Kopierschutz: Denuvo verklagt Cracker voices38 in den USA
Der Kopierschutz-Hersteller Denuvo hat am 14. September bei einem US-Bundesgericht im nördlichen Distrikt von Kalifornien Klage gegen den anonymen Cracker voices38 eingereicht. Denuvo wirft dem Angeklagten vor, die Anti-Tamper-Technik des österreichischen Unternehmens bei 26 Spielen umgangen zu haben.
Die Klage ist als 5:2026cv10423 in den US-Gerichtsakten verzeichnet. Die Klageschrift, die das Blog TorrentFreak veröffentlicht hat, nennt als Ziele von voices38 neben älteren Titeln wie „FIFA 20“ auch jüngere Spiele wie „Hogwarts Legacy“, „Black Myth: Wukong“, „Resident Evil Requiem“ und „Doom: The Dark Ages“. Deren Publisher sind laut Klageschrift allesamt Denuvo-Kunden, an der Klage aber nicht beteiligt. Das kalifornische Gericht hält Denuvo unter anderem deshalb für zuständig, weil die vom Cracker genutzten Social-Media-Dienste Reddit und Discord dort ihren Sitz haben.
Denuvo hält an keinem dieser Spiele selbst die Rechte und kann voices38 deshalb nicht wegen einer klassischen Urheberrechtsverletzung verklagen, erläutert TorrentFreak. Die Klage stützt sich stattdessen auf das Umgehungsverbot im US-Urheberrechtsgesetz DMCA. Es untersagt, technische Schutzmaßnahmen auszuhebeln oder Werkzeuge und Anleitungen dafür zu verbreiten. Klagen darf jeder, dem dadurch ein Schaden entsteht.
Denuvo wirft voices38 vor, er habe den Kopierschutz umgangen und außerdem auf Reddit Material und Anleitungen veröffentlicht, mit denen andere an die geknackten Spiele kommen. Das Unternehmen fordert Schadensersatz sowie eine Verfügung, die voices38 das Umgehen von Denuvo in allen erschienenen und künftigen Spielen untersagt.
Identität unbekannt
Wer hinter voices38 steckt, weiß Denuvo nicht. In der Klage wird der Beschuldigte als unbekannte Person oder Organisation geführt. Denuvo listet eine Discord-Nutzer-ID, einen Reddit-Account und sieben Steam-Profile auf, die es dem Cracker zuordnet. Laut TorrentFreak könnte Denuvo über das Verfahren beantragen, Valve, Reddit und Discord zur Herausgabe der hinterlegten Kontodaten zu verpflichten. Einen solchen Antrag gebe es aber noch nicht.
Der Cracker ist laut TorrentFreak vor allem für klassische Cracks bekannt, die Denuvos Prüfabfragen direkt aushebeln. Anders als bei den Hypervisor-Bypasses, mit denen Denuvo-Spiele 2026 teils schon zum Release geknackt wurden, müssen Nutzer dafür keine Sicherheitsfunktionen von Windows abschalten. Die Liste der 26 Spiele war schon bei Einreichung der Klage nicht mehr vollständig: In den Wochen davor hatte voices38 weitere Cracks veröffentlicht, darunter für „Persona 3 Reload“ und „Star Wars Outlaws“. Der Cracker gibt sich unbeeindruckt und schrieb laut TorrentFreak auf Reddit, alles sei in Ordnung und es gehe weiter wie bisher.
Erster Fall vor US-Gericht
Laut TorrentFreak verklagt Denuvo zum ersten Mal einen Cracker vor einem US-Gericht. Das Unternehmen ist aber schon früher gegen Cracker vorgegangen: 2018 hatte Denuvo-Mutter Irdeto bei den bulgarischen Behörden Strafanzeige gegen den damals 21-jährigen Voksi gestellt, der zuvor zahlreiche Denuvo-geschützte Spiele geknackt hatte. Die bulgarische Polizei beschlagnahmte seinen Server und seinen PC, Voksi kündigte daraufhin seinen Rückzug aus der Szene an.
Aus Sicht der Publisher muss Denuvo nicht lange halten, um sich zu rechnen. Das legt eine Studie des Wirtschaftswissenschaftlers William Volckmann nahe, der 86 Denuvo-geschützte Steam-Spiele ausgewertet hat. Geknackte Spiele setzen demnach in den ersten zwölf Wochen nach Release im Schnitt 15 Prozent weniger um als vergleichbare, nicht geknackte Titel. Danach schrumpft der Unterschied so stark, dass Publisher den Kopierschutz laut Volckmann mit minimalen Einbußen entfernen könnten.
Denuvo ist unter Spielern trotzdem unbeliebt – unter anderem, weil der Kopierschutz immer wieder im Verdacht steht, die Performance von geschützten Spielen zu beeinträchtigen. Die Entwickler des Strategiespiels „Humankind“ entfernten Denuvo 2021 noch vor dem Release, weil sich der Kopierschutz laut Studiochef Romain De Waubert nicht ohne Leistungseinbußen integrieren ließ. Im selben Jahr wurde bekannt, dass eine Raubkopie von „Resident Evil 8“ flüssiger als die PC-Kaufversion lief. Die Cracker-Gruppe Empress führte die Ruckler der Kaufversion auf eine Kombination aus Denuvo und Capcoms eigener Anti-Tamper-Software zurück, Capcom besserte später per Patch nach.
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