit seien Fähigkeiten unnütz, sagt Huang, der als Unternehmer klare Vorstellungen hat. Regulierung ohne Technologie sei unmöglich, auch funktionale Sicherheit müsse erst erfunden werden: „Wir müssen sicherstellen, dass Unternehmen sich an die bestverfügbaren Sicherheitsstandards halten.“ Nicht die Technologie als solche, sondern die Anwendungen müssten Gegenstand von Regulierung sein.

Das hört der Kanzler ausgesprochen gern, der meint, man müsse KI mindestens europäisch, am besten global regulieren. Und daraufhin noch zum Besten gibt, dass er erfolgreich die Ausnahme von Maschinen aus der KI-Verordnung erreicht habe – allerdings war Merz bei den Verhandlungen zur EU-Maschinenverordnung und der europäischen KI-Verordnung 2023 nur Oppositionsführer im Bundestag. Die Daten haben ihm hier offenbar einen kleinen Streich gespielt.

„Geben Sie Deutschland eine Chance“, unterbricht Jensen den Kanzler galant, der sich im Rahmen der laut Medienberichten fünf Millionen Euro teuren Werbeveranstaltung für Deutschland offensichtlich wohlfühlt. Die neuen Investitionsmöglichkeiten etwa durch Pensions- und Rentenkassen und Risikokapital würde er gerne sehen, sagt Huang. Das glaubt man ihm leicht – denn auch in Japan, Südkorea, Frankreich und anderen Orten wird um Investitionen durch Jensen Huangs US-Firma und andere Kapitalgeber derzeit gebuhlt. Die Zahl der stabilen Demokratien mit sicher scheinendem Investitionsumfeld jedenfalls ist in den vergangenen Jahren nicht gewachsen.

Ob all das bei der Nvidia-Hausmesse GTC aber überhaupt noch eine Rolle spielen wird? Jensen Huang jedenfalls bleibt noch ein bisschen in Berlin. Und Friedrich Merz darf weiter auf den Beschleuniger für das Wirtschaftswachstum hoffen.

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