30 Jahre KDE: Plasma 6.8 setzt komplett auf Wayland
Heute vor genau dreißig Jahren startete offiziell das KDE-Projekt. Pünktlich zum runden Geburtstag erscheint mit KDE Plasma 6.8 eine neue Version der Desktop-Umgebung für Linux und Unix. Die lief all die Jahre unter einem X-Server, zuletzt allerdings nur noch optional. Doch auch damit ist jetzt Schluss: KDE Plasma 6.8 meldet seine Nutzer ausschließlich in einer Wayland-Sitzung an. Der Window Manager kwin_x11 wird nicht weiterentwickelt und lediglich Plasma 6.7 sowie die LTS-Version (Long Term Support) Plasma 6.6 für den jeweiligen Supportzeitraum mit Fehlerkorrekturen versorgen. Anwendungen für das X-Window-System laufen dort weiterhin dank der Kompatibilitätsschicht XWayland. Der Wegfall der X11-Komponenten verschlankt den Quellcode und spart den KDE-Entwicklern Arbeitszeit, die sie in die flottere Weiterentwicklung des restlichen Systems stecken können.
Einheitliches Design und Backup-Tool
Eine neue Design-Engine namens Union soll zukünftig allen KDE-Anwendungen einen einheitlichen Anstrich verpassen. Union liegt zwar weiterhin nur in einer Tech Preview vor, neben QtQuick-Anwendungen erfasst das Design-System in KDE Plasma 6.8 jetzt aber auch QtWidgets-basierte Programme. Dazu zählen unter anderem der Dateimanager Dolphin und der Texteditor Kate. Die KDE-Entwickler rufen explizit dazu auf, Union zu testen und Darstellungsprobleme zu melden. Das Umschalten gelingt in den Systemeinstellungen unter „Farben & Design“ im Abschnitt „Anwendungs-Stil“.
Das Backup-Tool Kup ist jetzt Teil des Plasma-Desktops.
(Bild: heise medien)
Der „Sicherungs-Planer“ Kup gehört ab sofort zu KDE Plasma und somit zur eigentlichen Desktop-Umgebung. Kup klinkt sich in die Systemeinstellungen ein, wo sich Backups planen lassen. Die eigentliche Sicherung delegiert Kup im Hintergrund je nach Sicherungsart an „bup“ (inkrementelle Archive) oder „rsync“ (synchronisierte Ordner). Vorzugsweise landen die Backups auf einer externen USB-Festplatte, auf die Kup direkt nach dem Einstöpseln automatisch die bis dahin geänderten Daten kopiert. Ob Kup tatsächlich verfügbar ist, entscheiden letztendlich die Distributionen. Das KDE-Team wirbt jedoch für eine standardmäßige Installation.
Bunt und flüssig
In KDE Plasma 6.8 synchronisieren Remote-Desktops endlich den Textinhalt der Zwischenablage. Auf Wunsch passt der eingebaute RDP-Server die Bildqualität an die verfügbare Bandbreite des Netzwerks an, was die Remote-Arbeit flüssiger machen soll. Bei Strongswan-VPNs funktioniert zudem eine Authentifizierung via EAP-TTLS.
Weitere Arbeit steckte das KDE-Team in das Grafiksystem. Insbesondere ist das Triple Buffering auf Nvidia-Grafikkarten jetzt standardmäßig aktiv, da Fehler, die die Funktion behinderten, gefixt wurden. In den Bildschirmeinstellungen kann man die Monitore mit den Pfeiltasten pixelgenau umpositionieren und so vor allem die Übergänge zwischen den Bildschirmen optimieren. KDE Plasma 6.8 unterstützt bei HDR-Videos erstmals das Verfahren Hybrid Log-Gamma (HLG). Das neue Kommandozeilenwerkzeug „kscreenctl“ manipuliert die Bildschirmausgaben und soll irgendwann den weniger funktionsreichen und umständlicher zu bedienenden „kscreen-doctor“ ersetzen.
Detailverbesserungen
Das Screenshot-Werkzeug Spectacle nimmt bei Screencasts auf Wunsch System- und Mikrofonton mit auf, wodurch eine aufwendige Nachvertonung entfällt. Des Weiteren bietet das Werkzeug eine höhere Videoqualität und kann beliebig große virtuelle Bildschirme abfilmen.
Neben den genannten Neuerungen erleichtern viele weitere kleine Optimierungen das Desktop-Leben. Schob bislang eine KDE-Anwendung ein Passwort in die Zwischenablage, erschien es aus Sicherheitsgründen nicht in deren Verlauf. In KDE Plasma 6.8 weist der Verlauf auf das Fehlen hin und erlaubt das Löschen des Passworts. Die Vorschausymbole in der Emoji-Auswahl lassen sich schließlich noch bei gedrückter Strg-Taste mit dem Mausrad vergrößern und verkleinern.
Wer die neue Version des Plasma-Desktops ausprobieren will, muss sich aber noch in Geduld üben. Derzeit ist KDE Plasma 6.8 bei Arch und Fedora in der Vorbereitung. Auch in KDE Neon, der auf Ubuntu basierenden hauseigenen KDE-Distribution, waren bei unserem letzten Test noch nicht alle Pakete auf Plasma 6.8 aktualisiert. Bei KDE Linux, einer noch in Entwicklung befindlichen Immutable-Distribution, gab es hingegen teilweise schon den Sprung auf Vorversionen von Plasma 6.9.
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