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Wednesday, September 23, 2026

DFB-Sensation als Vorbild?: "... das wünsche ich mir für Florian Wirtz auch"

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Bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft entfacht Neu-Bundestrainer Jürgen Klopp eine große Euphorie. Beim nächsten Gegner, den Niederlanden, ist die Lage anders. Xavi löst keine Begeisterung aus, weckt aber eine große Hoffnung.

Jürgen Klopp weckt die enttäuschte Fußballnation Deutschland aus der WM-Depression. Der Bundestrainer macht fast alle verrückt. Die Spieler liegen ihm zu Füßen, die Medien feiern ihn. Mit seinem außergewöhnlichen Weg, 44 Spieler für die vier Nations-League-Spiele zu nominieren, reißt er Experten wie Lothar Matthäus vom Hocker. Der erste Lackmustest für den Zustand des DFB-Teams gibt's am Donnerstagabend in Amsterdam (20.45 Uhr live bei RTL und im Liveticker bei ntv.de, Übertragungsbeginn auf RTL um 19.40 Uhr). Es geht gegen die Niederlande, bei denen mit Barca-Legende Xavi auch ein neuer Trainer übernommen hat. Der wurde nicht ganz euphorisch gefeiert wie Klopp. Er schürt aber eine große Hoffnung, wie unser ntv.de-Experte Arie van Lent im Interview verrät.

Hallo Herr van Lent, Deutschland hat einen neuen Bundestrainer und legt sich ihm zu Füßen. Auch bei den Niederländern gibt's einen neuen Mann im Amt. Euphorie verbreitet der aber nicht gerade ...

Ne, die Stimmung ist schon anders. Während Klopp ja bereits während der Weltmeisterschaft als Nachfolger von Julian Nagelsmann ins Gespräch gebracht wurde, oder sich ja selbst indirekt ins Gespräch gebracht hat, kam die Entscheidung pro Xavi erst später und überraschend. Und sie kratzt am Selbstverständnis der Niederländer, das ein Bondscoach immer aus dem eigenen Land kommen muss. Erstmals seit Ernst Happel kommt nun wieder ein Trainer aus dem Ausland. Das wirkt erstmal wie ein Fremdkörper. Aber ich glaube, die Niederländer haben sich schnell mit der Entscheidung abgefunden. Im positiven Sinne.

Wie meinen Sie das?

Die Niederländer sehnen sich einfach nach besserem Fußball. Nach unserem alten Fußball. Und so ist mein Gefühl, dass da mittlerweile sehr viel Hoffnung ist, dass Xavi das zurückbringen kann. Weil er das ja beim FC Barcelona so selbst gespielt hat. Ballbesitz, Spielfreude, Dominanz, Pressing, so soll der Fußball aussehen. Wir haben einst den Fußball an Barca verloren und jetzt hoffen wir, dass Xavi uns ihn wieder zurückbringt.

Spielte bei der zunächst zurückhaltenden Reaktion womöglich auch mit rein, dass Xavi bei Barcelona als Trainer ja nicht so super erfolgreich war, wie erhofft? Zumindest nicht, wenn man ihn mit Hansi Flick nun vergleicht?

Klar, auch darüber wurde gesprochen. Ein großer Fußballer muss nicht automatisch ein großer Bondscoach sein. Arne Slot war sicher der Wunschtrainer von vielen, aber er wollte lieber im Vereinsfußball bleiben. Ich bin mir aber sicher, dass Xavi oranje-liken Fußball spielen lassen wird. Aber es ist tatsächlich nicht so ein Gefühl wie in Deutschland, wo sie sagen: Wir haben Klopp, das wird gut. Es sagt kaum jemand: Wir haben Xavi, es wird super. Aber es ist eben diese große Hoffnung da.

Glauben Sie, dass Xavi und die Niederlande eine Erfolgsgeschichte werden?

Natürlich, ich bin immer so lange Optimist, bis es nicht funktioniert. Dann kann man immer noch draufhauen (lacht). Nein, aber im Ernst. Er kennt den Fußball, den sich Oranje wünscht sehr genau und wir versuchen das umzusetzen. Und anders als in Deutschland geht es in den Niederlanden auch nicht darum, immer den Titel als Anspruch zu erheben. Dazu haben wir in der Historie zu wenig gewonnen. Man freut sich, wenn man mit dem Fußball, den man spielt und der das Land immer stark gemacht hat, zu den Top-Nationen gehört. Und, dann natürlich auch eine Chance auf den Titel hat.

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Also ist die Aufgabe als Bondscoach besonders schwer, weil man schönen Fußball mit Erfolg verbinden muss?

Das würde ich schon so sagen, ja.

Sowohl für Xavi als auch den neuen Bundestrainer Jürgen Klopp könnte der Einstieg ins neue Amt eigentlich kaum reizvoller, aber auch mit mehr Druck beginnen ...

Sicher, beide haben viel zu gewinnen, aber auch zu verlieren. Sollten Xavi und die Niederländer den Sieg holen, dann werden die laut juichen! Das gilt auch für Deutschland. Bei beiden Mannschaften wird aber auch die Art und Weise für die Stimmung entscheiden. Beim DFB-Team wird es ganz viel um die Intensität gehen, die wir bei der WM vermisst und oft kritisiert haben. Fehlt die, kann etwa der Hype um Klopp auch schnell enden.

Beim DFB hat Klopp mit seinem XXL-Doppelkader eine Revolution ausgerufen. Wie revolutionär ist der Ansatz von Xavi?

