Bombendrohungen gegen Flüge: Was an Bord passiert
Wegen erneuter Bombendrohungen mussten wieder zahlreiche Flüge umgeleitet werden.
06.11.2026 | 2:40 minEine Serie von Bombendrohungen erschüttert den europäischen Luftverkehr. Zunächst wurden zwar keine Sprengkörper gefunden, doch mehr als 30 Alarme verunsichern die Passagiere. Die Behörden sind alarmiert und tauschen Informationen über die Grenzen hinweg aus. Dazu die wichtigsten Fragen und Antworten:
Gibt es eine solche Häufung von Bombendrohungen öfter?
Es handelt sich klar um eine außergewöhnliche Situation: Laut der Europäischen Organisation zur Sicherung der Luftfahrt (Eurocontrol) gab es am 5. und am 6. November Bombendrohungen gegen jeweils 14 Flüge sowie am 3. November gegen 7 Flüge. Zur Einordnung: An diesen drei Tagen waren jeweils zwischen rund 26.278 und 29.550 Flugzeuge im europäischen Flugverkehrsnetz unterwegs. Zwar gibt es immer wieder einmal Drohungen gegen einzelne Flüge oder Gesellschaften, aber an eine derartige Häufung kann man sich etwa bei der Deutschen Flugsicherung nicht erinnern.
Laut einer Aufstellung des Portals "Aerotelegraph" wurden im Oktober 2024 mehrere indische Gesellschaften gleichzeitig über Social-Media-Einträge bedroht. Gegen den Hamburger Flughafen richtete sich 2023 eine Bombendrohung, die aber Teil einer größeren Welle von Drohungen gegen verschiedene Ziele in Deutschland war.
Wer bewertet Bombendrohungen und entscheidet über den Flug?
Das kommt zunächst darauf an, wo und in welcher Form sie eingehen. Fluggesellschaften und Flughäfen informieren sofort die Sicherheitsbehörden und bilden ihrerseits Krisenstäbe. Verantwortlich für einen bereits begonnenen Flug ist letztlich die Kapitänin oder der Kapitän, hält die Vereinigung Cockpit fest. Sie entscheiden, ob der Flug fortgesetzt, umgeleitet oder eine Landung eingeleitet wird.
Staatliche Stellen können diese Entscheidungen jedoch einschränken - indem sie etwa eine Landung an einem bestimmten Flughafen verweigern oder das Flugzeug durch Abfangjäger an einen anderen Flughafen drängen.
Mehrere Passagierflugzeuge wurden europaweit zu außerplanmäßigen Landungen gezwungen, unter anderem in Italien und Bulgarien. Sprengsätze wurden jedoch nicht gefunden.
05.11.2026 | 0:55 minWer steckt hinter den Drohungen?
Darüber gibt es zunächst nur Mutmaßungen, die Behörden ermitteln. Die Vielzahl der Attacken deutet zunächst auf ein abgestimmtes Vorgehen hin, ob nun von Einzelpersonen oder sogar von staatlich gelenkten Akteuren. Mit zunehmender Dauer der Störungen könnten zudem Trittbrettfahrer aufspringen und ihrerseits Drohungen in die Welt setzen.
Man sei noch am Anfang der Ermittlungen, sagt Terrorismus-Experte Hans-Jakob Schindler im ZDF. Einen kriminellen oder terroristischen Hintergrund der Drohungen hält er eher für unwahrscheinlich, er vermutet eine "staatlich initiierte Operation im Sinne einer hybriden Kriegsführung". Dabei seien "Verunsicherung und ökonomischer Schaden" mit hoher Wahrscheinlichkeit das eigentliche Ziel der Bombendrohungen, so Schindler.
Als "staatlich initiierte Operation im Sinne einer hybriden Kriegsführung" sieht Terrorismus-Experte Schindler die Drohungen gegen Flugzeuge. Doch man stehe noch am Anfang der Ermittlungen.
