DFB-Frauen: Ena Mahmutovic nutzt ihre Chance im Tor und macht Druck auf Ann-Katrin Berger
Deutschland - Australien 4:2 (2:1)
Tore: 1:0 Kössler (23.), 2:0 Kössler (30.), 2:1 Kerr (45.+2), 3:1 Küver (83.), 3:2 McNamara (90.+3), 4:2 Nuesken (90.+4)
Zuschauer in Karlsruhe: 26.352
Mit Entschlossenheit, Tempo und vier schön herausgespielten Toren hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Frauen ihr Testspiel gegen Australien gewonnen und dabei nicht nur die Fans, sondern auch den Bundestrainer begeistert.
"Man sieht, wie die Mädels brennen, wie sie auch jetzt schon harmonieren, und dass wir unheimlich viel Qualität auf dem Platz und auch auf der Bank haben", freute sich Christian Wück nach dem verdienten 4:2-Erfolg seiner Mannschaft.
Da es einige prominente Ausfälle im deutschen Team gab - unter anderem Kapitänin Giulia Gwinn und Torjägerin Lea Schüller - mussten andere die Lücken füllen und taten das mit Bravour: Melissa Kössler empfahl sich mit ihren ersten beiden Länderspieltoren zur 2:0-Führung als Mittelstürmerin (23. und 30. Minute). Australiens Kapitänin Sam Kerr verkürzte kurz vor der Pause (45.+2).
In der Schlussphase traf dann Innenverteidigerin Camilla Küver per Kopfball zum 3:1 (83.), ehe Australiens Holly McNamara (90.+3) und Sjoeke Nüsken (90.+4) in der Nachspielzeit zum 4:2-Endstand trafen.
Ena Mahmutovic nutzt ihre Chance im Tor
Im Tor konnte mit Ena Mahmutovic eine Spielerin auf sich aufmerksam machen, die normalerweise auf der Ersatzbank sitzt. Nummer eins im deutschen Tor ist Ann-Katrin Berger, die sich nach dem Finale der UEFA Nations League im vergangenen Dezember nach kurzer Bedenkzeit entschied, mindestens für einen weiteren Turnierzyklus zur Verfügung zu stehen.

Allerdings fehlt die 35-Jährige diesmal in Absprache mit dem Trainerstab und auf eigenen Wunsch. Sie steht in den USA in der National Women's Soccer League für Tabellenführer Gotham FC im Tor und geht mit ihrem Klub in die heiße Phase der Saison. Bis Anfang November sind noch drei Partien zu absolvieren, danach beginnen die Playoffs.
Parallelen zu Bayern-Ersatzmann Jonas Urbig
So rückte bereits im Vorfeld der Testspiele gegen Australien und Japan (Dienstag, 17:45 Uhr MESZ) Mahmutovic in den Fokus. "Ena hat es verdient, dass sie das nächste Spiel macht", sagte Wück vergangene Woche. "Man darf nicht vergessen, dass sie in Slowenien [beim letzten WM-Qualifikationsspiel, Anm.d.Red.] schon die Null gehalten hat. Und ich hoffe, dass sie das wiederholen kann."
Die 22-jährige Torhüterin des FC Bayern München gilt als große Hoffnung im deutschen Tor und potentielle Nachfolgerin für Berger - ähnlich wie ihr Vereinskollege Jonas Urbig bei den Männern.
Beide sind 2003 geboren, beide stammen aus dem Bundesland Nordrhein-Westfalen, beiden wird im Verein wie im Nationalteam eine große Zukunft vorausgesagt. Einziger Unterschied: Anders als Urbig ist Mahmutovic im Klub bereits die Nummer eins. Vor der Saison 2025/2026 setzte sie sich im internen Duell gegen Maria Luisa Grohs durch und übernahm den Stammplatz zwischen den Pfosten.

Im DFB-Trikot muss sie dagegen noch warten - hier ist ihr wiederum Urbig einen Schritt voraus. Obwohl im Verein nur Nummer zwei, deutet nach den ersten vier Länderspielen unter demneuen Bundestrainer Jürgen Klopp vieles darauf hin, dass Klopp Urbig im Vorfeld der Europameisterschaft 2028 zur neuen Nummer eins machen könnte.
Mahmutovic ist bei der anstehenden WM im kommenden Jahr eher als Ersatz eingeplant. Dennoch erhielt sie nun gegen Australien die nächste Chance und machte ihr drittes Länderspiel.
"Ich freu mich natürlich sehr", sagte sie vor dem Spiel. "Es ist natürlich immer was Besonderes, dann auch noch gegen eine Mannschaft von einem anderen Kontinent. Das ist glaube ich sehr hilfreich, wenn wir jetzt auch auf die WM blicken, uns mit denen zu messen."
Wück: "Berger einen Tacken voraus"
Ena sei "die Zukunft der Nationalmannschaft", schwärmte auch Bayern-Direktorin Bianca Rech kürzlich und machte sich dafür stark, dass ihre Keeperin nicht nur nominiert werde, sondern auch regelmäßig spielen dürfe. Berger sei, so Wück, aber "noch einen Tacken voraus".

Gleichzeitig lobte der Bundestrainer Mahmutovic: "Die Leistungen von Ena sind sehr gut. Sie hat mittlerweile auch eine gute Präsenz auf dem Platz", erklärte er und kündigte an: "Sie wird ihre Spielzeit bekommen."
Debüt mit Patzer, Debüt als Feldspielerin
Ihren Vertrag in München hat Mahmutovic Ende September bis 2029 verlängert. Sie kam zuvor aber nur auf zwei Einsätze in der A-Nationalmannschaft. Dabei war sie bereits im Februar 2023 zum ersten Mal für das Team nominiert. Ihr Debüt ist auch schon fast zwei Jahre her.
Im Dezember 2024 stand sie im Freundschaftsspiel gegen Italien auf dem Platz und patzte am Ende entscheidend. Nach einem Rückpass verlor sie den Ball an eine heraneilende Stürmerin, die ihr das Leder abnahm und locker zum 2:1-Siegtor ins leere Tor einschieben konnte. Danach kam bislang nur noch ein weiterer Länderspieleinsatz hinzu. Allerdings stand Mahmutovic im Kader der deutschen Mannschaft für die Europameisterschaft 2025.

Wäre es nach ihrem Vater gegangen, der aus Montenegro stammt, wäre Mahmutovic gar keine Torhüterin geworden. "Er sagt immer noch, ich wäre draußen besser gewesen, weil ich beide Füße gut einsetzen kann", sagt sie.
Dass muss wohl auch ihr damaliger Trainer Thomas Gerstner beim MSV Duisburg so gesehen haben, als er Mahmutovic im Mai 2020 ihr Bundesliga-Debüt bescherte. Allerdings sammelte die damals erst 16-Jährige nicht als Torhüterin erste Spielminuten.
Duisburg hatte zu viele Ausfälle und so musste die Ersatztorhüterin kurz vor dem Abpfiff als Feldspielerin einspringen: "In der Nachspielzeit hat mich der Trainer dann eingewechselt", erinnert sie sich. "Ich durfte zwei Sprints machen, so war eben mein Debüt."
Heute überwiegen dagegen Mahmutovics Vorzüge im Tor. "Sie ist eine der talentiertesten Torhüterinnen der Welt", schwärmte Bayern-Trainer José Barcala. Sie sei eine, die Spiele entscheiden könne, so der Spanier. Vielleicht ja in Zukunft auch regelmäßig im DFB-Team.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.