Rücktritt – Guy Parmelin: «Meine Frau hat gesagt: Jetzt bitte Ordnung»

Bundespräsident Guy Parmelin erklärt im SRF-Interview, wieso es ein Vorteil ist, wenn man unterschätzt wird, und wieso seine Frau erwartet, dass er nach seiner Zeit als Bundesrat sein privates Büro aufräumt.
Guy Parmelin
Amtierender Bundespräsident
Guy Parmelin ist seit 2016 Bundesrat. Der SVP-Politiker wurde 2015 als Nachfolger der zurückgetretenen Eveline Widmer-Schlumpf (BDP) in die Regierung gewählt. Seit 2019 ist Parmelin Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung. Er ist 1959 geboren und war bis zu seiner Wahl in den Bundesrat als Meisterlandwirt und -weinbauer tätig. 2003 wurde er für den Kanton Waadt in den Nationalrat gewählt.
SRF: Was werden Sie weniger missen nach Ihrer Zeit als Bundesrat?
Wenn man im Ausland im Auto ist, und man warten muss, dass einem jemand die Türe öffnet. Ich habe auch heute noch Mühe, mich daran zu gewöhnen.
Wenn Sie unterschätzt werden, kann das auch einen Vorteil haben.
Wenn wir zurückblicken: Vor elf Jahren wurden Sie in der Deutschschweiz als Bundesrat fast ein wenig belächelt. Heute wird über Sie als erfolgreichen Krisenmanager und Macher geschrieben. Macht Sie dieser Wandel in der öffentlichen Wahrnehmung stolz? Und wie erklären Sie sich ihn?
Sie müssen zuerst die Kritik annehmen und sich dann auch immer versuchen zu verbessern. Wenn Sie unterschätzt werden, kann das auch einen Vorteil haben. Das heisst, man lässt Sie in Ruhe, und Sie können arbeiten.
Mit dem Zollstreit mit den USA liegt ein sehr anstrengendes Jahr hinter Ihnen. Hat das auch müde gemacht?
Ja, manchmal. Das war nicht einfach. Aber man muss immer motiviert bleiben. Als Bundesrat muss man sich für das allgemeine Interesse engagieren, das haben wir gemacht. Natürlich war es manchmal auch schwierig. Direkt nach diesem Zollhammer war es mühsam. Im Bundesrat haben wir lange diskutiert, wie weiter. Weil am Ende auch der Bundesrat gemeinsam gewinnt oder verliert.
Sie konnten ausserordentlich viele Freihandelsabkommen abschliessen in Ihrer Zeit als Wirtschaftsminister. Wo sehen Sie die Schweiz in der Zukunft? Kann man diesen Weg des Freihandels noch gross auszubauen?
Die Zukunft, die Prosperität der Schweiz ist abhängig von dem. Wir sind nur neun Millionen. Unser interner Markt ist klein. Wenn wir diese Möglichkeiten für unsere Wirtschaft nicht haben, dann verlieren wir unsere Wettbewerbsfähigkeit.
Meine Frau hat klar gesagt: Jetzt bitte Ordnung.
Sie haben heute gesagt, ein Ziel nach der Zeit als Bundesrat sei, Ihr privates Büro aufzuräumen. Ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten, aber wird das mehr als einen Tag Arbeit beanspruchen?
Oh ja, das dürfte mehr als einen Tag dauern. Ich weiss, wo sich die einzelnen Dossiers befinden. Doch die Dossiers sind verstreut, manchmal auch am Boden. Meine Frau hat klar gesagt: Jetzt bitte Ordnung.
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