07.11.2026 | 3:38 minAuch der Sicherheitsexperte Peter R. Neumann vermutet eine breit angelegte Störaktion. Das Vorgehen erinnere "an eine koordinierte hybride Operation", schreibt er im Dienst X, warnt dabei aber vor vorschnellen Zuschreibungen: "Aber Vorsicht: Für eine russische Urheberschaft gibt es bislang keinerlei belastbare Belege."
Wie reagiert die Crew auf eine Bombendrohung?
Die Crews von Passagierflugzeugen werden regelmäßig auch zu Bombendrohungen geschult. Es gelten Notfallpläne, die Piloten und Flugbegleiter umsetzen. Der erfahrene Boeing-Pilot Matthias Baier erläutert:
Es geht darum, Ruhe zu bewahren und einen Plan zu entwickeln.
Matthias Baier, Boeing-Pilot
Wenn die Maschine bereits in der Luft ist, wird abhängig von der konkreten Bedrohungslage in der Regel ein möglichst nahe gelegener, geeigneter Flughafen angesteuert, um dort das Flugzeug zu räumen. Dies geschieht in Abstimmung mit der Flugsicherung und den zuständigen Sicherheitsbehörden.
Werden die Passagiere während eines bedrohten Fluges informiert?
Ob und wann die Reisenden über die Bedrohung informiert werden, hängt von der konkreten Situation ab. Vorrang hat, dass die Besatzung die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen geordnet durchführen kann. Je nach Verfahren können dazu auch das Abschalten des Bord-WLANs und elektrischer Lademöglichkeiten gehören. Auch eine Verringerung des Druckunterschieds zwischen Kabine und Außenluft kann unter geeigneten Flugbedingungen vorgesehen sein, um mögliche Folgen einer Explosion zu begrenzen.
Was passiert, wenn ein mutmaßlicher Sprengkörper an Bord gefunden wird?
Für den Umgang mit verdächtigen Gegenständen gibt es besondere Verfahren, auf die die Besatzungen vorbereitet werden.
Wir sind keine Sprengstoffexperten, müssen aber natürlich die Folgen einer eventuellen Explosion möglichst klein halten.
Matthias Baier, Boeing-Pilot
Welche Maßnahmen ergriffen werden, hängt von der konkreten Situation und den Vorgaben des Flugzeugherstellers ab. Ziel ist es, mögliche Auswirkungen auf die Menschen an Bord und das Flugzeug so weit wie möglich zu begrenzen.
Was passiert nach der Landung?
Eine bedrohte Maschine wird nach der Landung in der Regel auf eine dafür vorgesehene, vom übrigen Flughafenbetrieb getrennte Position geleitet. Dort stehen im Idealfall bereits Feuerwehr, Sicherheitskräfte und Spezialisten für die Untersuchung verdächtiger Gegenstände bereit. Die Passagiere verlassen das Flugzeug entsprechend der Lage und den Anweisungen der Besatzung. Anschließend wird die Maschine von den zuständigen Experten untersucht.
Welche Rechte haben Passagiere bei Verzögerungen?
Flugausfälle im Zusammenhang mit Bombendrohungen sind nach Einschätzung des Fluggastrechteportals Flightright ein außergewöhnlicher Umstand, der die Airlines von Entschädigungspflichten befreit. Die Gesellschaften müssen aber davon unabhängig dafür sorgen, dass ihre Passagiere so schnell wie möglich an das geplante Endziel kommen. Dafür müssen sie Flightright zufolge nicht nur andere Airlines berücksichtigen, sondern sogar alternative Beförderungsmittel - also etwa Bus, Bahn und Taxi.
Quelle: dpa, ZDF
Über das Thema berichtete das ZDF in mehreren Sendungen, etwa im heute journal am 6.11.2026 ab 22:00 Uhr sowie im heute journal update am 7.11.2026 ab 00:25 Uhr.
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