Warum Indien trotz Solarboom auf Kohle setzt
Die Wirtschaft in Indien boomt und der Hunger nach Strom ist grenzenlos. Zwar bricht der Subkontinent Rekorde beim Ausbau von Solarenergie, aber Kohlekraftwerke sind weiterhin unverzichtbar.
28.10.2026 | 6:34 minDie Wirtschaft und Bevölkerung wachsen in Indien - und mit ihnen auch der Energiehunger. Die Industrie produziert mehr und bei großer Hitze laufen immer öfter Klimaanlagen. Bis 2030 soll die Stromnachfrage laut Internationaler Energieagentur (IEA) jährlich im Schnitt um 6,4 Prozent steigen.
Um den wachsenden Bedarf zu decken, baut Indien erneuerbare Energien massiv und in einem enormen Tempo aus - etwa mit riesigen Solarparks und neuen Energiespeichern.
Solarenergie im XXL-Format
Der Ausbau sauberer Energien soll in den kommenden Jahren noch einmal drastisch zulegen. Wie groß diese Ambitionen sind, zeigt sich in Khavda im Westen des Landes.
Mitten in einer Salzwüste soll bis 2029 das größte Kraftwerk der Welt entstehen. "Zusammen sind es etwa 530 Quadratkilometer", erklärt Bauleiter Amartej Singh vor Ort. Nach Angaben des Betreibers soll der Park künftig jährlich rund 87 Terawattstunden Strom erzeugen - bilanziell mehr, als ein Land wie Belgien in einem ganzen Jahr verbraucht.
Shambu Gagal baut im indischen Gujarat Elektroroller in Handarbeit und verkauft rund 350 Stück im Monat. Wie funktioniert sein Geschäft und welche Rolle spielen dabei Batterien aus China?
05.11.2026 | 3:29 minDoch Solarparks reichen nicht
Seit 2019 ist der Strombedarf jährlich im Schnitt um fünf Prozent gestiegen. Gebaut wurden vor allem Solaranlagen - rund zwei Drittel aller neuen Kapazitäten. Allerdings steht Solarstrom nicht rund um die Uhr zur Verfügung: Gerade in heißen Sommernächten steigt der Strombedarf für Klimaanlagen, während Solaranlagen keinen Strom liefern.
Um die Versorgung sicherstellen zu können, braucht Indien deshalb nicht nur neue Solarparks, sondern auch Stromnetze und Speicher, die überschüssige Energie aufnehmen und später wieder abgeben können. Deshalb treibt Indien den landesweiten Ausbau von Speichern voran. Allein in Khavda sollen in den nächsten Jahren gewaltige Batteriespeicher entstehen.
Indien hat seinen ersten selbst entwickelten Wasserstoffzug in Betrieb genommen, den "NaMo Green Rail". Er fährt mit maximal 75 Kilometern pro Stunde und kann etwa 2.600 Fahrgäste befördern.
17.07.2026 | 0:45 minWarum Kohle unverzichtbar bleibt
Hinter dem Ausbau der Erneuerbaren stecken auch wirtschaftliche Interessen. "Keines der Projekte, die wir umsetzen, wird finanziert, weil es grün ist", sagt Maurya Pydah vom indischen Speicherentwickler Greenko.
Sie sind wirtschaftlich tragfähig und stellen die günstigste Energiequelle überhaupt dar. Dass diese Energie zugleich grün ist, ist das Sahnehäubchen obendrauf.
Maurya Pydah, Greenko
In Deutschland wurde in diesem Jahr bereits mehr Solarstrom erzeugt als im gesamten letzten Jahr. Laut Bundesverband Solarwirtschaft wurden bis zum 27. September 90,2 Terawattstunden Solarstrom produziert.
28.09.2026 | 0:41 minDoch die billige Sonnenenergie reicht allein nicht aus und so steigt gleichzeitig die Kohleförderung. 2024/25 förderte das Land über eine Milliarde Tonnen Kohle - etwa 43 Prozent mehr als fünf Jahre zuvor. Fossile Brennstoffe lieferten 2025 rund 73 Prozent des indischen Stroms. Der Rohstoff wird nicht nur in Kraftwerken zur Stromerzeugung genutzt. Wie wichtig der Kohleausbau für die Wirtschaft ist, betont der Kohleunternehmer Vaibhav Poddar: "Kohle ist eine der wichtigsten Grundlagen für Indiens Wachstums-Story. Denn für den Ausbau unserer Infrastruktur brauchen wir Stahl."
Ohne Stahl kannst du nichts bauen. Indien ist ein bedeutender Stahlproduzent, und für die Stahlproduktion brauchen wir Kohle.
Vaibhav Poddar, Kokereibesitzer
Im Osten des Landes, in Dhanbad - auch "Coal Capital of India" genannt, zeigt sich, wie eng Kohle mit wirtschaftlichem Aufstieg verbunden ist. Seit mehr als hundert Jahren wird in der Region Kohle abgebaut. Doch sie bringt nicht nur wirtschaftlichen Aufschwung. In den Kohlefeldern schwelen unterirdische Brände, die Rauch und giftige Gase freisetzen. Für viele Menschen, die hier leben und arbeiten, ist Kohle zwar ihre Lebensgrundlage, aber auch ein Gesundheitsrisiko.
Die EU und Indien haben ein neues Handelsabkommen abgeschlossen. ZDFheute live erklärt, warum die EU auf Indien setzt und wie Europa und Deutschland davon profitieren könnten.
27.01.2026 | 24:41 minZwischen Wachstum und Klimazielen
Das Land steht vor einem riesigen Spagat. Eigentlich sollte der steigende Energiebedarf vor allem durch nicht-fossile Quellen gedeckt werden. Zwar stammte Ende 2025 bereits mehr als die Hälfte der installierten Kraftwerkskapazität aus erneuerbaren Energien. Doch das starke Wirtschaftswachstum Indiens lässt den Stromhunger schneller wachsen, als Netze und Solarparks liefern können. Um die energieintensive Industrie rund um die Uhr am Laufen zu halten, stammten auch 2025 noch rund 70 Prozent des tatsächlich erzeugten Stroms aus Kohle.
Da neue Speicher und Netze mit diesem Tempo nicht Schritt halten können, plant die Regierung zusätzliche Kohlekraftwerke, um Netzausfälle zu verhindern. Bis zum 100. Jahrestag der Unabhängigkeit 2047 will Indien den Status einer voll entwickelten Industrienation erreichen und bis 2070 klimaneutral werden. Für diese Aufstiegspläne bleibt Kohle erstmal unverzichtbar.
Saisonale Energiespeicher
:Was das langfristige Speichern von Strom schwierig machtSaisonale Energiespeicher könnten schwankende Verfügbarkeiten erneuerbarer Energien ausgleichen. Doch die Kosten sind hoch. Welche Ansätze es gibt und wie E-Autos helfen können.
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