Was Kabilas Rebellen-Koalition für den Konflikt im Kongo bedeutet
Mit dieser Entscheidung geht Joseph Kabila auf direkte Konfrontation mit der Regierung von Präsident Felix Tshisekedi: Der Ex-Präsident wird eine neue politisch-militärische Bewegung anführen, die "Front für die Neugründung der Nation" (FRN). Dem Bündnis gehören mehrere Rebellengruppen an, unter anderem die Miliz M23.
Die neue Struktur tritt die Nachfolge der Congo River Alliance (AFC) an, die mit der M23 verbündet war. Zur Führung gehören hochrangige Vertreter beider Bewegungen: der frühere AFC-Vorsitzende Corneille Nangaa, der politische M23-Führer Bertrand Bisimwa und auch Sultani Makenga, Militärchef der M23.
Ein Sprecher der FRN teilte mit, die Bewegung wolle der "Tyrannei" in der Demokratischen Republik Kongo ein Ende setzen - "mit allen Mitteln, auch mit Waffengewalt".

Adolph Amisi Makutano, ein Funktionär der regierenden Partei "Union für Demokratie und Sozialen Fortschritt (UDPS)", bezeichnete die Gründung der FRN und die Rolle von Kabila als "Schande für die DR Kongo".
Alte Vorwürfe gegen Kabila
Die Ankündigung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem diplomatische Initiativen versuchen, die Kämpfe zwischen den kongolesischen Regierungstruppen und den Rebellen im Osten des Kongos zu beenden.
Die kongolesischen Behörden warfen Kabila vor, den Aufstand zu unterstützen. Diese Vorwürfe wies er zurück. Im September 2025 verurteilte ihn ein Militärgericht in Abwesenheit zum Tode, wegen Hochverrats, Kriegsverbrechen und weiterer Straftaten im Zusammenhang mit dem Konflikt im Osten der DR Kongo. Kabila, der das Land von 2001 bis 2019 regierte, bezeichnete das Verfahren als politisch motiviert.
Nachdem er über Jahre im Exil lebte, kehrte der Ex-Präsident vor einigen Monaten zurück nach Goma, die Regionalhauptstadt der Provinz Nord-Kivu, die aktuell von der M23 kontrolliert wird.
Warum herrscht Krieg im Osten des Kongo?
Der Osten der DR Kongo ist seit Jahrzehnten von Konflikten geprägt, an denen verschiedene bewaffnete Gruppen beteiligt sind. Dabei geht es um Macht über das Land und seine Bodenschätze, aber auch um Spannungen mit den Nachbarstaaten. Die Folgen des Völkermords an den Tutsi in Ruanda im Jahr 1994 trugen zu einer Reihe regionaler Konflikte bei: Bewaffnete Gruppen und Flüchtlinge überschritten Grenzen, und Nachbarstaaten wurden in die Bürgerkriege im Kongo hineingezogen.
Die M23 verdankt ihren Namen einem Friedensabkommen vom 23. März 2009. Die Bewegung sagt, die kongolesische Regierung habe Zusagen nicht eingehalten, ihre Kämpfer zu integrieren und die kongolesische Tutsi-Minderheiten zu schützen.
Vom Genozid in Ruanda zum Dauerkrieg im Kongo
Kinshasa, die Vereinten Nationen (UN) und westliche Regierungen werfen Ruanda vor, die Rebellen der M23 zu unterstützen und Einfluss auf ihre Operationen auszuüben. Ruanda bestreitet das und verweist darauf, dass es seine Sicherheit durch bewaffnete Gruppen bedroht sieht, die im Kongo aktiv sind.
Im Jahr 2025 eroberte die M23 mit Goma und Bukavu zwei große Städte im Osten des Kongo. Diese Gebietsgewinne schwächten die Kontrolle der Regierung in der Hauptstadt Kinshasa über Teile der Region, vertrieben Zivilisten und verschärften eine bereits schwere humanitäre Krise. Dass Kabila nun die Führung des neuen Zusammenschlusses übernimmt, wirft die Fragen auf: Will er die Opposition gegen Tshisekedi bündeln? Will er die politische Führung der Rebellion stärken? Oder beides?
Politische Folgen von Kabilas Schritt
Alex Vines, Direktor des Afrika-Programms beim European Council on Foreign Relations, sieht darin einen Beleg, dass Kabila "weiter politische Ambitionen hat". "Es zeigt, dass er bereit ist, Tshisekedi herauszufordern", sagte Vines der DW.
Timo Roujean, Leiter des Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kinshasa, die der deutschen Partei CDU nahesteht, warnte davor, Kabilas potenzielle Unterstützung allein anhand ethnischer Zugehörigkeit zu bewerten. Zur DW sagte er, auch die wirtschaftliche Entwicklung und die politischen Dynamiken in Kabilas Heimatregion Katanga im Südosten des Landes seien relevant.

Der Konfliktanalyst Cliffton Chifuwe sagte der DW, die Allianz schließe eine Verhandlungslösung nicht aus, es könne aber schwerer sein, eine dauerhafte Einigung zu erreichen. "Die Allianz Kabilas mit der M23 macht Frieden nicht unmöglich. Sie erhöht jedoch die Hürden, um zu einer solchen Einigung zu kommen und sie stabil zu halten." Für Chifuwe braucht es für einen dauerhaften Frieden mehr als nur ein Ende der Kampfhandlungen. Es bräuchte auch glaubwürdige Sicherheitsvereinbarungen, die Wiederherstellung staatlicher Autorität, humanitären Zugang sowie eine sichere Rückkehr der Vertriebenen.
Die neue FRN-Koalition wirft zudem für Vermittler die Frage auf, ob diese politische Neuordnung einen Platz in bestehenden Friedenskonzepten findet, und ob die beteiligten Parteien es gewährleisten können, dass eine mögliche Vereinbarung eingehalten wird.
Die Jagd auf Seltene Erden im Kongo
Für die Zivilbevölkerung im Osten des Kongo ist die zentrale Frage jedoch, ob der Führungswechsel einen Weg zu einer Einigung ebnet oder einen ohnehin komplexen Konflikt noch schwerer lösbar macht. In Beni, wo seit dem Fall von Goma die Institutionen der Provinz Nord-Kivu ihren Sitz haben, fürchten Einwohner eine weitere Eskalation.
Joël Kabunga vom Städtischen Jugendrat kritisiert den Einsatz von Waffengewalt: "Die Geschichte wiederholt sich immer wieder. Jeder glaubt, dass man zu den Waffen greifen muss, um an die Macht zu kommen. Das trägt dazu bei, die Demokratie in unserem Land zu begraben."
Mitarbeit: Wendy Bashi, Saleh Mwanamilongo, Jean Noel Ba Mweze, Pascal Muhindo Mapenzi
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