"Wat nix kost, dat is auch nix": Als die Schalker mit einem irren Trick ihren Wunsch-Starspieler holten

Als die Schalker mit einem irren Trick ihren Wunsch-Starspieler holten
03.10.2026 | 06:45 Uhr
Im Sommer 1974 waren die Kassen beim FC Schalke 04 mal wieder nicht ausreichend gefüllt. Doch Präsident Siebert wollte unbedingt einen Transfer durchziehen. Dann kam ihm eine pfiffige Idee, über die bis heute gesprochen wird.
"Wenn ich heute auf Schalke bin, gibt es immer noch Leute, die zu mir kommen und sagen: Ey, Hannes, ich krieg noch zwei Mark von dir!" Es war im Sommer des Jahres 1974, als der damalige Präsident des FC Schalke 04, Günter Siebert, unbedingt den blonden Mittelfeldstar Hannes Bongartz von der SG Wattenscheid 09 verpflichten wollte. Doch es gab ein Problem. Ein ziemlich großes sogar. Denn der Präsident des Zweitligisten aus Wattenscheid, der allmächtige Mäzen Klaus Steilmann, wollte von den Schalkern eine Ablösesumme, die für damalige Verhältnisse gewaltig war und die finanziellen Verhältnisse der eh immer knappen Knappen deutlich überforderte. Unglaubliche 770.000 Mark sollte Bongartz kosten. Und Steilmann wollte keinen Pfennig von dieser Forderung heruntergehen.
Doch Günter "Oskar" Siebert hatte noch ein Problem: Sein eigener Wirtschaftsrat hatte ihm maximal eine Summe von 400.000 Mark für diesen Transfer genehmigt. Und wie sich Siebert auch wendete und drehte, da war nichts dran zu rütteln. Doch der für seine kreativen Lösungen bekannte Schalker Präsident hatte einen Plan. Einen ziemlich ungewöhnlichen und eigenwilligen Plan, aber einen, der durchaus eine Chance auf Erfolg hatte - auch wenn er das Risiko einging, damit seine königsblauen Anhänger zu verprellen. Seine Idee: Er wollte bei den ersten acht Heimspielen der neuen Saison 1974/75 einen Zuschlag nehmen. Auf jeden Stehplatz entfiel eine zusätzliche Mark und die Sitzplatzbesucher sollten zwei Mark auf den Eintrittspreis draufzahlen.
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Die blonde Schalke-Revolution
Und tatsächlich: Der Plan ging auf. Mit der sogenannten "Bongartz-Mark" nahm der Verein am Ende sogar statt der anvisierten 370.000 Mark die Summe von 590.000 Mark ein. Das Geld für den jungen Nachwuchsstar konnte also an die SG Wattenscheid 09 vollständig überwiesen werden. Sehr zur Freude seiner neuen Mitspieler. "Passt gut", meinte Rolf Rüssmann damals, "er ist auch blond. Genau wie Nigbur, Fichtel, van den Berg, Sobieray, Scheer, Lütkebohmert, die beiden Kremers und ich." Ab Ende August schlugen die kühlen Blonden aus dem grauen Westen in der Bundesliga schließlich gemeinsam zu. Und Bongartz? Der konnte damals bei dem Wechsel eigentlich auch gar nichts falsch machen, denn sein alter Präsident Klaus Steilmann hatte gönnerhaft zu ihm gesagt: "Junge, auf Schalke kannst du richtig Geld verdienen, geh da hin! Aber weißt du was: Wenn es dir da nicht mehr gefällt, geben wir denen ihr Geld wieder und du kommst zu uns zurück!"
Das Verhältnis von Bongartz und Steilmann sollte später noch weit über diesen speziellen Transfer hinaus andauern und von gegenseitigem, hohem Respekt geprägt sein. Als Bongartz Trainer in der Lohrheide wurde und tatsächlich das kleine Fußballwunder vollbrachte und mit den Wattenscheidern in die erste Liga aufstieg, meinte Klaus Steilmann einmal in einer brenzligen Phase: "Lieber steige ich ab, als Hannes Bongartz in die Wüste zu schicken." Ums Geld musste sich - anders als viele Jahre zuvor auf Schalke - in Wattenscheid ohnehin nie jemand Sorgen machen, denn Steilmann, der zu dieser Zeit größte Kleiderfabrikant Europas, war für seine Angestellten (und damit gefühlt auch für alle Sportler, die in "seinem" Verein agierten) immer mehr. Trainer Bongartz drückte diese besondere Form der Fürsorge damals so aus: "Wer ein Problem hat, kann ihn Tag und Nacht erreichen."
Zum Autor
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Die Evolution der "Bongartz-Mark"
"Auch graue Mäuse machen die Bundesliga bunt", hat Hannes Bongartz in diesen vier Jahren von 1990 bis 1994 gemeint und auf einen Kader geschaut, der trotz des vielen Geldes seines Präsidenten nie mit besonders teuren Kickern ausgestattet war. Spielereinkäufe beäugte Bongartz deshalb selbst auch stets kritisch mit dem ihm eigenen Motto: "Wat nix kost, dat is auch nix." Stattdessen versuchten die Wattenscheider mit enormem Fleiß und viel Disziplin das Optimale aus der stets kritischen Lage zu machen. Doch der gebürtige Bonner ließ durchblicken, dass es auch anders ginge: "Um das mal klar zu sagen: Wenn der Steilmann will, kaufen wir bei Bayern die Spieler."
Dass die Geschichte von der legendären "Bongartz-Mark" bis heute auf Schalke ein Thema ist und Bongartz auf der Straße auf diese angesprochen wird, hat auch damit zu tun, dass die Story über die Jahre hinweg immer wieder in neuen Kleidern erschien. Zuletzt hat Günter Siebert höchstpersönlich im Jahr 2011 die Einführung eines "Raúl-Euros" vorgeschlagen. Damit sollte der spanische Star und Publikumsliebling bei den Königsblauen zum Bleiben animiert werden, wie der Ex-Präsident ausführte: "Schalke sollte sich überlegen, eine ähnliche Aktion zu starten, wie wir es damals bei Hannes Bongartz gemacht haben. Raúl ist ein Segen für Schalke und muss unbedingt gehalten werden." Raúl verließ die Schalker schließlich nach zwei Jahren wieder, doch er blieb eine Legende. Genau wie Hannes Bongartz, der heute seinen 75. Geburtstag feiert. Alles Gute und Glück auf, lieber Hannes!
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