Molotowcocktails fürs Grillfest? So erklären sich Krawallmacher

- «Ich wollte ein Grillfest feiern»: So erklärte ein 21-Jähriger die Flaschen, das Aceton, das Feuerzeug und die Lappen, die er am Wochenende in Paris bei sich hatte.
- Das Gericht glaubte ihm nicht und verhängte acht Monate Haft, davon zwei unbedingt.
- Ein 20-Jähriger mit Messer und Schlagring sprach von «Schinken schneiden» und erhielt ebenfalls acht Monate.
- Andy M. (23), der einen Feuerwerksmörser auf Polizisten abfeuerte, bekam zwölf Monate bedingt.
Nach den Ausschreitungen und Plünderungen in Frankreich wurden laut Justizminister Gérald Darmanin bis Dienstagmittag landesweit 149 Menschen zu Gefängnisstrafen verurteilt. Mehr als 800 der rund 2500 Festgenommenen wurden bisher den Staatsanwaltschaften vorgeführt.
Das französische Justizportal Actu-Juridique begleitete erste Schnellverfahren in Paris. Die dort protokollierten Fälle zeigen, wie die Beschuldigten ihre Taten vor Gericht erklärten.
Mit Molotowcocktails zum Geburtstag?
Ein 21-Jähriger wurde in der Nähe der Demonstration mit acht Glasflaschen, Aceton und Lappen kontrolliert. Auf seinem Handy fanden Ermittler einen ChatGPT-Verlauf dazu, wie man sich vor Molotowcocktails schützt. Seine Erklärung: Er habe zu seinem Geburtstag ein Grillfest geplant. Das Gericht glaubte ihm nicht. Es verurteilte ihn zu acht Monaten Haft, zwei davon unbedingt.
«Messer war zum Schinkenschneiden bestimmt»
Ein 20-Jähriger wurde am Wochenende auf der Place de la Bastille kontrolliert. Beim Mann fanden Polizisten ein Messer und einen Schlagring. In privaten Instagram-Nachrichten habe der 20-Jährige geschrieben, man werde die Bastille «einnehmen», es werde «ein Guerillakampf» geben. Ziel sei es, «Polizisten zu verprügeln». Vor Gericht erklärte er, er habe übertrieben und nur «den Starken spielen» wollen. Das Messer sei zum «Schinken schneiden» bestimmt gewesen, den Schlagring habe er zur Selbstverteidigung bei sich getragen. Er erhielt acht Monate Haft, davon zwei unbedingt.
Mit Exkrementen gefüllte Ballone
Noch nicht verurteilt ist der tunesische Student Youssef. Er gab zu, Polizisten einer Spezialeinheit mit Exkrementen gefüllte Ballone beworfen zu haben. Der 20-Jährige sagte, er habe aus Solidarität mit den Studierenden demonstriert. «Als ich die Videos sah, habe ich mich selbst nicht wiedererkannt», sagte Youssef vor Gericht. Da seine Aufenthaltsgenehmigung am 21. Oktober ablaufe, beantragte die Staatsanwaltschaft Untersuchungshaft für den Tunesier.
«Habe nicht nachgedacht»
Andy M. war auf der Champs-Élysées festgenommen worden, nachdem er einen Feuerwerkskörper auf Polizisten abgefeuert hatte. Der 23-Jährige zeigte sich geständig. Er habe eigentlich bei der Demo mitlaufen wollen, dann sei die Situation aber eskaliert. Auf die Frage des Gerichtsvorstehers, wieso er den Feuerwerksmörser schoss, sagte Andy M.: «Ich habe nicht nachgedacht.» Das Gericht verhängte zwölf Monate bedingt.
Thomas Sennhauser (ths), arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er begann als Videojournalist und wechselte nach zwei Jahren ins Ressort News wo er über gesellschaftliche Themen und Analysen zu Geschehnissen im Ausland schreibt.
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