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Friday, October 16, 2026

Kleine Kinder: Hat Amaudruz bei Feministinnen einen Mami-Bonus?

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  • SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz kandidiert für die Nachfolge von Bundesrat Guy Parmelin.
  • Ihre beiden Töchter, ein und drei Jahre alt, sorgen für Debatten, ob das Amt mit Kleinkindern vereinbar ist.
  • Alliance F fordert ein reines SVP-Frauenticket, Parlamentarierinnen sind sich über einen Mami-Bonus uneinig.

Die Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz ist die erste SVP-Kandidatin, die ihren Hut in den Ring wirft. Am Donnerstag verkündete sie, für die Nachfolge ihres engen Freundes Guy Parmelin zu kandidieren.

In den Tagen zuvor sorgte vor allem ein Aspekt in den Medien für Aufsehen: ihre beiden Töchter, ein und drei Jahre alt. «Eine Frage beschäftigt Bundesbern», schrieb etwa der Blick, «Céline Amaudruz, Mutter von Kleinkindern und Bundesrätin? Kritische Gedanken zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf», die Weltwoche. Und der Tages-Anzeiger kommentierte: «Kann eine Frau Bundesrätin und Mutter kleiner Kinder sein? Hört auf mit dieser peinlichen Debatte.»

Tatsächlich wäre Amaudruz – sofern sie es auf das Ticket ihrer Partei schafft und auch gewählt wird – die erste Bundesrätin, die das Amt mit Kleinkindern antritt. Sie selbst reagierte während ihrer Kandidaturankündigung sichtlich genervt auf die Frage, ob das vereinbar sei. Doch welche Rolle spielt dieser Umstand in Bundesbern?

Schon während der Medienkonferenz forderte der Frauendachverband Alliance F die SVP in einer Medienmitteilung zu einem «reinen Frauenticket» auf. Somit wären wieder drei Frauen in der Landesregierung vertreten und die Konkordanz hergestellt, argumentiert der Verband. Könnte Amaudruz nun mit einem Mami-Bonus punkten?

Maya Graf: «Bei Berset war es kein Thema»

Darauf angesprochen, betont Maya Graf, Co-Präsidentin des Verbands und Grünen-Ständerätin: «Als Alain Berset in den Bundesrat gewählt wurde, hatte er ebenfalls kleine Kinder – das war damals kein Thema.» Im Jahre 2026 könne man es also ruhig der Familie Amaudruz überlassen, wie sie sich organisiere, wenn sie das Amt übernehmen wolle.

Ausserdem gehöre die Familie «selbstverständlich» dazu, wenn auch jüngere Generationen im Bundesrat vertreten sein sollen. Aber die Ständerätin stellt klar: «Für die Wahl entscheidend sind letztlich die Fähigkeiten und Kompetenzen der Kandidatinnen.»

Aus der linken Ratshälfte ertönt hinter vorgehaltener Hand unter anderem die Kritik, dass Amaudruz nicht den Normalfall darstelle: Aufgrund ihrer privilegierten finanziellen Situation – die Genferin ist Millionärin – sei die Betreuung ihrer Kinder durch beispielsweise Nannys ein Leichtes. Öffentlich äussern will sich dazu jedoch niemand.

Sarah Wyss: «Sie kandidiert – jetzt zählen nur die Inhalte»

Offen äussert sich SP-Nationalrätin Sarah Wyss. Die Debatte um Amaudruz’ Kinder werde vor allem in der Deutschschweiz geführt, merkt sie an. «In der Romandie fokussiert man stattdessen auf ihre Positionen und Interessenkonflikte – das wäre die Diskussion, die man eigentlich führen muss», kritisiert die Baslerin, die vor zwei Jahren selbst Mami wurde.

Grundsätzlich müssten sich alle Kandidierenden, Frauen sowie Männer, fragen, ob das Amt ins eigene Leben passt. Das sei ein persönlicher Entscheid und kein öffentliches Thema. «Wenn man sich dann dafür entscheidet, zu kandidieren – wie es Amaudruz nun getan hat –, zählen nur noch die Inhalte», so Wyss.

