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Monday, October 5, 2026

«Nur eine Frage an Putin»: Jetzt äussert sich Köppel zur Kritik

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  • Köppel steht nach seinem Auftritt im russischen Staatsfernsehen unter Beschuss – Kritiker sehen darin eine Verharmlosung von Putins Krieg.
  • Der «Weltwoche»-Verleger trat beim Valdai Discussion Club auf und fragte Putin nach dem Fall Nestlé und der Schweizer Neutralität.
  • Gegenüber 20 Minuten sagt Köppel, Putins Einfall in die Ukraine sei «unverzeihlich», habe aber eine «längere Vorgeschichte».

Für seinen Auftritt bei einer im russischen Fernsehen übertragenen Fragerunde mit Kreml-Chef Wladimir Putin erntete «Weltwoche»-Chef Roger Köppel (61) scharfe Kritik. Nun äussert sich der Verleger gegenüber 20 Minuten.

Wie verlief der Auftritt?

In der Sendung Valdai Discussion Club meldete sich der frühere SVP-Politiker zu Wort. Er wollte von Putin wissen, wie er auf die Schweiz blicke und warum er Nestlé bestrafe. Zudem fragte er nach Rat für kleine Länder wie die Schweiz und bedankte sich bei Russland für dessen Beitrag an der Schweizer Neutralität durch die Teilnahme am Wiener Kongress 1815.

Köppel und Putin sprachen in Moskau über die Schweiz, die Neutralität und die Behandlung von Nestlé in Russland.Youtube

Putin erwiderte, dass Russland mit der Zwangsverwaltung der russischen Nestlé-Tochterunternehmen schlicht auf nicht weiter ausgeführte «Massnahmen gegen Russland» reagiert habe. Rat wolle er der Schweiz keinen geben, dafür eine Aufforderung. Sie solle für ihre Souveränität und Unabhängigkeit kämpfen. Zudem kritisierte er im Kontext der Neutralität die Schweizer Sanktionen gegen Russland.

Auch der frühere deutsche Politiker Egon Bahr spielte in der Fernsehsendung eine grosse Rolle. Putin lobte Bahrs Ansatz im Umgang Deutschlands mit der Sowjetunion. Köppel berichtete auf Aufforderung von Putin von Treffen mit Bahr und sagte: «Wir sollten es wagen, mehr Egon Bahr zu praktizieren.» Zudem unterstütze er Putins Versuche, «Bahr nach Deutschland zurückzubringen».

Wer ist Egon Bahr?

Bahr prägte gemeinsam mit Bundeskanzler Willy Brandt die Ostpolitik der BRD im Kalten Krieg. Sein Ansatz «Wandel durch Annäherung» setzte auf Gespräche mit der Sowjetunion und die vorläufige Anerkennung des Status quo in der Hoffnung, daraus Vorteile für Deutschland zu ziehen.

Diese Politik wird für die sogenannten Ostverträge verantwortlich gemacht, in denen die BRD mit der UdSSR und Mitgliedstaaten unter anderem Grenzen beschloss und einen «Gewaltverzicht» vereinbarte. Die Sowjetunion nutzte die Verhandlungen aber unter anderem auch für wirtschaftliche Interessen, wie die Erschliessung von Ölfeldern.

Befürworter sehen sie als wichtigen Schritt zur deutschen Wiedervereinigung. Kritiker warfen Brandt und Bahr dagegen vor, sich der Sowjetunion «anzubiedern» und mit der Anerkennung des Status quo auch das DDR-Regime und dessen Verbrechen zu legitimieren.

Was wurde kritisiert?

Kritiker werfen Köppel mangelnde journalistische Distanz zu Putin vor. Statt kritischer Fragen habe es Komplimente gegeben, die Unterdrückung von russischen Medienschaffenden und Oppositionspolitikerinnen und -politikern etwa sei nicht angesprochen worden. Der Verleger wird seit Jahren als «Putin-Versteher» kritisiert. Zudem werde dieses «Verständnis» nicht auch in gleichem Masse auf die ukrainische Sicht angewendet. Dadurch verharmlose er Putins Politik und Russlands Krieg gegen die Ukraine, argumentieren seine Kritiker.

Wie reagiert Köppel auf die Kritik?

Der Verleger betont gegenüber 20 Minuten, dass er vor allem positive Rückmeldungen auf seinen Auftritt erhalten habe. «Kritisieren darf man mich jederzeit und wegen allem», sagt der 61-Jährige. Er erwarte aber, dass man nicht verfälsche oder verschweige, was er gesagt habe. Konkrete Beispiele nennt er keine.

Putin gefiel Köppels Auftritt. Er forderte die Schweiz auf, für «echte Neutralität» zu kämpfen.

Putin gefiel Köppels Auftritt. Er forderte die Schweiz auf, für «echte Neutralität» zu kämpfen.AFP

Dem Vorwurf, die ukrainische Sichtweise zu wenig zu berücksichtigen, widerspricht Köppel. Er höre sich die ukrainische Seite regelmässig an, reiste nach Kriegsausbruch durch das Land, diskutiere mit ukrainischen Aktivisten in der Schweiz und gebe dem ukrainischen Standpunkt in der «Weltwoche» regelmässig Raum. Er empfinde jedoch ein Übergewicht der ukrainischen Sicht in Schweizer Medien.

Auf die Frage, wie er als Journalist und ehemaliger Politiker die von Kritikern beklagte Unterdrückung von Politik und Medien in Russland beurteile, sagt Köppel, er habe sich in der Fragerunde auf eine Frage beschränken müssen. «Und die betraf die russischen Verstaatlichungsmassnahmen gegen die ausgezeichnete Schweizer Firma Néstlé und Putins Blick auf Kleinstaaten und die Schweiz.» Zudem verweist Köppel auf Einschränkungen der Opposition und Medien in der Ukraine.

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«Selbstverständlich ist und bleibt Putins bewaffneter Einfall in die kleinere, schwächere Ukraine unverzeihlich», sagt der Verleger über seine als Reaktion auf die Kritik getätigte Aussage «Verstehen ist nicht Verzeihen». «Aber [der Angriff] hat eine längere Vorgeschichte, die ich nicht ausblende», ergänzt Köppel. Der Kreml argumentiert ebenfalls, dass Schritte des Westens, der Nato oder der Ukraine die Ursachen für den Krieg seien. Völkerrechtler kritisieren diese Argumentation laut «SonntagsZeitung» als Täter-Opfer-Umkehr.

Was sagt Köppel zu Bahr?

Auf die Frage, wie sich Bahrs «Wandel durch Annäherung» auf das heutige Russland übertragen lasse, sagt Köppel: «Wandel durch Annäherung bedeutet praktisch, dass es Frieden in Europa niemals gegen, sondern nur mit Russland geben kann.»

Gefragt, was Europa dafür heute als Status quo akzeptieren müsse, erwidert Köppel, der Staat sei für ihn keine Instanz der Moral, sondern eine der Rechtsverwirklichung. «Er muss das Recht setzen, anwenden und erzwingen.» Dem Völkerrecht fehle eine Instanz, die entscheidet, was rechtens ist. Den Internationalen Gerichtshof und den internationalen Strafgerichtshof und deren Urteile und offenen Fälle im Kontext des Russland-Kriegs erwähnt Köppel dabei nicht.

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