Experte: "Trump braucht symbolhaften Aufstieg vor Midterms"
Der US-Präsident verfolge seine eigene Linie, analysiert Außenpolitikexperte Fischer. Mit dem Diesel-Deal signalisiere Trump, dass er für wirtschaftliche Interessen über Sanktionen hinweggeht.
10.10.2026 | 19:00 minKurz vor den Zwischenwahlen in den USA macht Präsident Donald Trump Geschäfte mit Moskau - trotz Sanktionen gegen Russland: Vereinbart wurde eine Lieferung von 300.000 Tonnen Diesel. Trump dankte dem russischen Machthaber Wladimir Putin dafür ausdrücklich.
Der US-Präsident schneidet in den Umfragewerten vor den Midterms bislang nicht gut ab. Spätestens seit seinem Krieg gegen Iran stecken die USA in einer Energiekrise, inklusive hoher Spritpreise. Der Diesel-Deal sei für Trump daher ein Zeichen gegenüber der US-amerikanischen Wählerschaft, sagt Klemens Fischer, Experte für Internationale Politik, bei ZDFheute live - mehr jedoch nicht.
Diesel-Lieferung reicht USA wohl nur 14 Stunden lang
"Es geht hier um mehr oder weniger politisches Portfoliomanagement. Trump benötigt einen politischen, symbolhaften Aufstieg vor den Midterms", so Fischer. Die Lieferung der 300.000 Tonnen Diesel entspreche demnach dem Bedarf von gerade einmal 14 Stunden an einem durchschnittlichen Tag in den USA.
... ist Professor für internationale Beziehungen und Geopolitik an der Universität Köln. Er hat jahrzehntelange Erfahrung als Diplomat in der internationalen Politik und war von 1993 bis 2022 für die österreichische EU-Botschaft in Brüssel tätig. Fischer publiziert unter anderem zu europäischem und internationalem Recht, internationalen Beziehungen, Sicherheitspolitik und Lobbying.
Quelle: Austrian Institute for European and Security Policy (AIES)
Zwar habe Putin die Lieferung weiterer 500.000 Tonnen Diesel noch vor den Midterms zugesagt - viel mehr als ein Symbol von Trump an seine US-Wählerschaft dürfte auch das aber nicht sein, erklärt Fischer.
Damit kann er zumindest ganz klar zeigen, ich tue was für unsere Steuerzahler, ich mache was für euch.
Klemens Fischer, Professor für internationale Beziehungen und Geopolitik
Langfristig hilfreich dürfte der umstrittene Deal für Trump jedoch nicht sein. Es handle sich eher um eine kurzfristige Win-Win-Situation: Für Trump wegen des Zeichens an seine Wähler und für Putin ein Zeichen an den Kapitalmarkt, dass auch westliche Länder trotz seines Angriffskriegs gegen die Ukraine in die russische Wirtschaft investierten. "Hier sind im Endeffekt zwei Großmächte, die versuchen sich selber halbwegs zu halten in diesem Spiel", so Fischer.
Schlüsselrolle für Deutschland in Ukraine-Unterstützung?
Doch was bedeutet das für die Ukraine, wenn die USA mit Russland Geschäfte machen? Laut Fischer entstehe somit für die EU und insbesondere Deutschland eine Schlüsselrolle in der Unterstützung der Ukraine. "Kanzler Merz hat bei seinem Besuch in Kiew sehr eindeutig herausgestrichen: Wenn Deutschland wankt, wankt auch die EU mit und das wäre für die Ukraine fatal."
Wie verändert Trumps Politik die Weltordnung? Welche Folgen haben Handels- und Energiekrisen für Deutschland und Europa? Die Debatte im auslandsjournal-Podcast "Der Trump Effekt".
15.09.2026 | 57:36 minSomit würde es darauf ankommen, wie konsistent Deutschland seine Linie weiterfahren kann in der uneingeschränkten Unterstützung der Ukraine. "Dann wird auch der Rest der Europäer dranbleiben, aber wir sehen sehr wohl in einigen europäischen Staaten, dass die Müdigkeit langsam stärker wird, die Ukraine zu unterstützen", sagt Fischer.
Der Bundeskanzler ist in die Ukraine gereist und verspricht weitere Militärhilfe. Während seines Besuchs traf eine russische Drohne eine Brücke.
04.10.2026 | 1:50 minFischer: Deal verändert "Koordinaten" künftiger Verhandlungen
Bislang fahre die Bundesregierung dazu eine klare Linie. "Man wird aber sehen, ob es gelingt, ein Narrativ, eine Erzählung auch zu bringen, die es endlich verständlich macht, warum man diese Linie weiterverfolgen muss, um nicht letztendlich sich selber zu schädigen", analysiert Fischer.
Die Ukraine und die Europäer müssten nun spätestens jetzt erkennen, dass die USA gewillt seien, über bestimmte Grenzen hinwegzuschreiten, um die eigene Wirtschaftslage zu verbessern. "Dieser Deal verändert die Koordinaten der zukünftigen Verhandlungen", so Fischer.
Das Interview führte ZDFheute live-Moderatorin Sara Bildau. Zusammengefasst hat es ZDFheute-Redakteur Jannik Höntsch.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.