«Letztlich ist Céline Amaudruz eine typische SVP-Hardlinerin, die mit der Hellebarde auf dem Bundesplatz steht. Ob sie dazu noch kleine Kinder hat oder nicht, spricht weder für noch gegen sie», sagt die SP-Nationalrätin Sarah Wyss. (Archivbild)

«Letztlich ist Céline Amaudruz eine typische SVP-Hardlinerin, die mit der Hellebarde auf dem Bundesplatz steht. Ob sie dazu noch kleine Kinder hat oder nicht, spricht weder für noch gegen sie», sagt die SP-Nationalrätin Sarah Wyss. (Archivbild)20min/Stefan Lanz

Schliesslich brauche es eine Bundesrätin oder einen Bundesrat, die oder der sich an die Demokratie halte und zu den Schweizer Grundwerten stehe. «Letztlich ist Céline Amaudruz eine typische SVP-Hardlinerin, die mit der Hellebarde auf dem Bundesplatz steht. Ob sie dazu noch kleine Kinder hat oder nicht, spricht weder für noch gegen sie», sagt die SP-Nationalrätin.

Bettina Balmer: «Es kann sogar ein Vorteil sein»

Bettina Balmer ist dreifache Mutter, Kinderchirurgin, Nationalrätin und Präsidentin der FDP Frauen: «Es muss kein Nachteil sein, dass Céline Amaudruz zwei kleine Kinder hat», sagt sie. Im Gegenteil: «Es kann sogar ein Vorteil sein, weil sie mit beiden Beinen im Leben steht und weiss, was die Mütter bewegt.» Balmer weiss aus eigener Erfahrung: «Wenn man will, ist ein grosses berufliches Engagement auch mit Kindern machbar. Aber es geht nicht ohne Verzicht.»

Als Kinderchirurgin habe sie bis zu 70 oder 80 Stunden pro Woche im Spital gearbeitet: «Es ist hart, wenn die eigenen Kinder die Betreuerin fast besser kennen, das habe ich als Mutter phasenweise schon auch einmal zu spüren bekommen.» Anders als im Bundesrat habe man als Ärztin aber auch freie Tage. Die jetzige Debatte zeigt laut Balmer, dass Mütter in höchsten politischen Ämtern anders als in anderen Ländern noch keine Selbstverständlichkeit sind: «Ich hoffe, dass dies in fünf bis zehn Jahren auch in der Schweiz zur Normalität gehört.»

Die SVP hat noch nie eine Bundesrätin gestellt, weder mit noch ohne Kinder: «Es wäre schön, wenn sich ausgerechnet die SVP mit so einer Pionierrolle hervortun würde», sagt Balmer, betont aber auch: «Ich glaube, Céline Amaudruz könnte es, aber ich wähle niemanden nur deshalb, weil sie eine Frau mit kleinen Kindern ist. Wenn mehrere in etwa gleich fähige Kandidaten zur Auswahl stehen, kann es aber ein Pluspunkt sein.»

Nina Fehr Düsel: «Ich urteile nicht»

Für SVP-Nationalrätin Nina Fehr Düsel ist Céline Amaudruz eine «gute Kandidatin». Man müsse jetzt aber schauen, wer sonst noch alles kandidiert. Zur Frage der Vereinbarkeit betont die Zürcherin: «Jeder muss selber wissen, wie er seine Prioritäten setzt. Es ist nicht an mir, zu urteilen.» Sicher sei, dass das Amt des Bundesrats kein 0815-Amt sei. Man sei viel unterwegs und müsse auch am Abend und an den Wochenenden arbeiten. Fehr Düsel fordert, diese Debatte solle nicht nur bei Frauen, sondern auch bei Vätern mit kleinen Kindern geführt werden.

Mit ihrer Kandidatur könnte Amaudruz laut Fehr Düsel für junge Frauen und Mütter eine gewisse Vorbildfunktion einnehmen. «Es ist immer schön, wenn Frauen motiviert sind, in die Politik zu gehen», so die zweifache Mutter.

Am Schluss gelte es aber, die bestgeeignete Person mit möglichst viel Erfahrung und Charisma zu wählen. Die Diskussion um die Parmelin-Nachfolge drehe sich ihrer Meinung nach zu stark um die Geschlechterfrage statt um die Qualität der Kandidatinnen und Kandidaten, so die SVP-Nationalrätin. Frauen, ob mit oder ohne Kinder, dürften keinen Bonus erhalten. Die SVP habe schliesslich auch «gute Männer».

Was hältst du davon, dass bei einer Bundesratskandidatin kleine Kinder mitdiskutiert werden?

Christina Pirskanen

Christina Pirskanen (pir) arbeitet seit 2022 für 20 Minuten. Sie ist seit Januar 2026 stv. Leiterin des Ressorts Politik.

Delia Bachmann

Delia Bachmann (dba), Jahrgang 1993, arbeitet seit 2024 für 20 Minuten. Als Redaktorin im Ressort Politik berichtet sie über das Geschehen in Bundesbern.

Aira Flückiger (fla) arbeitet seit 2026 für 20 Minuten. Sie ist Praktikantin im Ressort Politik.

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