10 Jahre Video-Schiedsrichter – «Ein Segen!» – So prägt der VAR den Profifussball

10 Jahre Video-Schiedsrichter «Ein Segen!» – So prägt der VAR den Profifussball
Im Herbst 2016 kam der Video Assistant Referee erstmals in einem Pflichtspiel zum Einsatz. Seither polarisiert er immer wieder.
«After review», erklärt der Schiedsrichter, «there is a clear simulation – final decision yellow card for number 7.» Es ist die zweite Gelbe Karte für Breel Embolo. Der Schweizer Stürmer fliegt im WM-Viertelfinal gegen Argentinien wegen einer Schwalbe vom Platz.
Auch wenn diese Bestrafung bis heute kontrovers diskutiert wird: Möglich machte sie die Intervention des Video-Schiedsrichters.
Weniger Fehlentscheide dank VAR
Aufgabe des VAR ist es, bei entscheidenden Spielsituationen einzugreifen. «Statistiken der Uefa zeigen, dass es vor der Einführung des VAR klar mehr spielentscheidende Fehler seitens der Schiris gab», sagt Daniel Wermelinger, Schiri-Chef beim Schweizerischen Fussballverband.
Die vier Kernaufgaben des VAR
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Aufgabe des VAR ist es, bei «klaren und offensichtlichen» Fehlentscheiden korrigierend einzugreifen.
- Tore checken
- Penalty-Entscheidungen überprüfen
- Direkte Rote Karten überprüfen
- Verwechslungen von Spielern korrigieren
«Früher passierten solche Fehler alle zwei bis drei Spiele, heute nur noch in jedem 16. Spiel.» Mit anderen Worten: «Heute sind wir bei 99,6 Prozent richtiger Entscheide nach VAR-Interventionen.»
Auch wenn der VAR im Hintergrund mehrere Spielszenen pro Match prüft: Gemäss Uefa greift er im Spitzenfussball ungefähr 0,5-mal pro Spiel sichtbar ein. Dies führt zu durchschnittlich leicht längeren Spielen.
In der englischen Premier League etwa waren es zuletzt rund 40 Sekunden pro Spiel. Ausserdem gibt es gemäss Statistiken tendenziell weniger Fouls. Die Anzahl Tore hat sich seit der Einführung des VAR nicht gross verändert.
Infantino schlägt neues Kapitel auf
Im Herbst 2016 kam der VAR erstmals in einem Ernstkampf auf höchster Ebene zum Einsatz: beim niederländischen Pokalspiel zwischen Ajax Amsterdam und Willem II. Der Schiri korrigierte in der 58. Minute einen Entscheid und stellte einen Spieler von Willem vom Platz.
Getestet wurde solch ein Einsatz bereits einige Wochen zuvor unter anderem im Freundschaftsspiel zwischen Italien und Frankreich.
«Mit Video-Schiedsrichterassistenten helfen wir den Schiedsrichtern und schützen das Spiel», sagte Fifa-Präsident Gianni Infantino nach der Partie. «Damit haben wir ein neues Kapitel in der Fussballgeschichte aufgeschlagen.»
2018 kam der VAR zum ersten Mal an einem internationalen Grossturnier zum Einsatz: an der Fussball-WM in Russland.
Akzeptieren, dass es Grauzonen gibt
Ab 2017 wurde der Video-Schiri in den höchsten Ligen eingeführt – auf die Saison 19/20 hin auch in der Schweiz.
Bereits zwei Jahre früher kam der VAR in der Deutschen Bundesliga zum Einsatz. Fabian Lustenberger, damals bei Hertha Berlin unter Vertrag, erinnert sich: «Von uns Spielern wusste niemand so genau, wie das funktionieren sollte», sagt der heutige SRF‑Experte. «Aber die Hoffnung, dass es keine Fehlentscheidungen mehr geben sollte, war da.»
Teilweise vergebens. «Der VAR an sich ist ein Segen», sagt Lustenberger. «Aber wir müssen akzeptieren, dass es trotzdem nach wie vor Grauzonen gibt.» Sprich: Interpretationsspielraum, unterschiedliche Regelauslegungen, unklare Bilder.
VAR spielt auch künftig eine wichtige Rolle
Fest steht: Der VAR hat den Fussball verändert und wird es weiterhin tun. «Künstliche Intelligenz wird künftig eine noch grössere Rolle spielen», sagt Schiri-Boss Wermelinger.
Dass es aufgrund der KI dereinst gar keine menschlichen Schiris mehr auf und neben dem Platz braucht, glaubt er aber nicht. «Wir sind offen für technische Neuerungen. Aber ein Spiel ohne Schiedsrichter und Assistenten kann ich mir nicht vorstellen.»
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