Frühdemenz: "Ich werde meine Freunde und Kinder verlieren"
Britta hat mit 56 Jahren die Diagnose Frühdemenz erhalten. Das verändert alles. Sie und ihre Familie kämpfen mit dem Weg ins Vergessen. Und versuchen die Zeit zu genießen, die ihnen noch bleibt.
22.09.2026 | 28:39 minBritta gehört zu den rund 100.000 Menschen in Deutschland, die vor ihrem 65. Lebensjahr an einer sogenannten Frühdemenz erkrankt sind. Mit 50 hat sie bereits die ersten Symptome, wird immer vergesslicher. Eine Ärzte-Odyssee beginnt, doch erst sechs Jahre später bringt eine Hirnwasseruntersuchung die traurige Gewissheit: Alzheimer.
Ich bin mit dem Kopf auf den Tisch und fing erstmal echt an zu weinen.
Britta
Auch für Brittas Mann Stefan ist das ein "Schlag ins Kontor". "Das ist ja für uns beide 'ne Einbahnstraße - klar, wo es hingeht."
Wenn das Gedächtnis schwindet
:Warum Früherkennung bei Alzheimer wichtig istRechtzeitig die ersten Anzeichen einer Alzheimer-Demenz zu erkennen, wird immer wichtiger. Denn inzwischen gibt es ein Medikament, das die Krankheit im frühen Stadium bremsen kann.
von Manuela Christ
mit Video2:41
Immer weniger Selbstständigkeit möglich
Und tatsächlich verliert die einst so unabhängige Frau mehr und mehr ihre Selbständigkeit. Alleine reisen oder Autofahren geht nicht mehr. "Ich bin nicht mehr die Große, die ich mal war." Besonders hart trifft es Britta, als sie ihren geliebten Beruf als Lehrerin aufgeben muss.
Das ist eine Lücke in mir.
Britta
Auch ihre Familie muss lernen, mit einer Wahrheit umzugehen, die kaum zu ertragen ist: Brittas Weg ins Vergessen ist nicht aufzuhalten. Denn es gibt derzeit noch kein Mittel gegen Demenz. Und die Medikamente, die den Verlauf etwas verzögern könnten, verträgt sie nicht. Sie machen sie apathisch und teilnahmslos.
Ihre Tochter Marisa (r.) unterstützt Britta (l.), wo sie kann. Beim Shoppen genießen die beiden ihre Mutter-Tochter-Zeit.
Quelle: ZDFIhre vier Kinder unterstützen Britta, wo sie können. Dennoch fürchtet sich ihr 28-jähriger Sohn Peer davor, "dass irgendwann dieser Tag kommt, wo Mama vor mir steht und nicht mehr weiß, wer ich bin. Und das Schlimme ist einfach, dass man weiß, dass er kommt. Man weiß aber eben nicht, wann er kommt." Auch Tochter Marisa schaut mit Sorge in die Zukunft:
Wird Mama auf meiner Hochzeit sein? Wird Mama meine Kinder kennenlernen?
Marisa (22), jüngste Tochter von Britta
Dieses Casino bei Tokio ist eine Tagesbetreuung für Senioren und die japanische Antwort auf die zunehmenden Demenzerkrankungen.
23.04.2025 | 6:26 minBritta weiß, was auf sie zukommt und fürchtet sich davor. "Ich werde ja auch meine Freunde und meine Kinder verlieren. Da steht Demenz zwischen uns." Traurig macht sie auch, dass sie nicht "die Mama bis zum Schluss" für ihre Kinder sein könne, die sie gerne sein wolle.
Lebensmotto trotzdem: "Carpe diem"
Und doch will sie der Krankheit die Stirn bieten - mit Ergotherapie, Bewegung, Lebensfreude. Und sie will die Zeit, die ihr bleibt, so gut es geht genießen: "Carpe diem, das ist so wichtig für mich", sagt Britta und hält an ihrem Lebensmut fest.
Britta hat das Kinderbuch "Mama Berta und das Vergessen" geschrieben. Mit ihren Lesungen will sie anderen von Demenz Betroffenen Mut machen.
Quelle: ZDFDazu gehört auch ihr Herzensprojekt: ein Bilderbuch für ihre Enkelkinder. Darin erzählt sie die Geschichte einer Schafsfamilie und der "Elfe Dementia", die Gedanken in Feenstaub verwandelt. Britta hat das Buch selbst geschrieben und illustriert. Sie hält Lesungen in Schulen, Büchereien und im Seniorenheim.
Für ihr außergewöhnliches Engagement wird sie von der Hertie-Stiftung ausgezeichnet. Brittas Ziel ist es, über Alzheimer aufzuklären und Ängste abzubauen.
Manchmal weiß ich gar nicht mehr, ob ich etwas gesagt oder nur gedacht habe.
Britta
Brittas Kurzzeitgedächtnis lässt mehr und mehr nach - typisch für Alzheimer. Die Krankheit schreitet weiter voran, die guten Tage werden seltener. Ihr Mann Stefan arbeitet nur noch in Teilzeit, Britta wird stundenweise von einer durch die Pflegeversicherung finanzierten Eingliederungshilfe betreut.
Laut WHO könnten bis zu 45 Prozent des Demenzrisikos verhindert oder verzögert werden. Risikofaktoren sind unter anderem Tabak- und Alkoholkonsum sowie Bewegungsmangel.
15.07.2026 | 0:37 minZweisamkeit verändert sich
Im Alltag ist sie zunehmend auf Unterstützung angewiesen. Besonders schmerzt die beiden, dass Gespräche immer mühsamer werden und sich ihre Zweisamkeit verändert.
"Wahrscheinlich wird es so sein, dass ich Britta auch in einem Rollstuhl sitzend irgendwohin schieben werde, mit einer Windel um", sagt ihr Mann Stefan. Reden werde dann nicht mehr möglich sein. "Ich stelle mir das so schrecklich vor. Das mitzuerleben, wie du verfällst", drückt er seine Angst aus.
Ich nehme schon Abschied. Das ist so. Und ich merke, ich gehe in die andere Welt langsam über.
Britta
Britta bereitet sich vor. Sie hat bereits Lieder für ihre Beerdigung herausgesucht. Angst vor dem endgültigen Vergessen und dem Tod hat sie aber nicht. Bis zu diesem Tag will das Paar, das sich erst vor acht Jahren kennengelernt hat, an seiner Liebe festhalten.
Stefan wünscht sich, "dass wir noch viel voneinander haben und dass wir noch so lange miteinander rumdödeln können, wie wir das jetzt auch machen". Britta bestätigt: "Also das wünsche ich mir auch ganz doll, dass das ein langsamer Verlauf ist."
Jedes Jahr erhalten weltweit etwa zehn Millionen Menschen die Diagnose Alzheimer. Die Krankheit ist nicht heilbar. Welche Möglichkeiten haben Ärzte und Patienten?
22.09.2025 | 27:56 minKioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.