Lohn bleibt aus – wie lange hält man durch?

Kaum Geld auf hoher Kante
Lohn bleibt aus – wie lange hält man durch?
45 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer könnten bei einem Lohnausfall ihren bisherigen Lebensstandard höchstens drei Monate halten – obwohl die meisten fleissig sparen. Grund dafür sind steigende Mieten, Krankenkassenprämien und Energiekosten.
Publiziert: vor 47 Minuten
- Knapp 45 Prozent könnten ihren Lebensstandard bei einem Einkommensausfall nicht länger als drei Monate halten
- Besonders betroffen sind junge Menschen
- Steigende Fixkosten bereiten die grössten finanziellen Sorgen
Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft
Der Lohn bleibt aus, die Rechnungen flattern aber weiter in den Briefkasten: Wie lange würde das Geld reichen? Bei fast der Hälfte der Bevölkerung nur wenige Monate, wie eine neue Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) zeigt.
Konkret ist das bei 44,9 Prozent der Befragten der Fall: Ihre finanziellen Reserven reichen nur für drei Monate, um ihren Lebensstandard bei einem Einkommensausfall aufrechtzuerhalten. Bei den 26- bis 35-Jährigen sind es sogar 56,5 Prozent. 15 Prozent aller Befragten haben gar kein finanzielles Polster, auf das sie im Notfall zurückgreifen können.
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Selbst Gutverdiener sind nicht immer abgesichert
Besonders krass: Selbst ein fünfstelliges Einkommen schützt nicht vor einem dünnen Finanzpolster. Gut jede vierte befragte Person mit einem monatlichen Haushaltseinkommen von mindestens 10'000 Franken gibt an, dass ihre Reserven bei einem Einkommensausfall höchstens drei Monate reichen würden.
Dabei sind Herr und Frau Schweizer fleissige Sparer. Mehr als 82 Prozent legen zumindest gelegentlich Geld auf die Seite. Doch das allein reicht nicht: «Regelmässiges Sparen bedeutet noch nicht, dass ein Haushalt ausreichend auf einen Einkommensausfall vorbereitet ist», erklärt Studienautorin Selina Lehner. Demgegenüber sparen 13,2 Prozent überhaupt nicht, 4 Prozent geben sogar mehr Geld aus, als sie einnehmen.
Wie angespannt die Lage bei manchen ist, zeigt sich auch im Alltag. Knapp ein Viertel, genauer 23,8 Prozent, musste sich innerhalb der letzten zwölf Monate Geld leihen. Bei den Befragten mit besonders knappen Reserven – also jenen, die aktuell nicht sparen und ein Polster für höchstens drei Monate haben – waren es mehr als die Hälfte (54,2 Prozent). 68,6 Prozent von ihnen hatten in den letzten fünf Jahren zudem Schwierigkeiten, ihre Steuern zu bezahlen. Über alle Befragten hinweg wurde die rechtzeitige Zahlung der Steuerrechnung für 29 Prozent zum Problem.
Und was drückt besonders aufs Portemonnaie? Laut Studie ganz klar die steigenden Fixkosten: Miete, Prämien, Energiekosten – 22 Prozent bereitet der stetige Anstieg die grössten finanziellen Sorgen. Dahinter folgt die Angst vor einer ungenügenden Altersvorsorge. Jedem Zehnten bereiten unvorhergesehene Rechnungen die grössten Bauchschmerzen. «Steigende Fixkosten belasten Haushalte nicht nur einmalig, sondern Monat für Monat», warnt ZHAW-Experte Holger Hohgardt. Gerade wer wenig finanzielle Reserven habe, könne unerwartete Ausgaben nur schwer auffangen. Für die Studie wurden im Juni 2026 insgesamt 963 Personen befragt.
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