«Will davon leben»: Robin steckt 100’000 Fr. in seine Wander-App

100’000 Franken aus dem eigenen Ersparten für eine Wander-App – obwohl es in der Schweiz bereits zahlreiche kostenlose Angebote gibt. Genau dieses Risiko ist Robin Pickis (32) eingegangen. Vor rund einem Jahr investierte er rund 60’000 Franken in eine Webversion. Weitere rund 40’000 Franken steckte er in die Weiterentwicklung zur App.
Am vergangenen Wochenende ging Pick a Peak im App Store und bei Google Play live. Mit Erfolg: «18 Stunden nach Launch standen wir das Wochenende über auf Platz 1 der Reise-Charts und Platz 8 aller Gratis-Apps im Schweizer App Store», sagt Robin. Am Mittwochnachmittag ist die App noch auf Platz 87.
Die Idee entstand aus Robins eigenem Wanderalltag und dessen Ärgernissen. Vor fünf Jahren startete der Nidwaldner auf Social Media den Wanderaccount Instaswiss, dem heute rund 151’000 Menschen folgen. «Ich war selber so oft an dem Punkt, an dem ich Stunden damit verbracht habe, Wanderungen zu planen», sagt er gegenüber 20 Minuten. Aus seiner Community habe er ähnliche Rückmeldungen erhalten.
Der Knackpunkt für ihn war die Anreisezeit: Robin wollte einstellen können, wie lange er unterwegs sein möchte, und danach nur Wanderungen sehen, die innerhalb dieser Zeit erreichbar sind. Stattdessen musste er Tour, Anreise und Bergbahnen einzeln prüfen. Vor rund drei Jahren begann er deshalb, an einer Lösung zu tüfteln. Er holte Feedback aus seiner Instagram-Community ein und entwickelte daraus Schritt für Schritt die App.
Die Schweiz ist ein Wanderland – warum also für eine App bezahlen?
Robins App umfasst derzeit rund 350 ausgewählte Wanderungen. Während einige Routen gratis zugänglich sind, setzt Robin bei der Mehrheit auf ein Bezahlmodell. «Ein Jahresabo kostet 39 Franken, ein Saison-Abo für drei Monate 19 Franken», sagt er. Daneben teste er Einzelkäufe für sechs Franken und überlege, eine Gratis-Probephase einzuführen.
Doch warum bezahlen, wenn Karten und Tourenvorschläge in der Schweiz vielerorts gratis sind? «Das ist eine berechtigte Frage», sagt Robin. «In keinem Land gibt es bessere Karten und Tourbeschreibungen – aber genau diese Menge überfordert viele.» Seine Hauptzielgruppe seien Menschen, die neu mit Wandern beginnen oder keine Lust hätten, «15 verschiedene Tabs offen zu haben».
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Was kann Pick a Peak besser als die Konkurrenz?
Neu ist die Idee nicht. Wer in der Schweiz eine Wanderung plant, kann bereits Plattformen wie Komoot, All Trails oder Schweiz Mobil nutzen. Robin wolle sich vor allem durch den Fokus aufs Wandern und eine kleinere, kuratierte Auswahl abheben.
Zu jeder Tour bündelt Pick a Peak neben Route und Schwierigkeitsgrad laut Robin auch Informationen zur Anreise, zu Bergbahnen und Webcams. Die derzeit rund 350 Touren reichen von flacheren Wanderungen bis zu anspruchsvollen Bergtouren. Sie stammen von Robin und acht weiteren Wanderbloggerinnen und Wanderbloggern und seien von ihnen selbst begangen worden. Weitere Touren und Mitwirkende sollen laufend dazukommen.
Trotzdem will der Content Creator die Auswahl bewusst überschaubar halten. Langfristig könne er sich kaum mehr als rund 1000 Wanderungen auf der Plattform vorstellen. «Die App ist ein digitales Wanderbuch, das sich konstant weiterentwickelt.»
Das sind Robins Lieblingswanderungen
- Sein Favorit: die Vierseenwanderung
Die Route zwischen Melchsee-Frutt und Engelberg führt an vier Bergseen vorbei. Robin mag sie besonders, weil sie gut zugänglich und abkürzbar ist. - Die Anspruchsvolle: die Salbitbrücke
Die spektakuläre Hängebrücke liegt im Göschenertal im Kanton Uri. Der Weg dorthin ist deutlich fordernder. «Es ist recht schwierig und anstrengend, dorthin zu kommen», sagt Robin. - Seine Lieblingshütte: die Lauteraarhütte
Die Lauteraarhütte im Grimselgebiet im Berner Oberland liegt hoch über dem Unteraargletscher und gehört ebenfalls zu Robins Favoriten.
Bereits 30’000 Franken Umsatz
Zum Start der Webversion verkaufte Robin nach eigenen Angaben innerhalb von rund drei Stunden 1000 limitierte, lebenslange Zugänge und erzielte 30’000 Franken Umsatz. Seit dem Start vor einem Jahr hätten insgesamt mehr als 2000 Personen einen Zugang gekauft. Mit Pick a Peak habe er nach eigenen Angaben inzwischen rund 70’000 Franken Umsatz erzielt.
Nun will Robin nicht mehr nur die Kosten decken, sondern Gewinn machen. Dafür peilt er 5000 bis 10’000 zahlende Nutzerinnen und Nutzer pro Jahr an. «Mein Ziel ist es, dass ich davon leben kann», sagt er. «Langfristig gesehen will ich, dass Pick a Peak weiter wächst und die Nummer eins der Schweizer Wander-Apps wird.»
«Da das Feedback aus meiner Community so positiv ist, habe ich die Ambition, die App weiter professionell auszubauen.» Auch Partnerschaften seien für ihn denkbar – etwa Zugänge für Hotelgäste oder Kooperationen mit Tourismusregionen.
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Robin kennt die Schattenseiten von Social Media
Mit Instaswiss erreicht Robin seit Jahren ein grosses Publikum – und kennt die Kehrseite von Wandercontent auf Social Media. «Für die Overtourism-Debatten bin ich mitverantwortlich», sagt er. In Diskussionen über überlaufene Fotospots sieht er seine eigene Rolle kritisch.
Mit Pick a Peak wolle er nicht weniger Wanderungen auf Instagram zeigen, sondern die Aufmerksamkeit breiter verteilen. Unter den rund 350 Touren seien bewusst auch weniger bekannte Wanderungen, statt immer dieselben viralen Fotospots in den Vordergrund zu rücken. «Eine der Lösungen, die ich habe, ist, dass man nicht mehr alles gratis auf dem Serviertablett serviert, um auch gewisse Dinge zu schützen.»
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Laura Zygmunt (lmz) arbeitet seit 2022 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Lifestyle und schreibt über die Welt des Reisens.
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