Gar nicht revolutionär. Ein paar Spieler wie Frenkie de Jong, Donyell Malen oder Justin Kluivert fehlen verletzt, sonst sind die meisten Spieler trotz der schwachen WM wieder dabei. Die aufsehenerregendste Personalie ist der Verzicht auf Memphis Depay. Aber er hatte zuletzt ohnehin keine guten Leistungen mehr und wird schon länger kritisch gesehen. Deswegen sehe ich das nicht unbedingt als Verlust an. Einen Rundumschlag hat Xavi bewusst vermieden, weil der Kader eigentlich schon eine gute Mischung auch von der Altersstruktur hat. Mich freut aber, dass er einen Spieler wie Mexx Meerdink nominiert hat.

Da kommt ihr Stürmerherz durch?

Ja, ich finde es immer gut, wenn eine Mannschaft mit einem echten Neuner spielt. Und das ist nicht wie früher, wie zu meiner Zeit. Als Stürmer wartest du nicht mehr auf lange Bälle, sondern bist in die Spielfortsetzung voll eingebunden. Das gefällt mir sehr. Deswegen freue ich mich auf Meerdink oder auch Brian Brobbey, der zuletzt bei der 3:5-Niederlage gegen Manchester City alle Tore für seinen FC Sunderland geschossen hat.

Schauen wir mal zum DFB-Team: Die Pressekonferenz von Jürgen Klopp hat wahnsinnig viele Menschen bewegt, ein Journalist soll sogar Tränen in den Augen gehabt haben. Was ist ihnen hängengeblieben?

Tatsächlich Jürgen Klopps Aura. Auch wenn das "A"-Wort bei der Weltmeisterschaft im Zusammenhang mit der Rechtfertigung für Manuel Neuer eigentlich unmöglich geworden war. Aber es hat mich schon beeindruckt, wie er versucht hat, alle mitzunehmen und wie ihm das offenbar gelungen ist.

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Nun steht er am Donnerstagabend in der Pflicht, auch sportlich zu beeindrucken. Im Kader stehen ein paar größere Fragezeichen. Wie zum Beispiel Florian Wirtz, der gerade erst wieder bitterböse Kritik aus England hören musste. Kann Klopp den alten Wirtz wieder wecken?

Das würde ich Wirtz wünschen. Er hat in Leverkusen bereits bewiesen, dass er ein sensationeller Spieler ist. Aber Klopp hat auch gesagt, dass es nicht wichtig ist, wer spielt, sondern wie man spielt. Es könnte also auch sein, dass er ein "Opfer" des Umbruchs wird.

Teilen Sie die Kritik an Wirtz?

Das ist schwer zu bewerten. Er funktioniert sicher nicht so gut wie in Leverkusen. Aber anders als bei Bayer sehen wir ihn in Liverpool viel seltener. Was ich schon wahrnehme, dass er oft der Spieler mit der besten Laufleistung ist. Das zeigt mir, der Junge tut was, der arbeitet an sich. Aber die Leichtigkeit von früher fehlt ihm schon. Und das macht es in Liverpool nicht leichter. Da herrscht wahnsinniger Druck. Natürlich kann ihn dabei auch die Last der gigantischen Ablösesumme immer noch hemmen. Je länger es nicht gut läuft, desto schwerer kann das wiegen. Er muss sicher sehr bald den Schalter umlegen. Denn unendlich Geduld, die hat im Fußball niemand.

Das Gegenteil von Florian Wirtz ist derzeit Karim Adeyemi. Was ist da passiert?

Das ist verrückt, ja. Und Gott sei Dank, hat er der Weg zurück gefunden. Ich habe schon gedacht, dass kann es doch nicht gewesen sein, als es beim BVB immer weniger lief. Der Junge hat so ein Potenzial, der durfte einfach nicht verschwinden. Der hat immer wieder diese Aktionen drin, wo du denkst: echt jetzt, das ist doch nicht wahr, was er da gerade zeigt. Aber dass er zum FC Barcelona wechselt und dass es dort so dermaßen gut läuft, das hätte ich nicht geglaubt. Der spielt jetzt Stamm und das, obwohl er so viele Wahnsinnsspieler um sich herum hat. Da sieht man mal, wie schnell es wieder gehen kann. Adeyemi spielt einfach mit einem Lächeln. Das wünsche ich mir für Wirtz nun auch.

Wie erklären Sie sich denn diesen Aufschwung?

Ich denke, er ist einfach wieder frei in seinen Aktionen. Er kann wieder das machen, was er beim BVB vielleicht nicht mehr machen durfte. Mit Hansi Flick hat er dafür aber auch den richtigen Trainer, der jungen Spieler Schutz gibt und sie machen lässt. Der sie bestärkt, dass sie das schon hinbekommen. Bei Niko Kovac kann ich mir schon vorstellen, dass der einen anderen Anspruch hat und es Spieler schwer haben, die dabei nicht mitziehen.

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Klopp hat einen extrem großen Kader nominiert. Wie viel Veränderung erwarten Sie?

Ehrlich gesagt, Herr Nordmann, gar nicht so viel. Ich denke schon, dass erstmal viele Spieler ihre Chance bekommen, die schon vorher dabei waren. Aber durch den großen Kader spüren sie jetzt einen anderen Druck, müssen mehr um ihren Platz kämpfen. Darin sehe ich schon einen großen Vorteil.

Sie bleiben trotzdem dabei: Am Donnerstag sollen die Niederländer jubeln, danach darf Klopp?

Unbedingt! Ich werde das Spiel im Keller schauen, damit niemand mich jubeln hört. Danach darf Deutschland alles gewinnen. Bis sie in einem Turnierfinale aufeinandertreffen, dann wird neu verhandelt.

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