Nach der Wahl in Brasilien: Die Verlierer erkennen die Niederlage an

Die Partei von Brasiliens Wahlverlierer Flávio Bolsonaro erkennt Lulas Wahlsieg an. Gegen den unterlegenen Kandidaten selbst wird wieder ermittelt.
Foto: Eraldo Peres/AP/dpa
Brasiliens Wahlverlierer Flávio Bolsonaro macht einen Rückzieher. Hatte er zunächst verkündet, die Wahlniederlage nicht anzuerkennen und die Annullierung der Wahl zu fordern, trat am Montag der Vorsitzende seiner PL-Partei vor die Presse: „Wir erkennen das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen an, wie es vom Wahlgericht verkündet wurde“, sagte Valdemar Costa Neto.
Bolsonaro seinerseits veröffentlichte ein Video auf Instagram, in dem er erklärt, er werde die Opposition organisieren und „dem Chaos widerstehen“, das sich im Land ausbreiten werde. Damit meint er offenbar vor allem, dass die Justizbehörden nunmehr nach Ende des Wahlkampfes die Strafverfolgung seiner Person wieder aufnehmen.
Der Oberste Bundesrichter Alexandre de Moraes vom STF hatte nach Veröffentlichung des Wahlergebnisses entschieden, dass Bolsonaro seine Pässe – darunter ein diplomatischer – abgeben müsse und das Land nicht verlassen dürfe. Hintergrund ist ein neuer Verdacht auf Geldwäsche im Zusammenhang mit Wettplattformen.
Die Bundespolizei ermittelt gegen Bolsonaro, der zusammen mit dem Anwalt Willer Tomaz ein gemeinsames Konto unterhalten und Gelder aus Wettfirmen erhalten haben soll. Zuvor hatte Moraes bereits die Beschlagnahmung des Vermögens von Tomaz bis zum Maximalwert von 6 Millionen Reais verfügt, umgerechnet knapp 1 Million Euro.
Bolsonaro sieht sich als Opfer
In dem Video stellt sich Bolsonaro als Opfer einer „Bundespolizei von Lula“ dar, die ihn „auf offener Straße“ angehalten habe, als er gerade seinen Vater besucht hatte. Er verstehe nicht, warum er seine Pässe abgeben müsse, da er nie vorgehabt habe, das Land zu verlassen.
Flávio hat tatsächlich nie selbst angekündigt, er werde im Fall einer Wahlniederlage Landesflucht begehen. Sein jüngerer Bruder Eduardo, ehemals Abgeordneter, hatte hingegen im März 2025 Brasilien verlassen. Anfang Oktober hatte Alexandre de Moraes gegen ihn einen Haftbefehl ausgestellt und entschieden, dass Eduardo seine Strafe von vier Monaten und zwei Monaten in halboffenem Strafvollzug anzutreten habe. Gleichzeitig annullierte er alle Pässe des ehemaligen Politikers.
Eduardo wurde wegen Nötigung innerhalb des Prozesses gegen seinen Vater verurteilt, weil er zusammen mit der US-amerikanischen Regierung Strafzölle gegen Brasilien artikuliert habe. Er besitzt seit Juli 2025 eine Greencard in den USA, aufgrund derer er auch Visa für Familienangehörige beantragen kann. Vor der Stichwahl hatte Eduardo seinem Bruder in einem Podcast geraten, er solle es ihm gleichtun, falls er verliere. Scherzend hatte er außerdem geäußert, Donald Trump könne doch in diesem Fall die Marineinfanterie nach Brasilien schicken.
Der Senator Flávio Bolsonaro übt ab Januar 2027 zum ersten Mal in 24 Jahren kein politisches Amt aus und verliert dadurch seine Immunität.
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