Grenzkrieg mit Afghanistan: Pakistan eskaliert wieder am Hindukusch

Die pakistanische Luftwaffe greift erneut angebliche Terroristenlager in Afghanistan an. Erstmals gibt es Berichte über eine Unterstützung bewaffneter Taliban-Gegner.
Foto: Abdul Khaliq/ap
Pakistan hat in der Nacht zu Donnerstag zum dritten Mal innerhalb von knapp zwei Wochen Ziele in Afghanistans bombardiert. Laut Informationsministerium in Islamabad richteten sich die Angriffe gegen zwei „Terroristenlager“ der Taliban-Bewegung Pakistans (TTP). Mindestens 22 „Militante“ sollen dabei getötet und große Mengen an Waffen und Munition vernichtet worden sein. Man habe „maximale Vorsichtsmaßnahmen“ getroffen, um „Kollateralschäden“ zu vermeiden.
Das afghanische Innenministerium des Taliban-Regimes in Kabul bestätigte Luftangriffe auf die Provinzen Helmand im Süden und Kunar im Osten des Landes, sprach aber nur von zivilen Opfern. Insgesamt seien neun Menschen getötet und elf weitere verletzt worden.
Die Nachrichtenagentur AFP zitiert einen Dorfbewohner in Helmand: „Da waren Kinder, Frauen; sie haben sie getötet. Hier gibt es weder Militär noch sonst irgendetwas.“ In Kunar wurde laut AFP eine Frau aus den Trümmern eines zerstörten Hauses gerettet. Dort habe man später ihren Mann und vier Kinder tot geborgen.
Pakistan beschuldigt das afghanische Taliban-Regime, keine wirksamen Maßnahmen gegen bewaffnete Gruppen wie die TTP zu ergreifen, die in Pakistan Sicherheitskräfte und Zivilisten angreifen. Kabul bestreitet eine Verbindung zu diesen Gruppen.
Pakistan sieht sich in einem „offenen Krieg“
Die Kämpfe eskalierten im vorigen Oktober und erneut im Februar dramatisch, als Islamabad nach mehreren Anschlägen mutmaßlich der TTP und anderer Gruppen erklärte, es befinde sich in einem „offenen Krieg“ mit Afghanistan. Allein im Oktober 2025 starben laut UNO dabei über 500 afghanische Zivilist*innen.
Seit 2014 leben etwa 12.000 pakistanische Flüchtlinge in Afghanistan, die meisten im Lager Gulan in der Südostprovinz Chost. Diese wurde Ende September von Pakistan angegriffen. Dort können auch TTP-Kämpfer untertauchen.
Islamabad kündigte jetzt an, die Kampagne gegen „die Bedrohung durch den von ausländischen Kräften geförderten und unterstützten Terrorismus“ aus dem Nachbarland werde fortgesetzt. Verhandelt wird seit März nicht mehr. Damals scheiterten Vermittlungsversuche Chinas und zuvor Saudi-Arabiens und der Türkei.
Auch Pakistan unterstützt offenbar wieder oppositionelle und auch bewaffnete afghanische Gruppen. Am Donnerstag erklärte das Taliban-Verteidigungsministerium, „Operationen gegen Militante, die mit pakistanischer Unterstützung in den Bezirk Kamdesch in der östlichen Provinz Nuristan eingedrungen waren“, seien abgeschlossen. Dabei seien 41 Angreifer getötet und 62 weitere gefangen genommen worden.
„Pakistanische Milizen und Hilfstruppen sowie Rebellen des ‚Islamischen Staates‘ (IS) waren ebenfalls vor Ort“, hieß es weiter. Taliban-nahe Medien sprachen von 400 Angreifern. Doch sind alle Zahlen mit Vorsicht zu genießen. In den sozialen Medien kursierten Videos von Gefangenen. Pakistan hingegen dementierte jegliche Beteiligung.
Berichte über Angriffe auf Polizeiposten der Taliban
Am vorigen Wochenende hatten afghanische Exilmedien berichtet, Kämpfer der Afghanischen Freiheitsfront (AFF) hätten in Kamdesch Taliban-Polizeiposten eingenommen und die Taliban einen Gegenangriff gestartet. AFF behauptete in Onlinemedien, ihre Kommandos hätten Teile von Kamdesch in Nuristan sowie des Nachbardistrikts Nari in Kunar „aus der Kontrolle der Taliban befreit“ und dabei ihrerseits 37 Taliban getötet und 24 weitere verletzt.
Die AFF ist eine von mehreren bewaffneten Anti-Taliban-Gruppen. Sie wurde im März 2022 vom afghanischen Ex-Generalstabschef Jassin Sia gegründet. Zu ihr gehören frühere Angehörige der von den USA ausgebildeten Elitetruppen.
Pakistan veranstaltete auch Treffen der afghanischen zivilen Opposition, darunter Teile der Frauenbewegung. Andere Taliban-Gegner*innen verurteilten diese Kooperation. Ex-Vizeverteidigungsminister Tamin Asey etwa warf ihnen vor, sich von Pakistan „für mediale und politische Zwecke“ missbrauchen zu lassen.
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