Umstrittener Marsch in Nordirland - Gegner blockieren Oranier-Parade
Stand: 27.09.2026 • 20:34 Uhr
Der protestantische Oranier-Orden wollte durch einen katholischen Teil der Stadt Portadown in Nordirland marschieren. Doch Gegner blockieren den Marsch. Es geht um eine Straße, die früher ein Unruhen-Brennpunkt war.
Weder Regen noch die frühen Morgenstunden konnten die Demonstranten davon abhalten, die Garvaghy-Straße zu blockieren. Tausende waren in dem überwiegend katholischen Teil der nordirischen Stadt Portadown zusammengekommen, sogar Nordirlands Regierungschefin Michelle O’Neill.
"Es geht uns darum, auf Frieden und unseren Fortschritt aufzubauen und nicht zuzulassen, dass uns jemand zurückwirft", sagte O’Neill. Ihr Blick sei auf die Zukunft gerichtet. "Aber ich sage Ihnen, was in unserer Gemeinschaft absolut nichts zu suchen hat: ein Marsch, der gegen den Willen dieser Gemeinschaft durchgesetzt wird. Das wird nirgendwo toleriert werden."
Denn kurz zuvor hatten Richter entschieden, dass die umstrittene Parade des protestantischen Oranier-Ordens die besagte Garvaghy-Straße entlangführen darf. Anwohner waren vergebens juristisch dagegen vorgegangen.
Straße war Schauplatz schwerer Auseinandersetzungen
Ende der 1990er-Jahre war die Straße Schauplatz schwerer Auseinandersetzungen zwischen katholischen, pro-irischen Republikanern und protestantischen, pro-britischen Unionisten gewesen. Die sogenannte Drumcree-Parade entwickelte sich damals zu einem der bekanntesten Konflikte der nordirischen Unruhen.
Aus diesem Grund durfte der Oranier-Orden seit 1998 auch nicht mehr auf der traditionellen Route entlangmarschieren. Doch dieses Jahr erteilte die zuständige Parade-Kommission der protestantischen Organisation erstmals wieder eine Genehmigung.
Unionisten werfen Regierungschefin Panikmache vor
Unionisten, wie der DUP-Abgeordnete Jonathan Buckley, warfen der irisch-republikanischen Partei Sinn Féin - und damit auch Sinn-Féin-Regierungschefin Michelle O‘Neill - vor, bewusst Panik zu schüren. "Der Oranier-Orden wird sich an das Gesetz halten. Nun ist es an anderen, in hohen politischen Ämtern, ihre Kompetenz in Sachen Recht und Ordnung unter Beweis zu stellen", sagt Buckley.
Auch DUP-Mitglieder und Abgeordnete waren nach Portadown gereist. Der britische Nordirland-Minister Chris Bryant, zuständig für die Beziehungen zwischen London und Nordirland, appellierte an die Politiker beider Seiten, Ruhe zu bewahren:
Ich sage jedem einzelnen Politiker, ganz gleich welchen Hintergrund er hat: Bitte, bitte, bitte, mäßigen Sie Ihre Wortwahl, mäßigen Sie alles, was Sie tun, um zehn Prozent, um 20 Prozent. Seien Sie einfach ruhig und denken Sie darüber nach, welche Auswirkungen Ihre Worte auf andere haben.
Chris Bryant
Aufforderungen der Polizei halfen nicht
Die Demonstranten derweil dachten gar nicht daran, die Garvaghy-Road freizumachen. Auch Aufforderungen der Polizei halfen nichts.
Dazu Mark Devenport, ehemaliger BBC-Reporter, der lange über den Friedensprozess in Nordirland berichtet hat: "Die Polizisten sind absolut nicht bereit, die alte Taktik zu kopieren und die Anwohner und ihre Unterstützer gewaltsam von der Straße zu vertreiben, wie es Mitte der 1990e-Jahre der Fall war. Stattdessen haben sie versucht zu verhandeln."
Premier Burnham appelliert an alle Parteien
Auch der britische Premierminister Andy Burnham und der irische Premier Micheál Martin appellierten an alle Parteien, die Situation in Portadown nicht noch weiter hochkochen zu lassen. Martin nannte die ursprüngliche Entscheidung der Paradekommission, dem Oranier-Orden nach 28 Jahren wieder grünes Licht für die Router zu geben, "unverständlich und falsch".
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