700.000 Menschen bei Messe: Papst Leo XIV. gängelt Materialismus vor Megakulisse

700.000 Menschen bei MessePapst Leo XIV. gängelt Materialismus vor Megakulisse
26.09.2026, 17:22 Uhr

Der Besuch von Papst Leo XIV. in Paris wird zu einem Mega-Event. 700.000 Menschen strömen zur Messe, darunter ist auch viel Politprominenz. Nachdem er den Menschen auf der Prachtstraße Champs-Élysées zugejubelt hat, wendet er sich in seiner Predigt der falschen Verheißung materieller Güter zu.
Als Höhepunkt seines Frankreich-Besuchs hat Papst Leo XIV. im Stadtzentrum von Paris eine große Messe mit 700.000 Teilnehmern gefeiert. Das Oberhaupt der katholischen Kirche wurde auf seiner Fahrt mit dem Papamobil über die Prachtstraße Champs-Élysées von einer riesigen Menschenmenge bejubelt. Die Messe fand dann auf der Place de la Concorde statt, einem der größten Plätze von Paris. Schon Stunden zuvor war dort kein Durchkommen mehr.
In seiner Predigt rief das Oberhaupt der katholischen Kirche dazu auf, über den Sinn des Lebens nachzudenken: "Was suchen wir wirklich im Leben?", fragte er. "Begnügen wir uns mit materiellen Gütern, der sofortigen Erfüllung unserer Wünsche, den kleinen Idolen, die uns alles Mögliche versprechen, aber unser Herz leer lassen?"
"Es gibt auch heute viele Menschen, die sich in der Gesellschaft und in den Pfarreien für das Leben, die Familie, die Wahrheit und den Frieden einsetzen", sagte der Papst. Er ermutigte insbesondere Jugendliche und diejenigen, die sich auf die Taufe vorbereiten, "lebendige Zeugen einer Zivilisation der Liebe" zu werden.
Unter den Teilnehmern war auch viel französische Politprominenz wie Premierminister Sébastien Lecornu und die rechte Politikerin Marine Le Pen, die nächstes Jahr Präsidentin werden will. Staatschef Emmanuel Macron, der nicht mehr kandidieren darf, blieb der Messe fern. Begründet wurde dies mit der strikten Trennung in Frankreich von Kirche und Staat. Dafür war seine Frau Brigitte dabei.
Leo XIV. kommt Deutschland nahe
Der in den USA geborene Papst hält sich seit Freitag zu einem Besuch in Frankreich auf. Am späten Nachmittag geht es weiter in den Marien-Wallfahrtsort Lourdes im Südwesten des Landes. Letzte Station wird am Montag Metz sein, unweit der deutsch-französischen Grenze.
Am Samstag besuchte Leo zunächst ein Sozialzentrum. Später kam er mit Erwachsenen zusammen, die sich erst kürzlich hatten taufen lassen. An sie appellierte er, sich im Glauben an Christus nicht beirren zu lassen und den Glauben auch weiterzuverbreiten. In Frankreich haben sich nach Angaben der französischen Bischofskonferenz im laufenden Jahr 13.000 Erwachsene taufen lassen, dreimal so viele wie vor zehn Jahren. Allerdings hat sich die Zahl der Kindertaufen seit dem Jahr 2000 mehr als halbiert.
Zwar bilden die Katholiken in dem 69-Millionen-Einwohner-Land weiterhin die größte religiöse Gruppe in Frankreich. Der Anteil der Muslime hat in den vergangenen Jahren aber deutlich zugenommen. Viele bekennen sich überhaupt nicht mehr zu einer Religion.
In Frankreich gilt - bis auf einige Regionen im Osten - eine strikte Trennung von Kirche und Staat (Laizität). Trotzdem ist die Begeisterung für den Besuch des Papstes groß. Die Eingänge zur Messe auf der Place de la Concorde, einem der größten Plätze von Paris, waren schon Stunden vor Beginn um 15 Uhr blockiert.
"Papomanie" greift in Paris um sich
Viele Gläubige vertrieben sich die Zeit vor Beginn der Messe mit Chorgesängen. Manche trugen Trikots der französischen Fußball-Nationalmannschaft mit dem Aufdruck "Pape Léon" (Papst Leo) und der Rückennummer 14. Aus Sicherheitsgründen war die Umgebung rund um die Champs-Élysées bis zur anderen Seite der Seine weiträumig abgesperrt.
Einer der Hunderttausenden, der Franzose Étienne Fabre, sagte: "Auf diesen Besuch haben wir hier in Paris fast 20 Jahre gewartet. Wir haben den Papst schmerzlich vermisst." Zuletzt war der deutsche Papst Benedikt XVI. 2008 in der französischen Hauptstadt zu Besuch. Angesichts der Jubelszenen war in einigen französischen Medien von "papomanie" (Papstmanie) die Rede.
Unter den Besuchern sind auch Kirchengruppen aus Deutschland. Der Theologie-Student Johann Beikircher aus Freiburg sagte: "So etwas wie hier, diese große Freude, wäre in Deutschland undenkbar. Hier hat die Kirche keine Angst, sich zu verstecken." Trotzdem hoffe er auf einen baldigen Deutschland-Besuch des Papstes. Einen Termin dafür gibt es nicht.
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