Teheran will zwischen Huthis und Saudi-Arabien vermitteln
Nach den folgenschweren Angriffen auf Saudi-Arabien hat der Iran seine Bereitschaft zur Vermittlung im Konflikt mit der jemenitischen Huthi-Miliz erklärt. Außenminister Abbas Araghtschi bot in einem Telefonat mit seinem saudi-arabischen Amtskollegen Faisal bin Farhan Unterstützung bei der Aufnahme von Friedensgesprächen an.
"Das Beharren auf einem militärischen Ansatz und die Missachtung einer politischen Lösung würden dazu führen, dass die bestehende Situation noch komplizierter wird", warnte Araghtschi laut einer Mitteilung des Außenministeriums in Teheran. Der Iran sei bereit, "jede Art von Unterstützung zu leisten", um eine politische Lösung zu ermöglichen.
Das Gespräch am Sonntag war der erste öffentlich bekanntgewordene Kontakt zwischen beiden Ministern seit der Ausweitung der Huthi-Angriffe.
Etliche Tote bei Angriffen auf Flughafen Riad
Am Wochenende hatte sich der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und den vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen massiv verschärft. Bei zwei Angriffen auf den internationalen Flughafen von Riad wurden insgesamt 14 Menschen getötet und Hunderte verletzt.

Allein bei der Attacke am Samstag kamen nach offiziellen Angaben 13 Menschen ums Leben, mehr als 300 wurden verletzt. Es war der tödlichste Angriff im Königreich seit mehr als einem Jahrzehnt.
Am Sonntag traf ein weiteres Projektil das Terminal 4 des Flughafens und löste ein Feuer aus. Dabei wurde ein Mensch getötet, elf weitere erlitten Verletzungen. Insgesamt stieg die Zahl der Todesopfer innerhalb einer Woche auf 18.
Auch im Süden Saudi-Arabiens hielt die Bedrohung an. Am frühen Montagmorgen wurde in der Stadt Abha Luftalarm ausgelöst. Die Luftabwehr fing nach eigenen Angaben eine ballistische Rakete ab, die auf die nahe gelegene Stadt Chamis Muschait abgefeuert worden war.
Flugverkehr weitgehend lahmgelegt
Die Angriffe haben erhebliche Auswirkungen auf den Flugverkehr. Der Flughafen von Riad blieb am Montag vorerst geschlossen. Nach Daten des Luftfahrt-Analyseunternehmens Cirium dürften rund 60 Prozent der geplanten Flüge ausfallen. Bereits am Sonntag waren demnach 99,7 Prozent aller Verbindungen gestrichen worden.

Die Huthis warnten Fluggesellschaften und Reisende erneut davor, saudi-arabische Flughäfen anzusteuern. Großbritannien und die USA gaben Reisewarnungen heraus. Die britische Botschaft riet von nicht notwendigen Reisen zu fast allen Flughäfen des Königreichs ab.
Von der Sperrung ist auch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche betroffen. Sie sitzt derzeit in Riad fest. Deutsche Regierungsvertreter bemühen sich um eine alternative Rückflugmöglichkeit. Reiche nahm an einer internationalen Energiekonferenz teil.
Huthis greifen weitere Ziele an
Die Miliz hat ihre Angriffe inzwischen ausgeweitet. Ihr Militärsprecher Jahja Sari erklärte, die Huthis hätten auch den Flughafen von Dammam im Osten Saudi-Arabiens sowie zwei Anlagen des Ölkonzerns Saudi Aramco attackiert.
Die saudi-arabische Luftfahrtbehörde bestätigte einen Einschlag auf dem Flughafen von Dammam. Ein Augenzeuge berichtete der Nachrichtenagentur Reuters, ein Projektil sei neben geparkten Flugzeugen eingeschlagen und habe ein Feuer ausgelöst.
Zugleich drohten die Huthis mit weiteren Angriffen. Das von ihnen kontrollierte Außenministerium erklärte: "Wenn der saudi-arabische Feind seine Aggression und Einmischung im Jemen nicht beendet, werden, so Gott will, noch schlimmere Dinge kommen."
"R4"-Staaten verurteilen die Angriffe
Die Türkei, Pakistan, Ägypten und Saudi-Arabien verurteilten die Angriffe in einer gemeinsamen Erklärung. Die als R4 bekannte Staatengruppe sprach von einer gefährlichen Eskalation und sicherte Saudi-Arabien ihre Solidarität zu. Sie machte die Huthis für die Folgen verantwortlich und forderte ein sofortiges und bedingungsloses Ende der Attacken.
Saudi-Arabien hatte seinen Militäreinsatz im Jemen zuletzt verstärkt, nachdem die Huthis strategisch wichtige Gebiete an der Küste des Roten Meeres eingenommen hatten. Nach Angaben der Rebellen flog die saudi-arabische Luftwaffe innerhalb von 24 Stunden 124 Angriffe. Diese Zahl ließ sich nicht unabhängig überprüfen.
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